Tesla Model 3, Autopilot-Unfall NTSB

Behörden-Bericht zu tödlichen Tesla-Unfällen

Keine Entlastung für Teslas Auto-Pilot

Die US-Verkehrsbehörde sieht Fahrer, zu lasche Vorschriften aber auch die Autopilot-Technik als Ursache für zwei tödliche Tesla-Unfälle. Auch eine Konkurrenz-Behörde soll Fehler gemacht haben.

Die US-Verkehrsbehörde NTSB (National Transportation Safety Board) hat ihren Abschlussbericht zur Untersuchung von zwei tödlichen Tesla-Unfällen vorgelegt. Ein zentraler Punkt der Untersuchungen war, welchen Einfluss das von Tesla seinerzeit "Autopilot" genannte Assistenz-Paket zum teilautonomen Fahren nach Level 2 auf das Unfallgeschehen hatte.

Der erste der beiden untersuchten Unfälle betrifft einen Model-X-Crash, der sich 2018 im kalifornischen Mountain View ereignete. Beim zweiten handelt es sich um den Unfall, bei dem am 1. März 2019 in Delray Beach im US-Bundesstaat Florida der 50-jährige Fahrer eines Tesla Model 3 mit einer Geschwindigkeit von 111 km/h unter den Auflieger eines Sattelschleppers raste. Dabei scherte das Dach des Model 3 ab, der Fahrer starb. Für die Untersuchung haben die Sicherheits-Experten der Verkehrsbehörde die Dashcam-Aufzeichnungen der beiden verunfallten Tesla-Modelle mit sämtlichen zur Verfügung stehenden Telemetrie-Daten abgeglichen.

Tesla Model-S Unfall Indiana
Indiana State Police
Stehende Objekte, hier ein Feuerwehrauto im US-Bundesstaat Indiana, erkennt die Assistenztechnik von Tesla nicht immer.

Autopilot-Technik als Teilursache

In beiden Fällen sieht die NTSB im sogenannten Autopiloten eine Teilursache der Unfälle, menschliches Versagen spielte bei den Unfällen aber eine ausschlaggebende Rolle. So hat der Truckfahrer im untersuchten Fall die Vorfahrt des Tesla Model 3 missachtet. Dessen Fahrer war wiederum unaufmerksam, da er sich zu sehr auf das aktivierte Autopilot-System verlassen hat. Das technische Design des für rudimentäres Teilautonomes Fahren gedachten Assistenz-Systems war laut NTSB ebenfalls fehlerhaft – Tesla habe es versäumt, den Einsatz der Technik auf die Anwendungsgebiete zu beschränken, für die sie gedacht war. Damit dürfte gemeint sein, dass anscheinend einige Fahrer versucht haben, das Assistenzpaket für vollautonomes Fahren zu nutzen – dafür war die Technik allerdings vollkommen untauglich, auch wenn der fahrlässig gewählte Marketingname "Autopilot" möglicherweise einen anderen Eindruck entstehen ließ. Ganz speziell war die Technik beispielsweise nicht in der Lage, Querverkehr richtig zu erkennen und als Bedrohung zu interpretieren. Der Autopilot war also für den Einsatz auf einem Highway mit Querverkehr technisch nicht geeignet.

Konkurrierende Behörde NHTSA mitschuldig

Außerdem benennt die NTSB auch die US-Bundesbehörde für Straßen- und Verkehrssicherheit NHTSA (National Highway Traffic Safety Administration) als Mitschuldigen: Die Behörde habe es versäumt, zusammen mit Tesla eine Methode zur Überprüfung der Funktionstüchtigkeit der maximal für autonomes Fahren nach Level 2 geeigneten Technik zu entwickeln. Die NHTSA machte insgesamt bisher bei den Ermittlungen zu Tesla-Autopilot-Unfällen keine glückliche Figur. So untersuchten NHTSA-Mitarbeiter beispielsweise von Tesla gelieferte Daten zur Unfallhäufigkeit mit aktiviertem und mit nicht aktiviertem Lenk-Assistenten. Als ein privates Institut die Ergebnisse später überprüfte, kamen haarsträubende Versäumnisse der NHTSA ans Tageslicht. So hatte die Behörde unter anderem Autos mit einer angeblich negativen Kilometerleistung in die Auswertung mit einbezogen. Nachfragen unserseits, wie solche offensichtlichen Fehler passieren konnten, versackten im Kompetenz-Hin-und-Her-Geschiebe der NHTSA und blieben bis heute ohne befriedigende Antwort.

Tesla-Unfall, Technik
Archiv
Erkennt Querverkehr nicht als Gefahr: die Tesla-Assistenztechnik.

Auch für den Model-X-Unfall stellte die NTSB fest, dass der Autofahrer sich zu stark auf die bei weitem nicht für autonomes Fahren ausreichenden Fähigkeiten des Autopiloten verlassen hatte. Dieser tödlichen Bedrohung durch Ablenkung waren laut NTSB weder die Tesla-Technik noch die geltenden Vorschriften angemessen.

Tesla-Fans scheinen Regelungsbedarf zu erkennen

Selbst Tesla-Fans scheinen die Ansicht der NTSB in Sachen Ablenkung des Fahrers durch zu viel Vertrauen in die für teilautonomes Fahren gedachte Technik zu teilen. In Beiträgen im Internet ist zu lesen, dass sie eine stärkere Überwachung des Fahrers fordern. So schlagen sie unter anderem eine verbesserte Lenkrad-Sensorik oder auch eine Blickrichtungs-Verfolgung des Fahrers per Kamera vor – zweiteres setzen andere Hersteller bereits testweise ein. Ob Tesla selbst ein Einsehen hat, ist fraglich: Die NTSB äußerste sich im Zuge des Unfall-Reports auch frustriert darüber, dass Tesla nach der Untersuchung anderer Autopilot-Unfälle Empfehlungen der NTSB ignorierte.

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Würden Sie sich die optionale Assistenztechnik beim Teslakauf dazubestellen?
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Fazit

Der Abschlussbericht des NTSB bestätigt, was viele von Anfang an vermutet haben: Das zu hohe Vertrauen in die Fähigkeiten des technisch für autonomes Fahren vollkommen untauglichen Autopiloten war ein entscheidender Faktor für die tödlichen Tesla-Unfälle. Allerdings führte erst menschliches Versagen zu der Unfallsituation. Außerdem beschuldigt die NTSB die konkurrierende Behörde NHTSA, nicht sichergestellt zu haben, dass der Autopilot nur dort zum Einsatz kommt, wo er auch wirksam sein kann – und beispielsweise nicht auf Straßen mit Querverkehr.

Nach Reaktionen im Netz zu urteilen, scheinen Tesla-Fans eine bessere Überwachung des Fahrers als Schutz vor Ablenkung zu begrüßen. Tesla selbst hat sich in Sachen Autopilot-Unfälle bisher eher ungeschickt verhalten: Das kalifornische Unternehmen wiederholt gebetsmühlenartig die alleinige Verantwortung des Fahrers, hat kein Problem mit dem möglicherweise irreführenden Begriff "Autopilot" und preist seine anscheinend für bestimmte Verkehrssituationen ungeeignete Assistenztechnik als Sicherheitsgewinn.

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