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Autoindustrie in der Corona-Krise

Gewinneinbruch bei Daimler

Die Corona-Krise verschärft die wirtschaftliche Situation bei Daimler – der Gewinn bricht ein.

Daimler hatte bereits im Vorjahr mit rückläufigen Gewinnen zu kämpfen, jetzt setzt die Corona-Krise dem Konzern weiter heftig zu. Im ersten Quartal 2020 verkaufte Daimler 17 Prozent weniger Fahrzeuge als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz ist dabei noch vergleichsweise leicht gesunken, weil die Stuttgarter mehr Fahrzeuge aus den oberen Preissegmenten absetzen konnten – er ging um sechs auf 37,2 Milliarden Euro runter.

Pläne vom Vorjahr gelten nicht mehr

Durch das Senken von Kosten wollte Daimler-Chef Ola Källenius das für Daimler schlecht gelaufene Jahr 2019 wieder ausgleichen. Dies wollte er mit einer Straffung der Modellpalette, durch Kürzen von Investitionen und durch Stellenstreichungen erreichen. Allerdings hat Corona jetzt alles verschlimmert und die Pläne des Daimler-Chefs durcheinandergebracht. Das Erholungsmuster nach der Krise sei entscheidend dafür, wie Daimler aus dem Tief komme, heißt es aus Unternehmensführungs-Kreisen. Ein wenig Zuversicht ziehen die Stuttgarter aus China – der dortige Markt scheint langsam zur Normalität zurückzukehren.

Fahrbericht Mercedes EQC 400
Daimler AG/Dirk Weyhenmeyer
Elektro-SUV EQC 400: Daimler möchte trotz Kostendruck an der Entwicklung umweltfreundlicher Technologien festhalten.

Schutz von Barmitteln

Für die Zeit während und nach der Krise sieht sich Daimler allerdings finanziell sicher aufgestellt. Man habe Maßnahmen zum Schutz des Barmittelbestandes und der Flexibilität eingeleitet, gibt sich Källenius kämpferisch. Alleine beim Personal möchte er 1,4 Milliarden Euro sparen. Gespräche über eventuelle Abfindungsvereinbarungen sind aber erstmal nach hinten verschoben. Außerdem hat Daimler die Kurzarbeit verlängert und eine Urlaubssperre bis Ende Juni verhängt, da im Urlaub das volle Gehalt zu zahlen wäre.

Schlüsseltechnologien zum Klimaschutz stehen trotz des immensen Kostendrucks nicht zur Disposition, betont Källenius. Auch an Plänen zur Auszahlung einer Dividende scheint Daimler festhalten zu wollen.

VW meldet heftigen Gewinneinbruch

Im ersten Quartal 2020 gingen die weltweiten Fahrzeug-Auslieferungen infolge der Corona-Pandemie im 1. Quartal 2020 um 23,0% auf 2,006 Millionen Einheiten zurück, so der Volkswagen-Konzern am 29. April. Im März lag das Minus bei 37,6 Prozent, so dass nur noch 0,623 Millionen Autos einen Käufer fanden.

Erlkönig VW Tiguan Facelift 2020
Stefan Baldauf
Das Facelift des meistverkauften VW-Modells (Tiguan) steht im zweiten Halbjahr 2020 an.

Porsche nur mit 1,3 Prozent Rückgang

Die einzelnen Marken litten ähnlich unter dem Absatzrückgang: Audi verkauft im ersten Quartal 2020 weltweit 268.000 statt im Vorjahr 305.000 Fahrzeuge, ein Minus von 12 Prozent. Das chinesische Joint Venture FAW-Volkswagen setzte immerhin weitere 97.000 statt 130.000 Audis im Vorjahr ab. Q3 und E-Tron verzeichneten eine steigende Nachfrage. Skoda setzte im Berichtszeitraum 237.000 Fahrzeuge ab, das waren 13,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Besonders gefragt waren die Modelle Scala und Kamiq. Der Absatz der spanischen Tochter Seat lag in den ersten drei Monaten 2020 bei 140.000 Fahrzeugen, ein Minus von 20,6 Prozent gegenüber Vorjahr. Darin enthalten: Der für Audi gefertigte A1. Vergleichsweise beliebt: Die SUV-Modelle Arona, Ateca und Tarraco. Porsche setzte im Zeitraum Januar bis März 2020 weltweit 56.000 Fahrzeuge ab, das waren nur 1,3 Prozent weniger als im Vorjahr.

