Lancia New Stratos Coupe Bonhams
Lancia New Stratos, Heck
Lancia New Stratos
Lancia New Stratos
Lancia New Stratos 38 Bilder

Lancia New Stratos

Traumauto für eine knappe Million

Der erste New Stratos der Kleinserie von maximal 25 Exemplaren wird versteigert. Bonhams erhofft sich einen Auktionspreis von bis zu 900.000 Euro.

Die Nummer 1 der auf 25 Exemplare limitierten New Stratos-Modelle steht zum Verkauf. Das Fahrzeug mit der Chassis-Nummer ZFFKZ64B000166472 ist zudem das erste Exemplar, das auf einer Bonhams-Auktion versteigert wird. Seit seinem Umbau vom Ferrari 430 Scuderia, rund 3.000 Kilometer gefahrene Supersportler mit seinem 4,3 Liter großen V8-Motor erhältlich. Der Lancia soll laut Vorhersage zwischen 700.000 und 900.000 Euro erzielen. Zugelassen wurde der mit selbstklebender Alitalia-Folierung versehene Stratos erstmals am 25. März 2019 in Deutschland.

Der New Stratos wurde 2010 von Unternehmer Michael Stoschek, Vorsitzender des Automobilzulieferers Brose und dessen Sohn Maximilian auf Basis des Ferrari 430 Scuderia bei Pininfarina in Auftrag gegeben und 2010 präsentiert. Schon damals wollte Stoschek eine Kleinserie des legendären Rallye-Modells auflegen.

New Stratos
New Stratos
Nicht nur der Ferrari-Chef Luca di Montezemolo (re.), auch Cheftester Dario Benuzzi konnten sich den New Stratos anschauen.

Ende 2010 hatte der damalige Ferrari-Chef Luca di Montezemolo noch zusammen mit Cheftester Dario Benuzzi den New Stratos persönlich unter die Lupe genommen. Selbst Benuzzi gab noch nach einer Testfahrt Tipps zur Verbesserung des Handlings. Doch dann stellte sich Ferrari quer: „Das Projekt wurde uns vor einem Jahr als Einzelstück für den persönlichen Gebrauch von Herrn Stoschek präsentiert. Zu diesem Zeitpunkt haben wir deutlich gemacht, dass wir nicht an einer möglichen Fertigung weiterer Modelle interessiert sind. Daher ist Ferrari in keiner Weise an dem Projekt beteiligt.“

Auch Stoschek äußerte sich: „Trotz intensiver Gespräche kann oder will Ferrari der geplanten Kleinserie bedauerlicherweise nicht zustimmen“. Der Bau weiterer Fahrzeug sei somit nur durch ein Unternehmen möglich, das nicht in wirtschaftlicher Abhängigkeit von Ferrari stehe.

Ferrari sperrte sich gehen den New Stratos

Im Laufe des Jahres 2011 hatten Stratos-Initiatoren nach eigenen Angaben mit verschiedenen Kleinserienherstellern außerhalb Italiens verhandelt, mussten aber feststellen, dass es kaum möglich ist, das beim Bau des Einzelstücks bei Pininfarina entstandene Know How auf andere Firmen zu übertragen. Während die Chassis- und Karosseriedaten vollständig in CAD vorlägen, gäbe es zahlreiche Details in Zusammenbau und Finish, die nur in den Köpfen einiger hochqualifizierter Mitarbeiter von Pininfarina gespeichert sind. Schlussendlich musste Stoschek den rund 50 New-Stratos-Interessierten absagen.

Technische Daten New Stratos

New Stratos
Zylinderanzahl 8
Hubraum 4308 cm³
Maximale Leistung 397 kW (540 PS) bei 8.200 U/min
Drehmoment > 519 Nm bei 3.750 U/min
Leistungsgewicht 2,3kg / PS
Getriebe Sequentielles 6-Gang-Getriebe mit mechanischer Differentialsperre
Leergewicht (trocken) 1.247 kg
Gewichtsverteilung 44% vorne, 56% hinten
Reifengröße vorne 265 / 30 19’’
Reifengröße hinten 315 / 30 19’’
Länge 4.181 mm
Breite 1.971 mm
Höhe 1.240 mm
Spur vorne 1.668 mm
Spur hinten 1.701 mm
Radstand 2.400 mm
Überhang vorne 968 mm
Überhang hinten 813 mm

Lancia Stratos ist der Über-Renner gewesen

Lancia Stratos
Kai Klauder
Der Lancia Stratos wurde zum ersten Mal 1972 bei Rallyes eingesetzt.

Der originale Stratos war in den Siebzigern in seinem Umfeld nahezu unschlagbar: Eine nur 1,11 Meter hohe, 1,75 Meter breite und 3,71 Meter lange, kompromisslose Fahrmaschine. Konstruiert, um unter der Regie des legendären Lancia-Sportchefs Cesare Fiorio auf den Rallyepisten dieser Welt alles in Grund und Boden zu fahren. Ende 1976 hatte dieser Über-Renner folgerichtig drei Weltmeistertitel eingefahren. Der Reiz des Autos namens Lancia Stratos ist auch nach vier Jahrzehnten nicht verblasst. Die unverwechselbare Keilform seiner Bertone-Karosserie, seine kompakten Ausmaße, die Mittelmotor-Anordnung, das kurze Stahlträger-Chassis, die Glasfaser-Haut, das geringe Gewicht, die ausgewogene Balance und schließlich sein dem Dino entstammender V6-Motor.

