Ukraine entwickelt militärische E-Enduro: "Wolfstorm" ist leise und kalt

Ukraine entwickelt militärische E-Enduro
„Wolfstorm“ ist leise und kalt

ArtikeldatumVeröffentlicht am 11.06.2026
Als Favorit speichern
USC Wolfstorm Militär-Elektro-Enduro Ukraine (06/2026)
Foto: USC

Das Fahrzeug wurde speziell für militärische Anforderungen entwickelt und soll durch seinen elektrischen Antrieb nahezu geräuschlos operieren können.

Motorrad für den Fronteinsatz

Die Wolfstorm wurde nicht als ziviles Motorrad entwickelt und anschließend umgebaut. Nach Angaben des Herstellers entstand das Fahrzeug von Beginn an für militärische Einsätze unter schwierigen Geländebedingungen. Im Mittelpunkt standen dabei Geländegängigkeit, Wartungsfreundlichkeit, Zuverlässigkeit und eine möglichst geringe Signatur gegenüber gegnerischer Aufklärung.

Ein wesentlicher Vorteil des Elektromotors ist die geringe Geräuschentwicklung. Während klassische Militärmotorräder bereits aus größerer Entfernung akustisch wahrnehmbar sind, soll die Wolfstorm nur Abrollgeräusche haben. Hersteller USC gibt den Geräuschpegel im Fahrbetrieb mit maximal 70 Dezibel an.

Auch die fehlende Abwärme eines Verbrennungsmotors spielt im militärischen Einsatz eine Rolle. Fahrzeuge mit geringer Wärmesignatur sind für Wärmebildkameras und Drohnensensoren schwieriger zu erkennen.

Technik für schwieriges Gelände

Der Elektromotor sitzt zentral im Rahmen. Diese Bauweise sorgt laut Hersteller für eine ausgewogene Gewichtsverteilung und bessere Fahreigenschaften auf unbefestigten Wegen. Die Kraftübertragung erfolgt klassisch über eine Kette auf das Hinterrad.

Die Dauerleistung beträgt drei Kilowatt, kurzfristig stehen bis zu acht Kilowatt beziehungsweise rund elf PS zur Verfügung. Die Höchstgeschwindigkeit liegt je nach Einsatzprofil zwischen 70 und 80 km/h.

Besonders auffällig ist das geringe Gewicht. Mit nur 105 Kilogramm bleibt das Motorrad deutlich leichter als viele zivile Elektro-Enduros. Gleichzeitig soll das Fahrzeug mit Fahrer, Beifahrer und zusätzlicher Ausrüstung bis zu 260 Kilogramm Gesamtgewicht bewältigen können.

Wechselakku und hohe Bodenfreiheit

Die Energieversorgung übernimmt ein Lithium-Ionen-Akku mit 72 Volt und 60 Ah. Unter voller Beladung und bei Temperaturen zwischen 0 und 35 Grad Celsius soll eine Reichweite von mindestens 100 Kilometern möglich sein. Eine vollständige Ladung dauert laut Hersteller rund vier Stunden. Optional kann der Akku entnommen und gegen einen geladenen Energiespeicher ausgetauscht werden. Das könnte längere Standzeiten im Einsatz reduzieren.

Für Geländefahrten verfügt die Wolfstorm über 380 Millimeter Bodenfreiheit, eine Upside-down-Gabel an der Front und eine Hinterradschwinge mit Zentralfederbein. Hindernisse bis 35 Zentimeter Höhe sollen überfahren werden können.

Hersteller kommt aus der Elektronik- und Drohnenabwehrbranche

UkrSpecConsulting (USC) gehört nicht zu den klassischen Motorradherstellern. Das Unternehmen entwickelt und produziert nach eigenen Angaben militärische Spezialtechnik und deckt den gesamten Prozess von der Entwicklung bis zur Fertigung ab.

Zum Portfolio zählen unter anderem Systeme zur Funkaufklärung, optoelektronische Beobachtungsgeräte sowie Anlagen zur elektronischen Kampfführung gegen Drohnen. Zu den bekannten Produkten gehören beispielsweise die Drohnenabwehrstation VERES-2 oder verschiedene Funküberwachungs- und Peilsysteme. Die Wolfstorm-Motorräder sind damit das bislang auffälligste Fahrzeugprojekt des Unternehmens.

1.500 Motorräder für die ukrainischen Streitkräfte

Parallel zur Zulassung der Wolfstorm teilte das ukrainische Verteidigungsministerium mit, dass die Beschaffungsagentur DOT im Jahr 2026 Verträge über die Lieferung von insgesamt 1.500 Motorrädern abgeschlossen hat.

Ob und in welchem Umfang die Wolfstorm Teil dieser Beschaffung ist, wurde nicht bekanntgegeben. Das Ministerium erklärte lediglich, dass sechs Unternehmen an den Ausschreibungen beteiligt waren.

Fazit