Lamborghini Aventador Ultimae 2021 Lamborghini
Lamborghini Aventador Ultimae 2021
Lamborghini Aventador Ultimae 2021
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Lamborghini Aventador Ultimae 2021 17 Bilder

Lamborghini Aventador LP-780-4 Ultimae Roadster

Lamborghini Aventador LP-780-4 Ultimae Roadster Dem Untergang geweiht

Der frei saugende 6,5-Liter-V12, er ist dem Untergang geweiht. Nicht nur im übertragenen Sinne, schließlich sanken im Bauch der Autofähre "Felicity Ace" nicht nur hunderte VW und Audi auf dem Weg nach Übersee, sondern auch 15 Lamborghini Aventador LP-780-4.

Die Plakette im Stil der tricolore italiano, dort direkt hinter linken Seitenscheibe verkündet es still: das Ende, es ist nah. Nur noch 250 Roadster beziehungsweise 350 Coupés, dann ist Schluss mit dem frei saugenden V12 ohne Beatmung-T oder Vitamin E. Und das nach über 50 Jahren. Stets tief in der Mitte direkt hinter dem Fahrer platziert, immer laut, nie angepasst. Lamborghini eben. Klar, dass der Abgesang extra wild ausfällt. Mit mehr Leistung denn je: 780 PS. Sogar zehn mehr als im Nordschleifen-Rundenrekordler SVJ.

Jetzt also die Final Edition. Die heißt natürlich nicht so, sondern Ultimae – typisch italienisch steht das wohl für wunderschön und angsteinflößend. Schlagen Sie es ruhig nach im Wörterbuch. Okay, ertappt – man hätte ahnen können, dass Sie das kleine Latinum draufhaben, oder zumindest den Google-Translator auf dem Handy. Denn Nomen est Omen bedeutet Ultimae "die Letzten".

Diese Wahl ist eine Qual

Und wir haben jetzt die Ultimae-tive Wahl zwischen einem der 350 Coupés oder 250 Roadster. Entscheiden uns nach langem hin und her für letzteren – aus Gründen – die Sie gleich auf die Ohren bekommen. Die Scherentür schwingt auf. Reinfädeln, was überraschend würdevoll gelingt. Startknopf entsichern, drücken und die zwei Bordkanonen im Heck ballern los. Erst Knalltrauma, dann Gänsehaut. Egal, wie oft man sowas als Außenstehender erlebt hat, erst auf dem Fahrersitz packt dich die ganze Faszination des Zwölfenders. Ehrfürchtig liftest du die Vorderachse über die Werksausfahrt, um den Splitter samt neu geformtem Frontspoiler nicht zu beschädigen.

Kulturgut: Lamborghini

Der noch kalte Antriebsstrang verharrt zunächst im Strada-Modus. Ja, wir gehen es ruhig an, wobei dies das falsche Wort, sowohl für die Klangkulisse als auch für die Schleichfahrt durch Sant'Agata ist. Denn der Siebengang-Automat ruckelt die Gänge rein, kuppelt im Trockensumpf und lässt den Kopf so bei jedem Schaltvorgang mit dem Kopf nicken.

Abhilfe bringt nur ein Modus-Wechsel oder du bedienst dich an den steil hinter dem Lenkrad aufragenden sowie feststehenden Schaltwippen. Nach der kurzen Warmlaufphase zupft man dabei meist am linken Paddle, um im niedrigen Gang zu fahren. Ein kurzer Halb-Gasstoß: Das metallisch-dumpfe Sägen weicht im Sekundenbruchteil einem infernalischen Urschrei. Dann fällt die Drehzahl wieder ab, was die Endrohre mit extern verbrannten Spritexplosionen feiern, die in der Dämmerung sogar sichtbar werden.

Nein, dieses Konzert lässt hier wirklich niemanden kalt. Das ist das Schöne an Italien: Selbst die schwerhörigen Alten am Straßenrand im Café zaubert die V12-Show ein Lächeln ins Gesicht. Mehr noch: Bambini springen auf und versuchen an jeder Ampelkreuzung ein paar Meter mitzuhalten. Straßenbauarbeiter legen die Schaufeln bei Seite und selbst die Carabinieri nicken freundlich. Ja, Lamborghini ist eben Kulturgut in Italien – ach was genauso heilig wie Pizza, Vino und Bella Donnas.

Tief drin ein Softie?

Hierzulande passiert einem so etwas jedenfalls nicht. Vielleicht auch, weil man so einen Aventador vorschnell für einen ungehobelten Proleten halten könnte – oder den Fahrer – oder beide. Doch bei der letzten Evolutionsstufe und nach mehr als einer Dekade ist das Gegenteil der Fall. Tatsächlich haben sie ihm in Italien über die Jahre und unter deutschem Einfluss viel Komfort ins Fahrwerk hineinentwickelt. Natürlich ist auch der Ultimae keine Sänfte. Doch für einen Sportwagen mit niederquerschnittigen 20 und 21-Zöllern rollt er beachtlich soft ab. Genauso überraschend: die hohe und aufrechte Sitzposition. Gefühlt thront man fast Urus-haft, während man in der Realität natürlich nur wenige Zentimeter über der Straße hockt.

