Wer hätte gedacht, dass der neue Kia K4 tatsächlich teurer ist, als ein VW Golf. Also in der Basis. Und auch nur ein paar Hundert Euro. Aber immerhin. Gut, wenn man das ausstattungsbereinigt betrachtet, hat Kia wieder rund 4.000 Euro Vorsprung – aber hey: Wir sind im Thema. Kann der neue Verbrenner aus Korea die Kompaktklasse aufmischen? Wir waren mit dem 180-PS-Modell unterwegs.
Und genau da liegt auch die magische Grenze. Stärker wird's nicht und Spekulationen über ein echtes GT-Modell können wir direkt begraben. Ist nicht geplant, wird nicht kommen, verrät uns ein Kia-Verantwortlicher auf Nachfrage. Dann also 1,6-Liter-Vierzylinder mit Turboaufladung und 180 PS. Fahrstufe einlegen und los. Wobei das übrigens schon das erste bemerkenswerte Detail ist: Der wuchtige Wählhebel des Doppelkupplungsgetriebes auf der Mittelkonsole wirkt wie ein Zeitreisender aus vergangenen Tagen im modernen Kia-Cockpit. Die Reise geht jetzt aber erstmal im Hier und Jetzt von "P" auf "D".
So fährt der K4
Unaufgeregt rollt der Kompakte los und erfreut den Fahrer schnell mit einer ordentlich rückmeldungsstarken Lenkung. In Kurven lässt sich der K4 gut platzieren, die vergleichsweise tiefe Sitzposition begünstigt das Vergnügen. Ein zu vehementes Herausbeschleunigen aus der Biegung quittiert die Vorderachse mit dem leicht scharrenden Wunsch nach mehr Traktion und macht klar, dass man es hier nicht mit einem Sport-Kompakten zu tun hat. Da will überdies auch die Schaltstrategie der Automatik nicht so richtig mitspielen. Im normalen Fahrmodus zu zurückhaltend, im Sportmodus sortiert der Kia die Gänge zu hektisch. Wer die GT-Line wählt, erhält Schaltwippen am Lenkrad und kann selbst ins Geschehen eingreifen. Oder einfach im Alltag nichts vom Auto verlangen, wofür es nicht gebaut wurde, wie beispielsweise möglichst hohe Kurvengeschwindigkeiten erreichen und früh wieder auf den Stempel latschen. Wer solche Faxen sein lässt, muss sich auch nicht über den angestrengten Groll des 1,6-Liter-Motors echauffieren. Denn im Regelbetrieb ist das Aggregat mit ausreichend Leistungsreserven und der gebotenen Ruhe gesegnet.
Das kann man nicht 1:1 über die Fahrwerksabstimmung sagen. Zwar dämpft der K4 den Großteil jeglichen Nachschwingens überzeugend weg. Doch mit der straffen Federung zeigt sich eine Tendenz ins Ruppige. Was okay, ist – man muss es nur wissen. In den Kurven sorgt die Abstimmung durchaus für gute Laune. So mancher Stoß knallt indes recht trocken in die Physis des Fahrers. Und so entsteht auf anspruchsvollen Streckenpassagen zwischenzeitlich der Wunsch nach etwas mehr Hubraum und vielleicht 30, 40 PS mehr Leistung, um sich ganz und gar der Hatz hinzugeben. Oder, um bei der Headline des Artikels zu bleiben, der Jagd auf den VW Golf.
Echter Golf-Gegner?
Den Wolfsburger nimmt Kia mit dem K4 allerdings nicht dezidiert auf der Kurven-Piste, sondern im automobilen Alltag zwischen Einkauf, Berufspendeln und Familienleben ins Visier. Das zeigen schon die Platzverhältnisse im Heck, denn der Kia packt 438 Liter weg (sofern kein Hybrid), wo beim Golf nur 380 Platz finden. Auch im Fond reisen Passagiere ausreichend bequem und die umfangreiche Ausstattung wuchtet den K4 trotzdem nicht notwendigerweise über die 40.000-Euro-Marke. Das Paket von Kia ist stimmig. Vor allem für diejenigen, denen ein solider Antrieb ohne eitle Leistungsschau genügt. Der Vierzylinder sollte es allerdings schon sein. Mit dem Einstiegsmotor (1,0-Liter Dreizylinder mit 115 PS) könnte es jenseits der Stadtgrenzen zäh werden.