Das operative Ergebnis der Marken im Vergleich zum ersten Quartal 2019 gab unterschiedlich nach: Während Skoda mit 25,1 und Porsche mit 36,2 Prozent minus davonkamen, schlagen bei der Marke VW 47,8 Prozent und bei Audi gar 98,6 Prozent Rückgang zu Buche. Das operative Ergebnis des Konzerns brach, wie oben erwähnt, um 76,6 Prozent auf 0,9 Milliarden Euro ein. Im Vorjahreszeitraum waren das noch 3,87 Milliarden. Insgesamt rechnet VW in Folge der Covid-19-Pandemie mit einem im Vorjahresvergleich gravierend rückläufigen, aber positiven operativen Konzern-Ergebnis für das Jahr 2020.

Experten rechnen mit minus 20 Prozent fürs Gesamtjahr

Die Analysten der Nord-LB glauben nach dem massiven Einbruch der Zahlen für das erste Quartal an noch schlechtere Werte für das zweite Quartal. Allerdings mache China Hoffnung "und fährt in der Coronavirus-Krise vorweg. Der Absatzrückgang im Reich der Mitte fiel im März mit nur noch 36% gegenüber dem Februar (80%) deutlich moderater aus. Im April könnte das Minus sogar nur noch im einstelligen Prozent-Bereich liegen. Die Wiederaufnahme der Produktion in 32 von 33 chinesischen Werken, dürfte den Weg auch für Europa aufzeigen".

Kooperation VW und Ford (MEB, Argo, NFZ)
Jochen Knechr
VW-Chef Herbert Diess fordert angesichts der Corona-Pandemie Hilfe vom Staat für die "Schlüsselindustrie".

"In Europa hat Volkswagen die Produktion in den ersten Werken wieder aufgenommen. Wir erwarten, dass die meisten Werke in Europa in den Monaten Mai oder Juni wieder mit der Fertigung beginnen, wenngleich vorerst auch nicht im Umfang der Vor-Krisen-Zeit. Schließlich werden Autos nicht das erste sein, was die Kunden nach durchlittener Coronavirus-Krise kaufen. Wir gehen davon aus, dass Auto-Produktion und -Absatz im Jahr 2020 gegenüber dem Jahr 2019 weltweit um 10 – 20 Prozent einbrechen werden, so dass der Konzern 2020 nur rund 9 – 10 Millionen (2019: 11 Millionen) Fahrzeuge verkaufen kann und damit auf dem Niveau von 2012/13 liegen würde. Die Rückgänge der Gewinngrößen dürften prozentual deutlich höher ausfallen, wenngleich sie kaum zu kalkulieren sind".

Keine roten Zahlen für 2020, aber altes Niveau erst wieder 2022

Allerdings, so die Marktbeobachter, "sollte der Konzern auch 2020 noch deutlich schwarze Zahlen schreiben. Margen bzw. Gewinngrößen auf dem Niveau des Jahres 2019 sind u. E. allerdings frühestens wieder 2022 zu erreichen. Die wirtschaftlichen Folgen von 9/11 und der Finanzkrise waren geringer als die wirtschaftlichen Probleme, die sich aus der Coronavirus-Krise ergeben."

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Sind Konjunkturhilfen in Deutschland für unsere global agierenden Autohersteller sinnvoll?
47 Millionen Autos in Deutschland sind genug, eine Absatzförderung hierzulande ist Unfug.
Von der Autoindustrie hängen die meisten Arbeitsplätze ab. Wenn wir die nach Corona sichern wollen, sind Hilfen für die Autobauer gut investiertes Geld..

Fazit

Für Daimler folgt auf ein schwieriges Jahr 2019 ein noch viel schwierigeres Jahr 2020. Die Corona-Krise macht sämtliche Gewinnpläne zunichte – das schlechte erste Quartal ist nur ein Vorgeschmack auf das sicher desaströse zweite Quartal. Aber die Stuttgarter sehen sich finanziell totzdem noch gut aufgestellt und aus China kommen erste Signale für eine Normalisierung des Geschäfts. Klimaschützende Technologien möchte Daimler-Chef Ola Källenius trotz der angespannten Lage weiter vorantreiben.

Der Volkswagenkonzern mit seinen viele Marken und Märkten zeigt exemplarisch, wie heftig die Corona-Pandemie die Autoindustrie bremst. Immerhin dürfte VW selbst 2020 noch schwarze Zahlen schreiben. Das Wachstum zu alter Größe dürfte aber dauern. Zudem bleibt die bange Frage: Wie sehr schadet der Einbruch der Transformation zur Elektromobilität (zukünftige Modelle siehe Bildergalerie) und der Digitalisierung? Für kleinere Hersteller bis hin zu Daimler sprechen die Analysten bereits von einer Konsolidierungswelle in der Automobil-Industrie als Folge der Krise. "Übernahmen oder Fusionen dürften in den nächsten Quartalen und Jahren verstärkt erfolgen", so die Experten.

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