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780 PS holt der V12 aus seinen Brennkammern.

Mann-o-Mann ist der dick, Mann

Und die ist gerade kaum breiter als das 2,10-Meter-Heck und windet sich mit dem Charme eines alten Römerweges hinauf die mittelgebirgsartigen Hügel der Emilia-Romagna. Ja, hier malte einst die Kurvengottin höchstpersönlich Asphaltbänder auf die Berge und durchbohrte sie mit Tunnellöchern. Alles, wie geschaffen für den flachen Riesen. Denn der Aventador handelt dank Allradlenkung und hecklastiger Momentenverteilung des Haldex-Allrad-Systems extrem kompetent um die spitzen Kehren. Doch die Grenzen des Querdynamischen ausloten? Das gelingt hier nicht; nicht mal ansatzweise. Dafür bräuchte man schon eine Rennstrecke mit Auslaufzonen anstatt Leitplanken und Abgründen.

Winterreifen weichkochen

Und auch Sommerreifen wären hilfreich. Kein Witz in Italien herrscht bis zum 15. April Winterreifenpflicht. Da verstehen weder die Lambo-Jungs und -Mädels noch die Carabinieri Spaß. Somit sind die Pirelli Sottozero bei zweistelligen Frühlingsgraden schon nach wenigen Kilometern weichgekocht. Der 1,6 Toner schmiert deshalb schnell über die Vorderachse kommuniziert das aber durch die schwergängige Lenkung frühzeitig. Probleme seine 780 PS und 720 Newtonmeter auf die Straße zu bringen hat der LP-780 jedoch nie. Zu perfekt regelt die ausgeklügelte Elektronik die Kraftverteilung; lockert die Zügel in Sport; sprengt im Corsa-Modus die Ketten bei Bedarf – den wir auf den engen Sträßchen jedoch eher nicht verspüren.

Lamborghini Aventador Ultimae 2021
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2,10 Meter misst allein das Heck in der Breite.

Erst als die Straßen an Breite gewinnen und die Radien öffnen, fühlt sich der Ultimae so wohl wie ein Kampfstier in der Arena. Mit zunehmendem Speed drückt die ausgeklügelte Luftführung durch das neu gestaltete Maul mit Auslässen oberhalb der Haube den 1,14 Meter flachen Body immer fester zu Boden. Dabei strömt die Luft auf die Kühlbacken und den hyperaktiven Heckflügel, der je nach Geschwindigkeit und Fahrmodus in drei verschiedenen Positionen den Stier im Gleichgewicht hält. Einen Teil des Abtriebs generiert zudem der Unterboden mit flexibler Luftführung.

Open Office

Wie sich das Ganze noch steigern lässt? Ganz einfach: Dach öffnen. Wobei, das nicht mit einem Knopfdruck erledigt ist, sondern echter Handarbeit bedarf. Aber, wir haben ja Zeit: also öffnen Sie zuerst die Fronthaube, denn dort verstauen Sie die beiden Dachhälften, die sie mit zwei Zügen an den Verriegelungen hinter den Kopfstützen entfernen. Alles kratzfrei untergebracht? Dann tobt nun zusätzlich zum Orkan im Heck ein Hurrikan durchs Cockpit. Im 60-Grad-Winkel feuert der Zwölfender seine Salven im Takt 1-12-4-9-2-11-6-7-3-10-5-8 ab. Dreht bis fast neuntausend. Mit seinen hochstehenden Endrohren funktioniert er Tunnel zu Konzerthallen, oder besser: Opernhäusern um. Eine echte Tragödie, deren letzter Akt eben dieser frei saugende V12 ist. Immerhin auf Turbos verzichtet Lamborghini, wohl auch in naher Zukunft, setzt eher auf politisch korrekte Hybridisierung. Das bringt noch mehr Leistung, kostet aber leider auch Charme, darauf legen wir uns schon jetzt fest.

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Die Grafik des Kombiinstrumentes ist nach wie vor einzigartig.

Apropos, feiern. Ein letztes Mal durchbeschleunigen, was aus dem Stand launch-kontrolliert in 2,9 Sekunden schneller gelingt, als sie Lamborghini Aventador LP-780-4 Ultimae Roadster sagen können. Ein letztes Mal selbst die feststehenden Paddle-Schwingen, wie ein Dirigent, dessen Orchester da hinter dir im Graben sich für das große Finale in Rage spielt. Und sich tosend im Begrenzer verfängt. Bevor der unvermeidliche letzte Vorhang fällt. Mille Grazie, Lamborghini.

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Fazit

Die Schlechte, oder lieber gleich die ganz schlechte Nachricht zum Schluss? Okay, Sie wollen es nicht anders: Selbst, wenn Sie die mindestens 400.000 Euro (plus Steuern) zusammengekratzt hätten, vermutlich stünden Sie nicht mal auf der Gästeliste. Und ohnehin sind die 350 Ultimae Coupés und 250 Roadster längst ausverkauft. Doch die Produktion läuft noch, schließlich verlassen nur zwei Aventador pro Tag die Hallen von Sant'Agata, wo der Aventador komplett entsteht. Offen bleibt jedoch, ob die nachproduzierten, 15 Modelle eine neue Plakette bekommen.

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