Seit fast genau drei Monaten können die Autokäuferinnen und -käufer, die sich für ein elektrisch angetriebenes Modell interessieren, die staatliche Förderung beantragen. Deren Ziel laut Initiator Carsten Schneider (SPD): "Wir tun mit diesem Förderprogramm etwas für die Umwelt, für die Autoindustrie und für die Haushalte, die sich sonst kein Elektroauto leisten könnten", so der Bundesumweltminister bei der Einführung Mitte Mai.
Mit der Umsetzung ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) betraut. Das hat den Drei-Monats-Zeitraum kürzlich zum Anlass genommen, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Die schlüsselt unter anderem ganz genau auf, für welche Automodelle bislang Förderanträge gestellt wurden – teils hinunter bis auf die Ebene einzelner Antriebsvarianten. Und liefert damit interessante Erkenntnisse, ob der für Minister Scheider so wichtige soziale Aspekt seiner E-Auto-Förderung auch tatsächlich zum Tragen kommt.
Deshalb haben wir uns tief in die Daten gewühlt und sind der Frage nachgegangen: Was wird eigentlich häufiger gefördert – das günstigste Basismodell einer Baureihe, eine höherwertige Variante oder doch die Topversion?
Skoda Elroq
Der Skoda Elroq ist ein Auto, das prädestiniert ist für die staatliche E-Auto-Förderung: Ein kompakter SUV, der vom Zuschnitt her fast alle Herausforderungen des automobilen Alltags abdeckt. Nicht umsonst war der Tscheche schon vor Einführung der Kaufprämie ein Erfolgsmodell – nicht zuletzt wegen seines Einstiegspreises von 33.900 Euro. Doch der gilt seit Ende letzten Jahres nicht mehr, denn da hatte Skoda heimlich, still und leise das Basismodell Elroq 50 aus dem Programm genommen. Vielleicht in der Annahme, dass bald eine staatliche E-Auto-Förderung eingeführt wird, mit der sich auch die teureren und damit margenstärkeren Modellvarianten subventionieren lassen?
Sollte das ein Hintergedanke gewesen sein, dann ist er für Skoda voll und ganz aufgegangen. Vor allem deshalb, weil sich die Kundschaft nicht etwa auf das neue und mindestens 37.890 Euro teure Basismodell Elroq 60 (603 Anträge) gestürzt hat. Sondern vornehmlich auf den darüber rangierenden Elroq 85 mit 286 PS und einem Mindestpreis von aktuell 46.890 Euro, auf den sogar 728 Anträge entfallen. Den Elroq RS haben übrigens immerhin 214 Personen per Förderantrag querfinanziert. Zur Einordnung: Hier handelt es sich um das 340 PS starke und mindestens 55.240 Euro teure Topmodell der Baureihe.
Im Detail: Skoda Elroq 85 Sportline
Cupra Born
Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Cupra Born . Auch hier liegen nicht etwa die Einstiegsvarianten vorn in der Gunst der Förderantragsteller, sondern ganz klar die mittlere Version mit 170 kW (231 PS) starkem Antrieb. Während auf den Basis-Born nur 145 Anträge entfielen, waren es beim teureren Pendant (aktuell beträgt der Preisunterschied 6.000 Euro) exakt deren 500. Eine größere Reichweite kann nicht das Argument dafür gewesen sein, dass die Kundschaft bereit war, den Aufpreis zu zahlen: Laut BAFA-Liste verfügten beide Varianten über einen identischen Akku mit 60 (netto) beziehungsweise 63 (brutto) Kilowattstunden (kWh).
Zugegeben: Das Bild ist inzwischen ein bisschen schief, weil Cupra das Modellprogramm beim Born neu geordnet hat. An die Stelle der 150-kW-Basis trat vor einigen Monaten ein 140-kW-Modell mit etwas kleinerem Akku, während die 170-kW-Version nun nur noch mit 79-/84-kWh-Akku erhältlich ist. Der ist übrigens auch im Born-Topmodell mit der Bezeichnung VZ verbaut, das mit 240 kW (326 PS) und 50.990 Euro Listenpreis antritt – und für das immerhin 39 Förderanträge gestellt wurden.
VW ID.3
Deutlich näher liegen die beiden zentralen Modellvarianten beim Technikzwilling des Born – VW ID.3 – beisammen. Auf das Pure-Basismodell mit 125 kW (170 PS) entfielen bisher 329 Förderanträge, während es bei der Pro-Version mit 150 kW (204 PS) 478 waren. Der Preisunterschied: mehr als 3.000 Euro. Abzuwarten bleibt, wie sich die Antragssituation nach dem Modellwechsel zum ID.3 Neo entwickelt. Im Zuge dessen ordnet VW die Angebotsstruktur neu und führt beim ID.3 die bekannte Ausstattungslogik mit den Linien Trend, Life und Style ein. Unsere Prognose: Auch künftig werden auf den ID.3 Trend weniger Anträge entfallen, da er die einzige Variante ist, bei der sich die Akkugröße nicht wählen lässt.
BMW iX1
Beim kleinsten Elektro-SUV der Münchner stimmt die Hierarchie auf den ersten Blick: Auf das Basismodell iX1 eDrive20 entfielen eindeutig mehr Anträge als auf den iX1 xDrive30, nämlich 497 statt 112. Hier war also Bescheidenheit angesagt, denn die große Mehrheit der Käuferinnen und Käufer begnügte sich mit 204 statt 313 PS und Front- statt Allradantrieb. Andererseits ist Bescheidenheit relativ, wenn das geförderte Auto mindestens 49.400 (eDrive20) respektive 56.600 Euro (iX1 xDrive30) kostet – plus Extras, versteht sich. Hier kommt wohl eher Schneiders zweiter Aspekt zum Tragen: "Wir tun mit diesem Förderprogramm etwas für [...] die Autoindustrie."












