Ist das der Durchbruch für Elektro-Trucks? Mahle entwickelt Range Extender-Modul für E-Lkw

Mahle entwickelt Range Extender-Modul für E-Lkw
Ist das der Durchbruch für Elektro-Trucks?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 18.08.2026
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Der Automobilzulieferer Mahle will auf der IAA Transportation in Hannover (15. bis 20. September 2026) zeigen, wie sich batterieelektrische Antriebe in Nutzfahrzeugen flexibler einsetzen lassen. Der Weg dorthin soll ein neues Range-Extender-System für schwere E-Lkw sein. Es kombiniert einen batterieelektrischen Antrieb mit einem kompakten Verbrennungsmotor, der bei Bedarf elektrische Energie bereitstellt. Damit soll das Konzept vor allem die Abhängigkeit von Ladeinfrastruktur und Batteriekapazität verringern.

Komplettes Generator-Modul

Herzstück des Systems ist ein Hochvoltgenerator. Er liefert dauerhaft 110 kW und kann kurzfristig bis zu 130 kW bereitstellen. Angetrieben wird der Generator von einem kompakten Verbrennungsmotor, dessen genaue Daten der Konzern noch nicht genannt hat. Die Architektur lässt sich laut Mahle an unterschiedliche Leistungsanforderungen und regionale Einsatzbedingungen anpassen. Der Generator erreicht durch eine neu entwickelte Ölkühlung eine Leistungsdichte von mehr als 7 kW je Kilogramm. Damit soll sich eine vergleichsweise hohe elektrische Leistung bei geringem Gewicht realisieren lassen.

Mahle hat den Range Extender als eigenständige Einheit konzipiert. Generator, Verbrennungsmotor, Thermomanagement, Kraftstofftank, AdBlue-Tank sowie Abgasnachbehandlung sind in einer gemeinsamen Box untergebracht. Sie soll in den üblichen Bauraum der Batterie eines batterieelektrischen Lkw passen und sich damit einfach in bestehende BEV-Plattformen integrieren lassen.

Das Konzept erlaubt damit auch eine Reduzierung der Batteriegröße. Nach Angaben von Mahle ersetzt das Range-Extender-System etwa ein Drittel der Batteriekapazität eines vergleichbaren BEV-Lkw. Die kleinere Batterie reduziert die Achslast an der Hinterachse um rund 400 Kilogramm. Insgesamt soll das Fahrzeuggewicht um etwa 600 Kilogramm sinken. Die verbleibende Batterie ermöglicht im konkreten Beispiel rund 400 Kilometer elektrische Reichweite, weitere 400 Kilometer sollen bei Bedarf durch den Range Extender hinzukommen.

Der Antrieb bleibt elektrisch

Der Verbrennungsmotor arbeitet dabei nicht direkt auf die Antriebsräder. Er treibt ausschließlich den Generator an, der elektrische Energie für den Hochvoltantrieb liefert. Der Lkw bleibt damit auch im Range-Extender-Betrieb ein Elektrofahrzeug. Mahle beschreibt die Einheit deshalb als eine Art "Notstromaggregat", das dann zugeschaltet wird, wenn zusätzliche Energie benötigt wird. Marco Warth, Leiter der Mahle Konzernentwicklung, formuliert es so: "Unser Range Extender ist der Schlüssel, um den Markthochlauf batterieelektrischer Lkw von der unzureichenden Geschwindigkeit des Infrastrukturausbaus zu entkoppeln."

Auch das Thermomanagement ist auf den Einsatz unter hoher Last ausgelegt. Das System verfügt über eine Hochtemperatur-Kühlleistung von 48 kW und eine Niedertemperatur-Kühlleistung von 15 kW. Damit sollen Verbrennungsmotor, Generator und die übrigen Komponenten auch bei Schwerlastbetrieb problemlos arbeiten.

Für den Verbrennungsmotor des Range Extenders hat Mahle verschiedene Komponenten weiterentwickelt. Dazu gehört die sogenannte Power Cell Unit (PCU), die unter anderem auf einen geringeren Kraftstoffverbrauch und eine längere Lebensdauer ausgelegt ist. Hinzu kommt ein neues Ölmanagementsystem mit Ölfilter, Ölkühlung und Bypassventil. Je nach Ausführung des Gehäuses sollen sich Materialkosten um bis zu 20 Prozent und das Gewicht um bis zu 25 Prozent reduzieren lassen. Der Motor kann außerdem mit Biokraftstoffen betrieben werden. Bei Verwendung von HVO100 soll der Range Extender nach Mahle nahezu CO₂-frei betrieben werden können. Im realen Einsatz sollen die CO₂-Emissionen des Range-Extender-Antriebs gegenüber einem konventionellen Antrieb um mehr als 80 Prozent niedriger liegen.

Neu entwickelter Elektromotor

Neben dem Range Extender bringt Mahle eine weitere Weltpremiere nach Hannover. Der MCT-E-Motor für elektrische Antriebsachsen schwerer Nutzfahrzeuge kommt ohne Permanentmagnete und damit ohne Seltene Erden aus. Gegenüber einer permanenterregten Synchronmaschine soll er bis zu drei Kilogramm Seltenerdmagnete pro Fahrzeug einsparen. Der Motor ist laut Mahle zehn Prozent leichter und erreicht in realen Fahrzyklen bei gleichen Kosten eine höhere Effizienz als die verglichene permanenterregte Maschine. Die Spitzenleistung beträgt 370 kW, das maximale Drehmoment liegt bei mehr als 900 Nm bei 3.900 U/min. Im VECTO-Zyklus erreicht der Motor einen Wirkungsgrad von 95 Prozent.

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