Mercedes-Maybach S-Klasse 2021 Mercedes / Patrick Lang
Mercedes-Maybach S-Klasse 2021
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Mercedes-Maybach S-Klasse 2021 17 Bilder

Unterwegs in der neuen Mercedes-Maybach S-Klasse

Unterwegs in der Mercedes-Maybach S-Klasse (Z 223) Ruhe im Saal!

Die neue Maybach S-Klasse hebt Luxus auf ein ungeahntes Niveau. Zeit für den bewegten Erstkontakt mit der schwäbischen Speerspitze und gespenstische Ruhe im Saal-artigen Innenraum.

Es ist ein Experiment. Kann man in einem Fahrzeug, für das es gegen Geld so gut wie jedes erdenkliche Ausstattungsmerkmal gibt, überhaupt noch etwas vermissen? Um dieser Frage nachzugehen, üben wir uns in kaum sichtbarer Demut und greifen uns das Steuer der Achtzylinder-Version 580 4Matic der neuen Maybach-S-Klasse. Wahrt die herkömmliche S-Klasse (S 500) mit ihrem hybridisierten Reihensechszylinder ausreichend Respektabstand und wie weit liegt der V8 hinter dem Zwölfender zurück?

Der V8 legt eine Schippe drauf – oder zwei

Weil Agilität, ausgeprägte Längsdynamik und kerniger Sound nicht unbedingt auf der Anforderungsliste der Kundschaft zu finden sind, handeln wir das in aller Kürze ab. Schon in der normalen S-Klasse spielt es keine große Rolle, wie schnell sie beschleunigt. Mit 435 PS ist der Zweitonner durchaus souverän unterwegs, gibt einem jedoch nicht das Gefühl, dass da noch mehr drinsteckt. Der Mercedes-Maybach S 580 reagiert da schon ganz anders auf Pedaldruck. Hoppla! Auf einmal strafft sich die ganze Fuhre, grollt, drückt sich mit 700 Newtonmetern und 503 PS nach vorne und den Fahrer mit ins weiche Gestühl, ohne eine Widerrede zu dulden.

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Die Hinterachslenkung (bis 10 Grad) hilft nicht nur in engen Radien, sondern präzisiert die 5,47 Meter lange Limousine auch in flotten Kurven.

Eine Mehrleistung von 68 PS mag angesichts von rund 250 Kilo Mehrgewicht gemäßigt klingen, und doch trennen Sechs- und Achtzylinder bei Leistungsanforderungen Welten. Fast fühlt man sich dazu hingerissen, dem Maybach das Attribut "sportlich" ins Poesiealbum zu schreiben, denn auch die Kurven nimmt der 5,47 Meter lange Luxusgleiter mit unbeeindruckter Präzision. Die Hinterachslenkung hilft eben nicht nur beim Rangieren mit einer virtuellen Verkürzung des Radstands (bis zu zwei Meter), sondern ab 60 km/h aufwärts auch mit Spurtreue. Apropos Radstand: Der ist ganze 18 Zentimeter länger als in der Langversion der S-Klasse. 29 Zentimeter Außenlänge trennen Luxus und Super-Luxus. Davon profitieren freilich nur die Fondpassagiere, aber den Fahrer stört es wenigstens nicht, während er über die verchromte Hauben-Finne hinweg durch die Kühlerfigur den nächsten Scheitelpunkt anvisiert.

V12 mit Außenwirkung

Und der Zwölfzylinder? Nun die Krone der Motorenauswahl bringt mit ihren 612 PS und 900 Newtonmetern natürlich den ultimativen Superlativ. Allerdings auch weitere 60 Kilo Gewicht (insgesamt 2.350 kg). Einen echten Unterschied machen die vier Extra-Zylinder weder auf der Straße noch im Ohr, dafür in der Haushaltskasse. Statt der rund 164.000 Euro für den "kleinen" Maybach, zahlen Sie mindestens 217.000 Euro – und der größte Benefit, den Sie davon haben, ist das V12-Emblem auf der Fahrzeugflanke, um zumindest nach außen hin Überlegenheit zu demonstrieren. Immerhin: Das Luftfahrwerk lässt sich von den Extra-Pfunden und -PS nicht beeindrucken und hält auch die Topversion sauber in der Spur.

