Elektroauto
Alles über den Zukunfts-Antrieb
7/2021, Maxus eDeliver 3 Bernd Conrad
7/2021, Maxus eDeliver 3
7/2021, Maxus eDeliver 3
7/2021, Maxus eDeliver 3
7/2021, Maxus eDeliver 3 10 Bilder

Der Maxus eDeliver 3 im ersten Fahrbericht

Maxus eDeliver 3 (2021) Erste Fahrt im elektrischen Kastenwagen aus China

Die chinesische Nutzfahrzeugmarke Maxus geht bei uns neu an den Start. Wir waren mit dem elektrischen Kastenwagen eDeliver 3 unterwegs.

Der chinesische Konzern SAIC (Shanghai Automotive Industry Corporation) nimmt Kurs auf Europa. Seit Anfang 2020 werden die elektrifizierten Pkw der Marke MG auch in Deutschland verkauft. Jetzt folgt das Nutzfahrzeug-Label Maxus. Die in Köln ansässige Importgesellschaft hat aktuell 20 Händler unter Vertrag und führt Gespräche mit weiteren Partnern, das Netz soll zügig ausgebaut werden.

Neben dem größeren Maxus Deliver 9, der als Diesel und Elektrotransporter gegen Fiat Ducato und Co. antreten soll, soll der Maxus eDeliver 3 vor allem Kunden ansprechen, die im urbanen Raum unterwegs sind. Kurier- und Paketdienste sowie Handwerker können aus vier Varianten wählen. Den Maxus eDeliver 3 gibt es in zwei Radständen (4,56 und 5,15 Meter Karosserielänge) sowie mit einem 35 kWh oder einem 52,5 kWh großen Lithium-Ionen-Akku.

Bis zu 1.020 kg Nutzlast

7/2021, Maxus eDeliver 3
Bernd Conrad
Beim eDeliver 3 mit kurzem Radstand ist der Laderaum 2,18 Meter lang.

Die Variante mit kleiner Batterie, die es laut WLTP-Norm auf eine Reichweite von 158 Kilometern bringt (226 km im reinen Stadtverkehr), dürfte vornehmlich auf der ersten und letzten Meile eingesetzt werden. Alltagstauglicher ist der Transporter mit 52,5 kWh Speicherkapazität, der es dann nach Norm auf 240 Kilometer (innerstädtisch 342 Kilometer) Reichweite bringt.

Auf den ersten Probefahrten zeigte der Bordcomputer Verbrauchswerte um 24 kWh je 100 Kilometer an, was sehr nah an der Norm (23,6 kWh) liegt. Die versprochene Reichweite dürfte also zu schaffen sein, sofern man sich mit dem Fuß auf dem Fahrpedal zurückhalten kann.

Angesichts des gemütlichen Antriebs lässt sich das durchaus realisieren. Im leeren Transporter, dessen Nutzlast je nach Ausführung bei bis zu 1.020 Kilogramm liegt, erlaubt die maximal 90 kW (122 PS) starke Maschine ein gutes Mittschwimmen im Verkehr. Bei vollem Laderaum dürfte es deutlich langsamer vorangehen. Überschaubar ist die Anhängelast: Der Elektro-Kastenwagen mit kurzem Radstand darf nur 290 Kilogramm an den Haken nehmen. Mit dem leichteren 35-kWh-Akku sind es immerhin 440 Kilogramm.

Bequeme Sitze, straffes Fahrwerk

7/2021, Maxus eDeliver 3
Bernd Conrad
Bauartbedingt schränkt die Trennwand zum Laderaum den Verstellbereich der Sitze ein.

Das Fahrwerk ist straff, man spürt ihm die Auslegung auf eine hohe Zuladung an. Querfugen oder Wurzelaufbrüche werden teils ungefiltert in den Innenraum weitergereicht. Auch die Abrollgeräusche der Reifen dringen nach innen, viel Dämmmaterial wurde im Maxus eDeliver 3 nicht ausgelegt.

