Mord-Urteil im Raser-Prozess von Ludwigsburg: Lebenslange Haft für Haupt-Täter

Mord-Urteil im Raser-Prozess von Ludwigsburg
Lebenslange Haft für Haupt-Täter

ArtikeldatumVeröffentlicht am 07.04.2026
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Ludwigsburg Raser Unfall
Foto: picture alliance/dpa/KS-Images.de Andreas Rometsch

Sein Bruder erhielt wegen versuchten Mordes eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren. Ein dritter Beteiligter wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Das Gericht folgte damit der Argumentation der Staatsanwaltschaft. Diese sah es als erwiesen an, dass der Fahrer den tödlichen Ausgang seines Handelns erkannt und dennoch weiter beschleunigt hatte. Entscheidend war aus Sicht der Richter, dass er die Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer nicht nur wahrnahm, sondern in Kauf nahm.

Schlussfolgerung des Gerichts

Nach Überzeugung des Gerichts hatten sich die beiden Brüder gemeinsam mit ihrem Cousin zu einem spontanen Beschleunigungsrennen verabredet. Sie fuhren mit stark überhöhter Geschwindigkeit durch die Stadt, darunter auch durch eine Unterführung.

Dabei bremsten sie mehrfach ab, stimmten sich ab und beschleunigten erneut. Teile der Fahrt wurden gefilmt, die Beteiligten feuerten sich gegenseitig an. Das Geschehen spielte sich auch in Bereichen mit zulässigen 50 km/h ab.

Kurz vor dem späteren Zusammenstoß soll der Hauptangeklagte nochmals stark beschleunigt haben. Diese Phase war für die juristische Bewertung entscheidend, weil das Gericht hier von einer bewussten Inkaufnahme tödlicher Folgen ausging.

Ludwigsburg Raser Unfall
picture alliance/dpa/KS-Images.de Andreas Rometsch

Was war passiert

Der Unfall ereignete sich am Abend des 20.3.2025 auf der Schwieberdinger Straße in Ludwigsburg. Zwei Frauen im Alter von 22 und 23 Jahren wollten von einer Tankstelle auf die Straße einfahren.

Zeitgleich näherte sich das Mercedes-AMG S63 Coupé des Hauptangeklagten (Aufmacherbild) mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit. Laut Gericht lag diese bei mehr als 130 km/h. Das Fahrzeug prallte in das Auto der Frauen.

Durch die Wucht des Aufpralls wurde deren Wagen gegen eine Mauer geschleudert und zwischen Bäumen eingeklemmt. Beide Frauen starben noch an der Unfallstelle.

Illegales Rennen mit Mord-Motiv

Der Fall steht im Kontext einer seit 2017 verschärften Gesetzeslage. Illegale Autorennen gelten seither als Straftat. Kommen Menschen ums Leben, können Gerichte je nach Einzelfall unterschiedliche Straftatbestände anwenden, von fahrlässiger Tötung bis hin zu Mord.

Für eine Verurteilung wegen Mordes ist entscheidend, ob der Täter den Tod anderer nicht nur für möglich hält, sondern ihn billigend in Kauf nimmt. Genau diese Abgrenzung war auch in diesem Verfahren zentral. In vergleichbaren Fällen in Deutschland sind Gerichte zu unterschiedlichen Bewertungen gekommen.

Zugleich zeigt der Fall eine Entwicklung bei den Fallzahlen. Nach Angaben der Polizei wurden in Baden-Württemberg im Jahr 2024 insgesamt 433 illegale Autorennen registriert. Im ersten Halbjahr 2025 waren es bereits 293 Fälle. Der Anstieg wird unter anderem mit intensiveren Kontrollen erklärt.

Fazit