Anlässlich der Messe Auto China 2026 in Peking hat Mercedes-Benz den neuen elektrischen GLC L erstmals öffentlich gezeigt. Der GLC L ist dabei als eigenständige China-Ausführung des elektrischen GLC konzipiert. Zentraler Unterschied ist der längere Radstand: Mercedes nennt 3.027 Millimeter, das sind 55 Millimeter mehr als beim Standardmodell. Mit dem Plus zwischen den Achsen geht auch eine gestreckte Karosserie einher. Die Gesamtlänge nimmt mit 4.933 Millimeter Kurs in Richtung Oberklasse. Gegenüber dem europäischen Standardmodell entspricht das einem Längenwachstum um rund zehn Zentimeter. Zugutekommt das Wachstum der zweiten Sitzreihe, in der erheblich mehr Beinfreiheit zur Verfügung steht.
Auch als Sechssitzer
Eine Besonderheit gegenüber dem in Europa angebotenen GLC ist nicht nur die verlängerte Ausführung, sondern auch die Innenraumkonfiguration. Mercedes bringt den elektrischen GLC L in zwei exklusiv für China entwickelten Varianten: als Fünfsitzer und als Sechssitzer. Für die zweite Reihe sind optional zwei Einzelsitze vorgesehen, die ein besonders komfortables Reiseerlebnis im Business-Class-Stil ermöglichen sollen.
Technisch setzt der elektrische GLC L auf Elemente, die Mercedes aus höheren Baureihen ableitet. Genannt wird die Airmatic-Luftfederung, wie sie aus der S-Klasse bekannt ist, kombiniert mit einer Hinterachslenkung; die Technik entspricht dem in Europa angebotenen elektrischen GLC. Für den GLC L wird dabei ein Lenkwinkel von 4,5 Grad angegeben. Dazu kommt eine marktspezifische Fahrwerksabstimmung: Mercedes spricht von China-exklusiven Hydraulikbuchsen und einer gezielten NVH-Optimierung, also Maßnahmen zur Reduzierung von Geräuschen und Vibrationen im Innenraum.
KI für China
Beim Bedien- und Softwarekonzept rückt Mercedes das neue Betriebssystem MB.OS in den Vordergrund. Der GLC L soll KI-Funktionen nutzen, die für chinesische Nutzergewohnheiten angepasst sind. Als Beispiel nennt Mercedes die Integration der Electronic Toll Collection in das navigationsgestützte Fahrassistenzsystem, um die Kompatibilität mit dem in China verbreiteten ETC-Mautsystem zu gewährleisten. Auch die Sprach- und Avatar-Logik wird lokalisiert: Der virtuelle Assistent erhält in China eine Ausprägung namens "LittleBenz", die auf Large-Model-KI und einer menschlicher ausgelegten Sprachtechnologie basiert. Unterstützt werden neben Mandarin auch Englisch sowie kantonesische und Sichuan-Dialekte. Für die Kunden sei es entscheidend, dass die Mensch-Fahrzeug-Interaktionen federführend vom China-Team entwickelt und damit über eine reine Übersetzung hinaus gezielt an chinesische Bedürfnisse angepasst wurde.
Zum Antrieb des GLC L liefert Mercedes aktuell keine Informationen, dieser dürfte allerdings dem im europäischen GLC 400 4-Matic mit EQ-Technologie entsprechen. Bedeutet: 360 kW/489 PS Leistung, 800 Nm Drehmoment und ein 94 kWh-Akku.
Entwicklungsverlagerung nach China
Die Premiere des GLC L verbindet Mercedes mit einem deutlichen Statement zum chinesischen Markt. "Künftig werden wir unsere Lokalisierung weiter vertiefen – indem wir dort mehr Fahrzeuge entwickeln und produzieren und China zunehmend als Innovationsquelle für Mercedes‑Benz weltweit nutzen", so Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes‑Benz Group AG. Übersetzt bedeutet das, dass Mercedes in Zukunft Entwicklungsarbeit nicht nur für den chinesischen Markt verstärkt nach China verlagert.
Parallel baut Mercedes die lokale Produktion aus: Das Joint Venture BBAC in Peking, das als größtes Mercedes-Werk weltweit gilt, soll bis 2027 ein erweitertes lokal produziertes Fahrzeugangebot abdecken.







