Autobahnplakate, die nicht nur von einer Agentur, sondern erstmals auch von der Öffentlichkeit mitgestaltet werden: Die Verkehrssicherheitskampagne "Runter vom Gas" lässt ab sofort bis zum 20. Juni 2026 online darüber abstimmen, welche Motive künftig auf bis zu 700 Plakatflächen entlang deutscher Autobahnen hängen sollen. Hinter der Aktion stehen das Bundesministerium für Verkehr (BMV) und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR); unterstützt wird die Plakatkampagne von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) sowie Berufsgenossenschaften und Unfallkassen.
Verkehrsteilnehmer stärker einbinden
Ziel der Abstimmung ist es, Menschen, die am Verkehr teilnehmen, stärker einzubinden – und zugleich zum Nachdenken über das eigene Verhalten zu animieren. "Mit der Abstimmung geben wir den Menschen die Möglichkeit, sich aktiv an der Kampagne zu beteiligen und ihre eigenen Erfahrungen und Perspektiven einzubringen", sagt DVR-Präsident Manfred Wirsch. DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Stephan Fasshauer betont den Gemeinschaftsaspekt: Verkehrssicherheit sei "ein gemeinsamer gesellschaftlicher Prozess", der durch persönliche Erfahrungen "praxisnäher" werde.
Der jetzigen Abstimmungsrunde ging bereits eine erste Beteiligungsphase im November 2025 voraus. Dabei wurde erhoben, welche Unfallursachen auf Autobahnen die Menschen am meisten beschäftigen. Mit 32 Prozent lag mangelnder Sicherheitsabstand vorn, gefolgt von nicht angepasster Geschwindigkeit (29 Prozent) und Ablenkung am Steuer (26 Prozent). Alkohol- oder Drogeneinfluss am Steuer nahmen elf Prozent der Befragten als größte Gefahr wahr.
Drei Plakatserien in der Abstimmung
Aus den Einsendungen entstanden drei Plakatserien, entwickelt von der Werbe- und Kommunikationsagentur Scholz & Friends: "Kinderzeichnungen", "Totenillustrationen" und "Leichensäcke". Nun entscheidet das Online-Voting, welche Motive davon künftig tatsächlich die großflächige Präsenz an den Autobahnen bekommen – inklusive der Botschaften, die zuvor von Bürgerinnen und Bürgern formuliert wurden.
Die Verkehrssicherheitskampagne "Runter vom Gas" läuft seit 2008 und setzt auf klare, teils bewusst provokante Ansprache, um Risiken und typische Unfallursachen im Straßenverkehr sichtbar zu machen. Mit der Bürgerabstimmung bekommt die Kampagne jetzt ein neues Element: weniger Top-down, mehr Rückkopplung aus dem Alltag – und damit Plakatmotive, die im besten Fall genau dort eine positive Wirkung entfalten, wo Routine am Steuer gefährlich wird.












