Citroën Ami, Fahrbericht Dani Heyne / Citroën
Citroën Ami, Fahrbericht
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Citroën Ami, Fahrbericht 16 Bilder

Citroën Ami

Playmobil – nicht nur für Teenager

Citroëns Beitrag zur urbanen Mobilität der Zukunft ist klein, elektrisch und kommt im Legosteindesign. Das mussten wir natürlich ausprobieren.

Wobei Zukunft, die falsche Zeiteinheit ist. Zumindest in Frankreich ging’s schon los, mehr als 1.000 Exemplare wurden bereits verschickt. Ja, richtig gelesen: der Citroën Ami kommt quasi mit der Post. Bestellt wird online oder im Supermarkt. Fahren darf man den Elektrowürfel in manchen Bundesländern schon als 15-Jähriger mit einem AM-Führerschein.

Klingt spannend? Na, dann kommen Sie doch mit auf eine kleine Sightseeing-Tour durch die hippe Hauptstadt im Citroën Ami. Los geht's am neuen Student-Hotel nahe dem Alexanderplatz. Die Beifahrertür öffnet per Knopfdruck. Sie können es sich auf dem fest montieren Sitz, der den Polsterungskomfort einer Rennsitzschale ohne deren Seitenhalt bietet, bequem machen. Ihren Trolley bringen wir in 63 Liter großen Stauffach vor ihren Füßen unter. Und auch die Einkaufstasche können Sie hier aufhängen. Hinter den Sitzen kommen die Jacken unter. Leider etwas schlecht zugänglich der Stauraum, ich weiß. Aber das Raumgefühl hier vorn, mal ganz ehrlich, ist äußerst luftig für uns zwei, oder?

Weniger Teile als ein Lego-Technik-Modell

Einen kurzen Moment noch, ich klettere mal eben auf dem Fahrersitz. Die Tür öffnet hier gegenläufig. Cool, denken Sie, hat was von Rolls Royce. Tatsächlich spart diese Konstruktion Geld. Denn nicht nur Front und Heck sind identische Kunststoffteile, sondern auch die Türen sind gleich – Insgesamt besteht der Ami aus nicht mal 250 Einzelteilen, wovon der Vorderwagen auf der CMP-Plattform des neuen Opel Corsa basiert. Die grauen Verkleidungen sollen übrigens stoß- und kratzfest sein und wurden nicht lackiert. Deshalb bekommen Sie den Ami auch nur in Mausblau. Das ist Ihne zu trist? Keine Angst, Citroën offeriert ein paar farbige Aufkleber, bunte Radkappen und Dekoartikel zum Individualisieren.

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Der E-Antrieb leistet zwar nur 6 kW, doch was mit Batterie nur 485 Kilogramm wiegt, braucht auch nicht viel Leistung.



Jetzt schnell mit der Lasche die Tür zuziehen. Ja, auch das spart, wie bei den RS-Modellen von Porsche Gewicht und Geld. Allerdings schepperts hier ordentlich beim Zuziehen. Das passt zum Billig-Ambiente des Kleinfahrzeugs: Airbagloses Lenkrad, unverkleideter Metallrahmen und viel hartes schwarzes Plastik, das optimal mit buntem Plastik aufgehübscht wird. Für Heizung, Lüftung und Warnblinklicht gibt es jeweils eine Taste in der Mitte. Schalter für Blinker, Licht und Hupe befinden sich am Hebel hinter dem Lenkrad. Sonnenblende, Klimaanlage und den Innenspiegel sucht man aber vergeblich, auch in der Preisliste.

Also klappen sie bitte ihr Seitenfenster nach oben auf. Ja, das geht genauso wie damals, bei der Ente. Und wo Sie gerade dabei sind, seinen Sie doch so freundlich und stellen den Außenspiegel ein. Danke, so passt das. Moment noch, ich muss kurz noch meinen Spiegel justieren, der ist an der Fahrertür montiert und hat sich beim Einsteigen leider verstellt.

One-Pedal-Drive und S-Bahn-Sound

So, jetzt geht's aber los. Schlüssel in Schloss, drehen, Fuß auf das Bremspedal und D für Drive drücken. Hoppla, der legt ja recht flott los. Klar, so ein E-Antrieb hat Kraft vom Fleck weg, selbst, wenn es nur 6 kW sind. Doch was mit Batterie nur 485 Kilogramm wiegt, braucht auch nicht viel Leistung. Ein Verkehrshindernis sind wir so zumindest in Berlin-Mitte nicht. Denn die unsynchronisierte Ampelschaltung und Baustellen an jeder Ecke, bieten selten Gelegenheit die 45 km/h V-Max auszureizen. Bremsen muss ich nur selten. Dank starker Rekuperation lässt sich der Ami locker mit dem Fahrpedal bewegen.

