Ferrari F40 erzielen auf Auktionen regelmäßig Preise jenseits der Zwei-Millionen-Euro-Marke. Doch das Exemplar, das RM Sotheby's versteigert, ist selbst in diesem exklusiven Zirkel eine Ausnahme. Sein erster Besitzer war die französische Motorsport-Legende Jean Sage. Der Franzose war eine Schlüsselfigur im Motorsport der 1970er- und 1980er-Jahre, gründete das Écurie Elf-Team in der Formel 2 und leitete später das Formel-1-Team von Renault in der Turbo-Ära, das Alain Prost zu seinen ersten Erfolgen führte. 1989 wechselte Sage zu Ferrari France (Charles Pozzi SA) und leitete dort das F40-IMSA-Rennprogramm in den USA.
Durch diese Tätigkeit kannte er den F40 wie kaum ein Zweiter. Im April 1990 erwarb er sein eigenes Exemplar mit Chassisnummer 84642, eine frühe Version ohne Katalysator und ohne das später eingeführte, verstellbare Fahrwerk. Doch ein Serien-F40 genügte dem erfahrenen Motorsport-Manager nicht.
Die Michelotto-Kur
1994, bei einem Kilometerstand von 16.203, beauftragte Sage den renommierten Ferrari-Spezialisten Giuliano Michelotto mit einem tiefgreifenden Umbau. Das Ziel: den F40 nach dem Vorbild der CSAI-GT-Spezifikation zu optimieren, dabei aber die Straßenzulassung zu erhalten. Michelotto, der bereits an der Entwicklung des F40 LM beteiligt war, wusste genau, an welchen Stellschrauben er drehen musste.
Der Motor erhielt zwei spezielle I.H.I.-Turbolader und eine leichtere Auspuffanlage. Die Leistung stieg von 478 auf 527 PS, während das Drehmoment von 577 auf 848 Newtonmeter zulegte. Gleichzeitig reduzierte Michelotto das Gewicht. Leichtere Front- und Heckhauben, Schiebefenster aus Kunststoff, der Verzicht auf die Klimaanlage und der Einbau von Carbon-Schalensitzen sparten insgesamt 136 Kilogramm. Hinzu kamen einstellbare Koni-Stoßdämpfer, eine Bremsanlage aus dem F40 LM und 17-Zoll-Monoblock-Felgen von OZ Racing. Nach dem Umbau war dieser F40 sogar leichter und leistungsstärker als der Nachfolger F50.
Bewährung auf der Strecke
Der straßenzugelassene Wagen nahm 1994 am Finale der Ferrari 348 Challenge teil. Im März 1995 trat er sogar zur Qualifikation der BPR Global Endurance GT Championship in Paul Ricard an und fuhr dort gegen reinrassige Rennwagen wie den McLaren F1 GTR. Seine Rundenzeit war nur sechs Sekunden langsamer als die eines vollwertigen F40 LM.
Ein Jahr später verkaufte Sage den F40 nach Großbritannien. Die Historie des Fahrzeugs ist seitdem lückenlos dokumentiert. Der aktuelle Kilometerstand beträgt 22.699 Kilometer. Im Oktober 2025 erhielt der Ferrari neue Aluminium-Benzintanks für über 40.000 Euro, ein Service im Februar 2025 umfasste neue Zahnriemen, Zündkerzen und Filter. Motor und Getriebe sind laut Gutachten noch die Originalaggregate. Auch die wesentlichen Michelotto-Modifikationen wie die Carbon-Sitze, die Bremsanlage und die Koni-Dämpfer sind weiterhin verbaut.
Millionen-Schätzung für ein Unikat
RM Sotheby's versteigert diesen besonderen F40 am 8. Juli 2026 im Rahmen der "The Woodcote Park Auction". Der Schätzpreis liegt zwischen 2,7 und 3,2 Millionen Pfund, was umgerechnet etwa 3,1 bis 3,7 Millionen Euro entspricht. Zum Fahrzeug gehören die originale Schedoni-Ledermappe, das Serviceheft und ein detaillierter Report des Ferrari-Historikers Marcel Massini.