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Stolz teilt die Topversion der Außenwelt ihre Exklusivmotorisierung mit. Spürbar kräftiger wird der Maybach damit nicht - schwerer allerdings schon.

Also zurück zum V8, der mit 4,8 Sekunden auch nur drei Zehntel länger auf Tempo 100 braucht als sein großer Bruder. Die Zeit folgt im Inneren des Maybach ohnehin keinen bekannten Gesetzen. Dafür sorgt schon die komplette akustische Entkoppelung von der Außenwelt. Verglichen mit der Standard-S-Klasse sind hier nochmal mehr Dämmmaterialien verbaut. Der wirkungsvollste Trick erinnert jedoch an Noise-Cancelling-Kopfhörer. Die Limousine schickt über die Burmester 4D-Anlage gegenphasige Schallwellen durch den Innenraum, die jeglichen verbleibenden Diffusschall wie Abrollgeräusche beim Aufeinandertreffen einfach auslöschen. Während man im Fond also die Ruhe genießt, lässt man sich in der Liegeposition ganz entspannt die Waden von der Beinauflage massieren und vergisst eben die Zeit.

Fond aus einer anderen Welt

Nicht nur über die schiere Größe des Innenraums, sondern auch über dessen Ausgestaltung kreiert Mercedes in der Maybach S-Klasse eine komplett andere Welt. Eine lässig in die Luft gewedelte Handbewegung erkennt der MBUX-Interieurassistent als Schließbefehl für die Fond-Türen. Besonders eindrucksvoll wird es, wenn die nach Einbruch der Dunkelheit ins Schloss fallen, denn dann verwandeln mehr als 250 LEDs der dynamischen Ambientebeleuchtung den Innenraum in ein futuristisches Meer aus indirektem Licht.

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Wenn das mal nicht einladend aussieht: Das Ambientlight schafft eine ganz besondere Atmosphäre.

Das hat zwar auch die normale S-Klasse drauf, doch in dieser Liga geht es ja um Details in ganz speziellen Disziplinen. Und so macht im Maybach die Kombination aus erweiterter Massagefunktion, Schulter- und Nackenheizung, zusätzlicher Beinfreiheit und noch mehr Ruhe eben den Unterschied im Fond. Am Steuer fällt die Differenz schon deutlicher aus, was auch erklärt, warum Mercedes die Serien-S-Klasse des Achtzylinders beraubt hat. Um genau das zu gewährleisten: den Respektabstand.

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In der Mercedes-Maybach S-Klasse würde ich...
...am liebsten selbst ins Lenkrad greifen
...mich hinten rechts entspannen

Fazit

Wer es luxuriös mag und trotzdem gerne mal selbst am Steuer sitzt, findet im Mercedes-Maybach S 580 4Matic den perfekten Begleiter. Bei den Ausstattungsoptionen schenken sich V8 und V12 nichts, dafür gibt sich schon der Achtzylinder spürbar druckvoller als der Reihensechszylinder im S 500. Gleichzeitig macht sich das geringere Gewicht gegenüber dem Topmodell positiv in flotten Kurven bemerkbar. Um jene kalenderspruchartige Binsenweisheit zu bemühen: Das Beste aus allen Welten.

Innerhalb des Luxus-Segments ist der S 580 mit seinem Einstiegspreis von 164.000 Euro übrigens durchaus als Schnäppchen zu sehen. Vergleichbar opulente Überlegenheit finden Sie sonst nur noch bei Rolls-Royce und da müssten Sie Ihr Investment gleich mehr als verdoppeln.

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