Was meinen Sie? Was?! Ja, ist etwas laut hier drin. Der E-Motor surrt stärker als in einer Straßenbahn, LKW-Diesel und die Abrollgeräusche der Reifen bestimmen die Geräuschkulisse hier drinnen. Dann koppeln Sie doch einfach ihr Smartphone mit der portablen Bluetooth-Boxrolle und spielen ihre Lieblingsplaylist. Das Handy können Sie gleich hier in die Halterung auf dem Armaturenbrett stecken. Das ist praktisch, vor allem weil man damit auch die navigiert.

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Senkrecht stehende Scheiben und ein Panoramadach bringen eine klasse Übersicht.

Toll, wie übersichtlich der Ami dank senkrecht stehender Scheiben ist. Schauen Sie doch mal kurz nach links, da sehen Sie den Fernsehturm. Und zwar komplett, dank des großen Panoramadaches. Ich hoffe nur die Sonne blendet Sie nicht allzu stark, ein Rollo gibt es nämlich vorerst nicht. Und ja, vermutlich wird es bei Sonnenschein auch schnell warm im Ami. Zwar macht die Lüftung viel Getöse, eine Klimaanlage ersetze jedoch nicht. Also Sonnenbrille auf und den Arm locker aus dem Fenster hängen. So kommen wir cool rüber auf den Touri-Fotos. Denn anstatt den Reichstag ins Visier zu nehmen, knipsen die Passagiere im offene Sightseeing-Bus ein anderes Motiv. Den Ami.

Auffälliger als ein Supersportler

Bestimmt finden ihn nicht alle hübsch. Doch in der ungewöhnlichen Knutschkugel ernten wir "Unter den Linden" mehr Blicke als Lambofahrer vor dem Hotel Adlon. Schnell noch ein Erinnerungsfoto vor dem Brandenburger Tor und weiter geht's. Übrigens können wir mit der 5,5-kWh-Batterie laut WMTC-Zyklus (das Motorrad-Pendant des WLTP) bis zu 75 km weit stromern. Dafür bräuchten wir aber auch gutes Sitzfleisch. Denn auf den teils miesen Straßenbelägen federt der Ami mit seinen kleinen Rädern und kurzen Radstand recht bescheiden.

Doch die Konstruktion hat in der Großstadt viel Vorteile. Gerade wird mal wieder demonstriert in Berlin. Der Verkehr gerät ins Stocken. Eine Gruppe Jugendlicher zieht auf Mietfahrräder- und Scootern rechts an uns vorbei – die Teenager dürften übrigens schon ans Steuer, denn der Ami kann mit AM-Führerschein gefahren werden.

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Ab 7.000 Euro ist der kleine E-Würfel zu haben.

Wären wir frech, würden wir mit dem gerade mal 1,39 Meter schmalem Ami einfach auf dem Fahrradstreifen am Stau vorbei ziehen. Doch ich wende lieber. Die gefühllose Lenkung voll einschlagen und in einem Zug stehen wir auf der Gegenfahrbahn. 7,20 Meter Wendekreis, da stauen staunen Sie, genauso wie der Smart-Fahrer hinter uns. Übrigens können wir im Gegensatz zum Smart mit dem 2,41 kurzen E-Floh wirklich quer zwischen den SUV am Straßenrand parken. Womit wir schon am Ende der Tour angekommen sind. Wenn Sie jetzt so nett wären und das drei Meter lange Schuko-Kabel, das sich im Türrahmen versteckt, an die Ladesäule anschließen. Aber passen Sie auf, dass sie nicht über die achtlos hingeworfenen E-Scooter fallen. Spätestens in drei Stunden ist der Ami wieder voll aufgeladen. Praktisch wäre übrigens eine Aufrollfunktion, wie bei einem Staubsauger. Doch leider muss man das Kabel später selbst wieder in die enge Öffnung hineinstopfen.

Der Ami kommt mit der Post

Er gefällt ihnen? Dann können Sie ihn online oder beim Citroën-Händler bestellen. Der Ami kommt dann Anfang 2021 quasi frei Haus. Wenn Sie ein paar Extras, wie die praktischen Gepäcknetze ordern, werden diese in Paketen zugeschickt, zum Selbsteinbau. Was er kostet? Ab 7.000 Euro, alternativ lässt er sich, dann wie bei den westlichen Nachbarn ab 20 € im Monat leasen. Die E-Auto-Prämie gibt’s wegen der Einstufung in die L6e-Klasse nicht. Doch einige Regionen fördern die vierrädrigen Elektrofahrzeuge. Beispielsweise in München mit 25 Prozent der Nettokosten oder maximal 3.000 Euro.

Fazit

Der Citroën Ami überrascht mit seinem durchdachten Raumkonzept. Die übersichtlichen Abmessungen sind ideal für die Großstadt, in der er mit seinem E-Antrieb bis zu 75 Kilometer lokal emissionsfrei fährt. Das macht ihn nicht nur für Jugendliche und Rentner, sondern auch Auto-lose Städter attraktiv. Sein größtes Problem, ist nicht der Preis von mindestens 7.000 Euro ohne lokale Förderung. Auf dem Land dürften den meisten 45 km/h Topspeed einfach zu wenig sein.

Citroën Ami
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