5/2020, Aston Martin DB11 V8 Bernd Conrad
5/2020, Aston Martin DB11 V8
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5/2020, Aston Martin DB11 V8 9 Bilder

Aston Martin DB11 V8

Schneller Brite mit deutschem Herz

Im Aston Martin DB11 V8 arbeitet ein 510 PS starker V8-Motor aus dem Hause AMG. Wie passt das zusammen? Der Fahrbericht des Sportwagens gibt Antworten.

Die Tagesschau hat sich schon seit einiger Zeit mit den Wetteraussichten verabschiedet, die Republik macht es sich auf den Sofas bequem. Eine gute Zeit, den Testwagen waschen zu lassen.

Szenenwechsel. Hinter der Tankstelle treffen sich ein paar jüngere Erwachsene zum Small Talk mit Autobeschau. Die Marken-Sportklamotten blitzsauber, der Energy Drink lässig in der Hand. Die Gruppe steht um zwei Mercedes-AMG C63 neuesten Baujahres herum. Dann biegt, einem vorwarnenden Klangteppich folgen, der Aston Martin DB11 ums Eck, zur Einfahrt der Waschanlage.

"Midnight Blue Metallic" soll wieder strahlen. Aber auch voller Blütenstaub vermasselt der britische Sportwagen der gegenseitigen Leistungsbeschau vor Ort irgendwie die Tour. Noch bevor der sechsstellige Code zur Aktivierung des gekauften Waschprogramms eingegeben ist, ziehen die Jungs mit ihren AMGs kaum minder bollernd von dannen.

Tja, hätten sie doch nur das Gespräch gesucht – der Abend wäre wohl gerettet gewesen. Denn dann hätten sie erfahren, dass das flache, teure Auto den gleichen Motor unter der langen Motorhaube hat.

V8 als Alternative zum mächtigen V12

5/2020, Aston Martin FB11 V8
Bernd Conrad
Der doppelt aufgeladene V8 mit 510 PS kommt aus dem Hause AMG.

Als Alternative zum eigenen V12 hat Aston Martin Ende 2017 den vier Liter großen, doppelt aufgeladenen V8 aus dem Hause AMG ins Modellprogramm genommen. Seitdem sorgt er im DB11 Coupé und dessen Cabrio-Ausführung mit dem Zusatznamen Volante für Vortrieb. "Astonized" wird der Achtzylinder, das betonen die Briten. Also angepasst an die Peripherie im Auto. Außerdem wird er an eine Achtgang-Automatik von ZF gekoppelt.

Mit weiterhin 510 PS schnalzt der Aston Martin DB11 auf Wunsch des Fahrers gen Horizont. Der Achtzylinder faucht, der Druck auf die Fahrmodus-Taste am Multifunktions-Lenkrad schärft die klappengesteuerte Abgasanlage an. Klingt vorlaut? Wird es nie. Im Gegensatz zu manch hemdsärmeligen Sportwagen bleibt der Aston Martin DB11 stilsicher. Klar, diskret ist anders. Auch wenn man mit 29 km/h, die kompetente Automatik verweilt im dritten Gang, durch die 30er-Zone cruist, drehen sich Köpfe um. Auch die der Damen. Ein früher Blick auf das, was da kommt, hat Vorteile. Dann kann man sich länger am Design des 4,75 Meter langen Sportwagens erfreuen, dass in den flachen LED-Lichtstreifen der Heckpartie einen seiner Höhepunkte findet.

Ingeniöse Aerodynamik

Ein auffälliges Detail sind die Lamellen hinter dem vorderen Radhaus. Hier folgt das Design knapp der Funktion, sie sind nämlich Teil einer ausgeklügelten Aerodynamik. Die Lufteinlässe in der mächtigen Motorhaube lenken Luft um die Radkästen. Sie wird zusammen mit dem seitlich um das Rad gelenkten Fahrtwind über diese Lamellen an Luftkanäle hinter den Seitenscheiben gelenkt. Auf der Heckklappe entweicht sie steil nach oben. Das erhöht den Anpressdruck und damit die Fahrsicherheit, ohne dass großes Flügelwerk nötig ist. Tatsächlich genügt ein kleiner Heckspoiler, der ab 145 km/h ausfährt.

Dann, aber auch in Regionen nahe den 300 km/h Höchstgeschwindigkeit, ist der Aston Martin DB11 stets fahrsicher und leicht beherrschbar. Beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren drängen die fetten 295er-Bridgestones an der Hinterachse ein Stück weit quer zum Kurvenausgang, bevor sie der Gasfuß oder das allzeit wachsame ESP im Zaum halten. Die pure Kraft an der angetriebenen Hinterachse ist aber nur manchmal eine physikalische Konsequenz. Im Großen und Ganzen eignet sich der DB11 zum Einkaufsbummel ebenso gut wie für die Kurvenhatz.

Am meisten liegt ihm aber die Langstrecke. Ein Ausflug mit dem oder der Liebsten zum Wochenend-Häuschen dürfte sich empfehlen. Dafür reicht der Platz im 270 Liter großen Gepäckraum, der Rest kommt auf die als Sitzschalen getarnten Ablageflächen im Innenraum.

Infotainment von Mercedes

5/2020, Aston Martin DB11 V8
Bernd Conrad
Den Dreh-Drück-Steller unter dem Touchpad auf der Mittelkonsole kennt man aus diversen Mercedes-Modellen.

Mit den adaptiven Dämpfern auf der "GT"-Stellung (der reisetauglichsten von drei Abstimmungen) und ebendiesem Fahrmodus lassen sich entspannt Kilometer sammeln. Ob mit 130 oder 270 Sachen, ist dem DB11 dabei egal.

Der Verbrauch pendelt sich, wenn man es nicht ständig "fliegen lässt", bei knapp unter 16 Litern auf 100 Kilometer ein. Die Jungs von der Tankstelle dürften mit ihrem C63 auf ähnliche Werte kommen. Wetten?

Die Bedienung des Infotainment-Systems gelingt dabei nicht ganz so einfach wie die Herrschaft über die Mechanik. Wie der Motor stammen auch weite Teile der Bedienung von Mercedes-Benz, dort nennt man es Comand. Apple CarPlay und Android Auto gibt es nicht, also wird über die Bluetooth-Verbindung Musik gehört. Mit dem Touchpad, dem darunter liegenden Dreh-Drück-Steller und der Steuerung über das Multifunktions-Lenkrad muss man sich aber erstmal anfreunden.

Fazit

Neureiche Start-up-Gründer oder Fußballspieler kaufen gewiss gerne Audi R8, der Zahnarzt fährt halt immer schon Porsche 911 Turbo. Für Menschen mit dicker Geldbörse, Stilsicherheit und dem Selbstbewusstsein, im Rahmen der Möglichkeiten etwas diskreter aufzutreten, bietet sich eine Probefahrt im DB11 sicherlich an. Dann könnte man auch gleich mal ausprobieren, wie sich der Brite auf dem Parkplatz vor der Kanzlei so macht.

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