Zeitgemäße Interpretation des Lancia Stratos

Der Funke einer kühnen Idee sprang schon Ende der Achtziger anlässlich eines Lancia Stratos-Treffens zwischen Michael Stoschek und Chris Hrabalek über, eines gleichfalls vom Stratos-Fieber schwer infizierten Designers mit Büros in London und Berlin. Die grundlegende Annahme: Die DNA-Ketten sind erhalten, die Gene entschlüsselt und die Verbindungen geknüpft. Die Aufgabe bestand fortan also nur noch darin, eine zeitgemäße Interpretation des Lancia Stratos zu finden – sie im Detail zu lösen, dauerte angesichts der sensiblen Thematik dennoch fast ein Jahrzehnt. Merkmale wie die keilförmige Karosse, die halbrunde Frontscheibe, die spitz zulaufende Front, das charakteristische Heck mit den runden Rücklichtern und dem Heckspoiler sowie der in seiner Form einmalige Dachspoiler sollten in der neuen Umsetzung nicht als platter Aufguss erkennbar sein, sondern als eine nachweislich nach wissenschaftlicher Methodik entwickelte Evolution.

Als New Stratos auferstandener Kult-Sportler

Lancia New Stratos Coupe
Bonhams
Dieser New Stratos kommt bei Bonhams unter den Hammer.

Während der gesamten Designphase wurde die Entwicklung des aus markenrechtlichen Gründen nicht mehr als Lancia Stratos, sondern als „New Stratos“ auferstandenen Kult-Sportlers mit intensiven Tests im Pininfarina-Windkanal begleitet. Folgerichtig wurde zum Beispiel auch die Effizienz der Lufteinlass- und austrittsöffnungen, des Kühlsystems, des Motors und der Bremsen mit Hilfe von Flow-Visualisierungstechniken penibel optimiert. Hinsichtlich Chassis, Antriebsstrang, Fahrwerk und Bremsen war die Konstruktionstiefe vergleichsweise moderat: Die Adaption der Basiskomponenten aus dem Ferrari F430 Scuderia erwies sich nicht nur deshalb als naheliegend, weil auch das Original mit einem Motor aus Maranello unterwegs war, sondern vor allem auch vor dem Hintergrund des Zwangs, unter dem Namen Stratos Konkurrenzfähigkeit auf höchstem Supersportwagen-Niveau bieten zu müssen.
 
So wurde als Erstes das Aluminumchassis des Ferrari mit Blick auf die minimalen Ausmaße des Originals um 20 Zentimeter kürzer gemacht und zwecks zusätzlicher Versteifung mit einem Überrollkäfig aus 40 Millimeter starkem FIA FE45-Stahl verschraubt. Alle Teile der gegenüber dem Ferrari F430 um 33 Zentimeter kürzeren New Stratos-Karosserie sind, ebenso wie die Innenraumauskleidung vornehmlich aus perfekt verarbeitetem Sichtkarbon ausgeführt, das mit einer Klarlackmischung mit zweiprozentigem Schwarzanteil lackiert ist, um die edle Struktur noch hochwertiger wirken zu lassen.
 
Auch hinsichtlich der Ergonomie ist beim New Stratos keine Improvisation zu erkennen. Obwohl klassisch instrumentiert, ist die Anmutung im Cockpit von modern-professioneller Natur. Die extrem leichten und besten Halt gebenden Sportsitze weisen einen intelligenten Verstellmechanismus auf, der nahezu jeder Statur eine angemessene Sitzposition erlaubt.

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Professionalität und Hingabe bis ins Detail

Im Gegensatz zu den Seitenscheiben des Lancia Stratos, deren Kippmechanismus nur ein partielles Absenken erlaubte, wurde der New Stratos mit einem ebenfalls dem Gewichtsdiktat unterworfenen Fensterhebesystem versehen. Durch die Trennung von Fensterhebe-Mechanik und -Motor ließ sich trotz der dem Original nachempfundenen integrierten Helmfächer in den mit Karbon verkleideten Innenseiten der Türen eine Vollabsenkung der Scheiben erreichen.

Das pulsierende Herz des Mittelmotor-Zweisitzers ist ein durch gekonnte Peripherie-Anpassungen auf 540 PS gebrachter 4,3-Liter-V8 aus dem Ferrari F430 Scuderia. Die Schaltzeiten konnten noch mal verkürzt und das sequenzielle Sechsganggetriebe durch eine Drexler-Differenzialsperre ergänzten werden.

Demnach gilt es nurmehr eine Kardinalfrage zu beantworten: Woher nehmen und nicht stehlen? Gemeint ist die Beibringung der technischen Basis, deren Verfügbarkeit die des Stratos-Originals wahrscheinlich nur unwesentlich übertrifft. Glücklicherweise muss es laut des Herstellers, der den New Stratos auf Geheiß und Kosten des Initiators und Rechteinhabers als Einzelstück gebaut hat, nicht unbedingt ein Scuderia sein, der wesentliche Teile seiner Substanz hergeben muss. Es tut – so Pininfarina – auch ein normaler Ferrari F430.

Na, wenn das so ist, könnte es ja vielleicht etwas preiswerter gehen als mit den rund 600.000 Euro, die derzeit inklusive einer gut erhaltenen Basis im Raum stehen.

Fazit

Ein New Stratos auf einer Auktion? Wer die knappe Million Euro übrig hat, dem dürften die Finger jucken. Denn solch eine Chance ergibt sich bestimmt nicht mehr allzu schnell.

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