Alfa Romeo Giulia GTAm Dino Eisele
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Alfa Romeo Giulia GTAm 18 Bilder

Alfa Romeo Giulia GTAm im Fahrbericht

Alfa Romeo Giulia GTAm Limitierte Track-Queen zum 911-GT3-Preis

Mit der limitierten GTAm adelt Alfa Romeo die Giulia mit mehr Leistung, weniger Gewicht und reichlich Karbonflügelwerk zur Track-Queen.

Im dunklen Schatten eines überwucherten Flugzeughangars ruht die neue Geheimwaffe von Alfa Romeo hinter zentimeterdicken Stahltoren: Metallisch grün und mit reichlich Karbonflügelwerk lauert die Giulia GTAm dort nicht weniger angriffslustig als die Kampfjets, die sich hier einst verbargen. Ein Druck auf den roten Auslöser am Lenkrad und die Stille zerbricht. Sie wird von zwei mittig angeordneten Akrapovic-Bordkanonen förmlich zerfetzt. Dampfend entweichen die Abgase aus dem Dunkel des Kampfjethangars in die kühle Morgenluft. Sirrend löst sich die elektronische Handbremse. Langsam rollt Alfa Romeos Giulia GTAm hinaus auf den Taxiway des alten Flughafens Pferdsfeld im Hunsrück. Der 540 PS starke 90-Grad-V6 trabt sich warm, wie die Cavallinos des Maranello-V8, dessen Blutlinie er entstammt.

Mhmm, allein schon wie er klingt: nach Tradition oder besser Rennsportwurzeln. Italienisch halt, so wie der Name Gran Turismo Alleggerita modificato. Frei übersetzt bedeutet er: mehr Leistung, weniger Gewicht. In Zahlen: plus 30 PS, minus 100 kg. Ein bewährtes Rezept, nach dem sie in Italien gerne backen.

GTAm: Mehr Leistung, weniger Gewicht

Die Zutaten? Für die Mehrleistung würzen die Italiener die GTA-Versionen mit neuer Motorsoftware und lassen die zwei Turbos des 2,9-Liter-Sechszylinders 20.000/min höher drehen. Neue Pleuelstangen samt Kolben sausen in den Zylindern auf und ab. Und da es im 90-Grad-Alumotor nun hitziger zugeht, optimieren die Italiener gleich noch die Ölkühlung. Gleichzeitig atmet die Giulia durch die rund zehn Kilogramm leichtere Titan-Abgasanlage befreiter aus. Die Sabelt-Rennschalensitze sparen nicht nur an Komfort, sondern 30 Kilogramm. Und die Karbonkarosserieteile lassen weitere zehn Kilo von ihren sexy Hüften purzeln.

Pamm! Mit Stoffschlaufen zieht man die spärlich verkleideten Türen zu, die rennwagig scheppernd ins Schloss fallen. Hinten kleben leichte Polycarbonat-Fenster fest im Rahmen. Im Fond fehlt der GTAm die schwere Sitzbank, der kaum zivileren Schwester GTA. Stattdessen überspannt ein in der Wagenfarbe Montreal-grün lackierter acht Kilogramm schwerer Bügel die Ausbuchtungen für Helme und den Feuerlöscher.

Neben den Sparmaßnahmen greifen die Ingenieure tief in die Aerodynamik ein. Nicht umsonst prangt ein Sauber-F1-Sticker auf den Karbon-Schwellerflicks. Tatsächlich wurden die mit kleinen Spoilern und großen Lufteinlässen durchsetze Frontschürze, die Kotflügel mit vergitterten Kühlauslässen, der breitere Heckdiffusor sowie der Heckflügel im Windkanal des Formel-1-Partner-Rennstalls erprobt.

Absolut beeindruckend, was dabei rauskam – im wahren Wortsinn, denn die Karbonlippe lässt sich um ein paar Zentimeter ausziehen und senkt sich dann bei 100 km/h weiter ab. Mehrsprachig weißt man mit Aufklebern darauf hin, dass man sich hier bitte nicht draufstellen möge. Und, dass das Ganze nur für die Rennstrecke zu gebrauchen sei. Gleiches gilt für dem großen Rahmenflügel auf dem Heck. Sein Oberdeck lässt sich in vier Positionen mittels Inbusschrauben anstellen. Im Vergleich zur Basis-Quadrifoglio-Version soll die GTAm dreieinhalb Mal so viel Downforce produzieren. In Maximalstellung opfert sie dafür zehn der 300 km/h Vmax. Was man nicht sieht: Am Unterboden montieren die Ingenieure ein paar Leitbleche, die den Luftstrom gezielt verwirbeln und auf Differenzial und Diffusor lenken.

Ein Traum aus Alcantara

Ablenkung? Nicht hier drinnen. Alles ist reduziert, auf das Wesentliche, wenn Sie so wollen. Aber in Chic: mit Karbondekor, quadratmeterweise verlegtem Alcantara und sorgfältig gesetzten mehrfarbigen Nähten. Dazu ein – Achtung – rundes Lederlenkrad, klassische Rundinstrumente und ein Dreh-Drücker fürs übersichtliche Infotainment. Und natürlich die fest montierten und an sich grandiosen Rennschalen. Blöd nur, dass jemand dem Fahrersitz ganz offensichtlich für einen langen Lulatsch eingestellt hat. Die gefühlt leicht liegende Sitzposition ist für den nur 1,75 Meter kurzen Schreiberling jedendalls nicht ganz optimal. Naja, aber etwas Leiden gehört eben dazu, bei einer Italienerin. Zumal dich der Sechspunktgurt festzurrt.

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Der Innenraum: ein Traum in Alcantara.