Zweckmäßig statt komfortabel zeigt sich auch die Inneneinrichtung. Harte Kunststoffe und ein abwaschbarer Bodenbelag sind im Alltag pflegeleicht, vermitteln aber kein "Willkommen-Zuhause"-Gefühl. Die Sitze für Fahrer und Beifahrer gefallen aber mit ausreichendem Seitenhalt und angenehmer Polsterung.

Ein sieben Zoll großer Touchscreen für das Audiosystem ist serienmäßig. Er reagiert fix auf Berührungen, seine Anzeigenvielfalt bleibt aber limitiert. Der Grund liegt in der Ausstattung. Das Radio kann keine RDS-Informationen empfangen und zeigt nur Frequenzen an. Damit gestaltet sich auch die Suche nach dem Lieblingssender kompliziert. Ein werkseitiges Navigationssystem ist nicht an Bord. Mit der Smartphoneintegration via Apple CarPlay und Android Auto lassen sich aber diverse Routenführungs-Apps auf dem Monitor abbilden.

Mit einer links vom Lenkrad versteckten Taste lässt sich die Energierekuperation in drei Stufen einstellen. Schaltpaddels oder eine entsprechende Funktion am Fahrstufen-Wählrad fehlen. In der höchsten Stufe erlaubt die Rekuperation beinahe ein One-Pedal-Gefühl. Ab etwa zehn km/h Restgeschwindigkeit muss man das Bremspedal betätigen, um zum Stehen zu kommen.

Bei der Cockpitgestaltung hätte man nochmal mit Fahrern sprechen sollen, die täglich mit einem Lieferwagen unterwegs sind. Große Ablagen auf dem Armaturenbrett fehlen. Hier könnte man Frachtbriefe und sonstige Unterlagen, die ständig zur Hand sein müssen, ablegen. Auch ein geschlossenes Handschuhfach gibt es nicht, eine offene Ablage vor dem Beifahrer muss genügen.

Preise ab 34.990 Euro (netto)

Das Basismodell des Maxus eDeliver 3 mit der kleinen Batterie startet laut Preisliste bei 34.990 Euro, netto zuzüglich Mehrwertsteuer. Für den größeren Akku müssen 4.000 Euro Aufpreis bezahlt werden, der längere Radstand kostet 1.500 (35 kWh – Batterie) bzw. 1.000 (52,5 kWh) Euro mehr.

Damit unterbietet der Maxus eDeliver 3 seine Konkurrenz in Form von Nissan e-NV200 oder Citroën ë-Jumpy (nebst seinen Konzernbrüdern) nur knapp, bringt aber eine recht komplette Serienausstattung inklusive Rückfahrkamera und Sitzheizung mit.

Fünf Jahre Garantie auf das Gesamtfahrzeug (bis 100.000 Kilometer) und die branchenüblichen acht Jahre (bis 160.000 Kilometer) auf die Batterie sollen Vertrauen wecken. Für einen Markterfolg, für den bei Nutzfahrzeugen auch schneller Service im Fall von Wartung, Defekten oder Unfallschäden Voraussetzung sind, muss Maxus ein engmaschiges Händler- und Werkstättennetz aufbauen.

Fazit

Der Maxus eDeliver 3 ist ein elektrischer Lieferwagen, der vornehmlich im urbanen Verkehr eingesetzt werden dürfte. Der gute Gesamteindruck wird vom arg tristen Innenraum etwas getrübt. Ein wahres Schnäppchen ist der eDeliver 3 im Vergleich zur Konkurrenz nicht. Um sein Marktpotenzial auszuschöpfen, ist der Importeur aktuell mit dem Aufbau eines Händlernetzes beschäftigt.

Mehr zum Thema Elektroauto
Alexander Bloch Elektroauto Supertest Hyundai Ioniq 5
E-Auto
Elektroauto Hyundai Ioniq 5 Stromschlag Achtung Blitz Warnung
Technik erklärt
TU München Vergleich Tesla Model 3 vs. VW ID.3
Alternative Antriebe
Mehr anzeigen