Ideal platziert ist dagegen das Wahlrädchen in der Mittelkonsole: Dreh- und Angelpunkt der Fahrdynamik – die DNA – wie drei der vier Fahrmodi (inklusive Race) tatsächlich heißen. Hier versteckt sich einer der wenigen Kritikpunkte, weil man das ESP nicht separat abschalten und sich sein Fahrzeug-Menü nicht selbst zusammenstellen kann. Wer will heute schon à la carte essen? Eben. Also hält man sich an die Menü-Reihenfolge von A über N zu D. Mit jedem Dreh spitzen sich Dämpfer, Motor und Lenkung zu. Anfangs agieren alle Beteiligten betont zivilisiert. Ja, man glaubt fast an ein Versehen, wie gutmütig und fast schon komfortabel sich die grüne Queen benimmt. Also noch einmal langanhaltend am Rädchen drehen, um den Race-Modus aktivieren, weil eben nur hier das ESP und Traktionskontrolle raus sind.

Handling-Queen

Der passt perfekt, denn das ehemalige Flughafengelände bietet neben allerlei Fahrdynamik-Spielplätzen einen fiesen Handlingkurs. Fies, weil meist direkt hinter den rutschigen Curbs glänzende Leitplanken lauern. Keine Strecke für Anfänger. Gut, das heute Rennfahrer Christian Menzel in der Normal-Quadrifoglio an die Spitze setzt und seine Vorstellung der Idealinie präsentiert. Start-Ziel gibt’s hier nicht. Dafür folgt auf die kurze Hangar-Gerade eine Bergab-Linkskurve, die in eine nahezu unendlich wirkende Rechts mündet. Also möglichst lange weit außen halten und erst gaaaanz spät reinziehen. Die beflügelte Giulia liegt unfassbar stabil und lenkt gierig mit feistem Grip an der Vorderachse ein. Kein Wunder, schließlich wächst die Spur vorn wie hinten um 50 Millimeter. Zudem beruhigen kürzere, rund 2,7 kg leichtere Federn sowie neu abgestimmt Dämpfer samt Lagern die Karosserie.

Rausbeschleunigen auf die kurze Gegengerade. 540 PS und 600 Nm schlagen nicht brutal zu, sondern bauen sich auf. In 3,8 Sekunden geht es laut Alfa auf Hundert. Feinsinnig dreht die GTAm dabei über die Siebentausend. Die Gänge der Achtgang-Automatik schlagen blitzartig ein. Abrupt endet die Beschleunigungsorgie in einer 90-Grad-Schikane, die dicke Betonklötze flankieren. Die serienmäßigen Keramik-Bremsen beißen zu, oder ankern sie schon? Tatsächlich ist die Dosierbarkeit, mit dem Brake-by-Wire Pedal nicht ganz so easy. Bei voller Attacke muss man höllisch aufpassen die Brembos nicht zu überbremsen. Mit den nur 1.580 Kilogramm leichten GTAm haben sie jedenfalls leichtes Spiel.

Alfa Romeo Giulia GTAm
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Die GTAm betört nicht nur mit Kurven, sie verschlingt sie auch.

In den zwei folgenden schnellen Rechtsknicks bleibt die GTAm wieder unfassbar stabil. Kein Einlenkuntersteuern, dafür glasklare Rückmeldung und zackige Ansprache im Trackmodus. Driften? Ist nicht ihr Ding. Semislick-Grip und Aero kleben und pressen das Heck auf die Ideallinie. Selbst mit roher Gewalt geht die GTAm nur widerwillig quer. Nichts, was für Instagram-Fame taugt. Schlimm? Im Gegenteil! Sind die Michelin Pilot Sport Cup 2 erstmal warm ist die Traktion haftkleberartig und die Querbeschleunigung brutal. Vor allem aber bauen die Reifen weniger schnell ab als die Pirelli P Zeros der Seriengiulia, die nach ein paar Führungsrunden mit Graining im Hangar verschwindet. Erste einige Runden später beendet der fast leere Tank das Quer- und Längsdynamik-Theater.

Teure Trackday-Heldin

Auf den filigranen zwanzig Zoll Felgen mit Zentralverschluss ruht die heißgefahrene Limousine wieder vor den alten Hangartoren. Sehr wahrscheinlich ist unser erstes auch unser letztes Treffen. Denn GTA und GTAm sind zusammen auf lediglich 500 Stück limitiert. Und die laufende Nummer 320 auf dem Armaturenbrett zeugt davon, dass wohl nicht mehr viele Unterschriften auf den Kaufverträgen fehlen. Trotz oder vielleicht sogar wegen des Preises von 178.000 Euro – also fast 100.000 Euro mehr als für die Quadrifoglio, womit die GTAm auf dem Preisniveau eines Porsche 911 GT3 liegt.

Puhh, ganz schön selbstbewusst. Immerhin bekommt man dafür passend zum Auto gleich ein ganzes Rahmenprogramm: Die Übergabe etwa erfolgt durch einen Alfa Romeo-Markenbotschafter. Und den Helm von Bell im GTA-Design sowie den Alpinestars-Rennoverall können Sie gleich beim Alfa-Fahrtraining anlegen. Bevor die meisten Exemplare wohl auf Nimmerwiedersehn unter der mitgelieferten Schutzhaube für immer in den Garagen der Schönen, Reichen und ganzschön Reichen verschwinden.

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Fazit

Die Giulia GTAm ist keine, die heroische Driftwinkel zaubert. Nein, sie ist eine feinsinnige Kurvenkünstlerin, die sich und ihre Leistung stets im Griff hat. Abgedreht? Ist hier nur der Preis.

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