Porsche 718 Cayman GT4 Rossen Gargolov

Fahrbericht Porsche 718 Cayman GT4

Schneller als der Carrera GT

Porsche schickt wieder einen Cayman GT4 auf die Straße – nein, nicht mit einem Hochleistungs-Vierzylinder-Turbomotor. Sondern mit Sechszylinder-Sauger. Und manuellem Schaltgetriebe. Und irrer Traktion, selbst unter schottischsten Bedingungen.

Der mächtige Heckflügel verschwindet in der Gischt. Weg. Einfach weg. Da, jetzt flackern kurz die Bremslichter des Porsche 718 Cayman GT4 auf, hektisch, signalisieren so Bremsen im ABS-Regelbereich. Bei der Höchstgeschwindigkeit von 304 km/h beträgt der Abtrieb an der Hinterachse insgesamt 122 Kilogramm, 50 Prozent mehr als beim Vorgängermodell. Der Heckflügel trägt dazu 20 Prozent bei, der mächtige Diffusor, der eine neue Abgasanlage erfordert, 30 Prozent.

Und der Luftwiderstandswert? Verschlechtere sich nicht, betonen die Entwickler. Daher auch der Topspeed. Der heute ohnehin nicht zu erreichen ist. Selbst wenn es nicht regnen würde. Schlechtes Wetter mit Ansage, denn Porsche rückt ausgerechnet in Schottland das erste Mal den Zündschlüssel für den GT4 raus. Weil es da so lustige Rennstrecken wie jene von Knockhill gäbe, prächtige Landstraßen obendrein. Nun, und Regen eben auch. Nicht gar so überraschend. Die Kürze des Kurses von 2,04 Kilometern vereitelt sowieso jeden Versuch, die Höchstgeschwindigkeit zu erreichen. Ist auch irrelevant. Die Rundenzeit ebenso, eigentlich. Jede Rundenzeit. 7:28 Minuten soll der GT4 für eine Runde Nordschleife benötigen, 12 Sekunden weniger als der Vorgänger. Für alle, die es wissen wollen. Oder müssen. Noch mehr? Bitte, gerne: Drei Sekunden des Vorsprungs entfallen allein auf die Mehrleistung von 35 PS (jetzt 420 PS), neun Sekunden auf Fahrwerk und Aerodynamik. Ach ja, vier Sekunden schneller als der Carrera GT, der Über-Porsche mit V10-Triebwerk, sei er ebenfalls, allerdings erheblich günstiger.

Nun, bleiben aber immer noch 96.206 Euro. Plus die eine oder andere Nettigkeit aus der Sonderausstattungsliste. Immer Serie: Die Fähigkeit des Porsche 718 Cayman GT4, dich, den Fahrer einzupacken, mitzureißen, mit emotionaler Mechanik zu unterhalten. Fängt schon damit an, wenn du ihn startest. Wenn das Triebwerk mit seinen vier Litern Hubraum röchelt, mit leicht nervösem Leerlauf darauf wartet, endlich losfeuern zu dürfen. Darf es. Muss es, denn irgendwie muss bei diesem Sauwetter Temperatur in die 20 Zoll großen Michelin Pilot Sport Cup 2-Reifen. Richtig, Semislicks. Noch steht kaum Wasser auf der Strecke, lediglich vor der Taylors Hairpin, jener Rechts-Bergauf zu Start-Ziel, spiegeln sich die dunklen Wolken in ein paar kleineren Pfützen.

Sechszylinder-Boxer mit gewaltiger Stimme

Porsche 718 Cayman GT4
Rossen Gargolov
300 Newtonmeter Drehmoment liegen früh an, bei 5.000 Umdrehungen ist das Maximum von 420 Nm erreicht.

Raus jetzt, die Strecke wartet. Kurz, ja, aber eben auch: Rauf, runter. Blinde Schikanen, hängende Kurven, dazu Curbs, deren ohnehin minimaler Grip der Regen in die Kanalisation gespült hat. Ein kleines Mut-Mantra murmeln, Kurve eins anbremsen, übertrieben heftig, denn über die Bremse bekommst du am besten Temperatur in die Reifen. Unter Schleppgas doch über den Curb hinunter fallen lassen, die Links mitnehmen, Tempo drauf packen, vor der nächsten Rechts wieder in die Eisen. Tief sitzt du zwischen Vorderachse und Motor, die herrlichen Schalensitze packen zu, das Triebwerk grollt mechanisch, mit tiefem Echo. Du könntest runter in den zweiten Gang, einfach aus der Laune heraus, doch der Sechszylinder generiert schon früh ein Drehmoment von über 300 Newtonmeter, das bei 5.000 Umdrehungen in einem Maximum von 420 Nm gipfelt.

Wieder ans Gas, sofort kommt eine Antwort vom Antrieb, unmittelbar, ungefiltert. Es filtert höchstens seine Abgase, ja, ein Otto-Partikelfilter steckt ebenfalls im Heck. Naca-Luftöffnungen, die beim 911 GT2 RS noch in der Fronthaube stecken, sitzen beim GT4 im glatten Unterboden, um die thermisch hochbelasteten Filter zu kühlen. Lenkung gerade, die blinde Schikane naht, bloß nicht zu früh die nächste Rechtskurve anbremsen, dann bist du noch auf dem Kerb, aber auch nicht zu spät. Allmählich offenbart sich das Potenzial der Reifen, da geht mehr als du denkst, weil der Reibwert des Asphalts konstant bleibt. Ganz im Gegensatz zur sehr lebhaften Abwechslung der umliegenden Landstraßen. Grip, kein Grip, ein bisschen, nein, doch nicht – autsch. Los, jetzt der lange Linksbogen, gib ihm, 5.000, 6.000, 7.000, ja, 8.000 Umdrehungen, der Boxermotor schreit mit gewaltiger Stimme, kein kaputtes Vierzylinder-Gepröttel mehr, Jubel.

Porsche 718 Cayman GT4
Der Porsche 718 GT4 im Fahrbericht
5:56 Min.

Schalten, klick, ultrakurze Wege, klar definierter Widerstand des kugeligen Schalthebels. Dazu: Automatisches Zwischengas, nur für den Fall, dass du selbst nicht der filigranste Tänzer auf den Pedalen sein solltest. Geht aber auch, sie sind recht gut positioniert. Runter in den zweiten, länger auf der Bremse bleiben, die Pfützen links und rechts liegen lassen, raus auf Start-Ziel, wieder das Triebwerk auspressen. Zornig tobt es durch sein breites Drehzahlband, immer wieder, atemlos (Ohrwurm? Bitte, gerne.), unermüdlich.

Porsche-typische Leichtigkeit und Präzision

Der Motor basiert prinzipiell auf dem Dreiliter-Turbo-Boxer des 911 Carrera, was im Detail bedeuten kann, dass beim Zulieferer einfach ein stark verändertes Bauteil wie der Zylinderkopf von der gleichen Fertigungslinie purzelt. Ansonsten: 102 statt 91 Millimeter Bohrung, größere Einlassventile, die wiederum bedingen, dass die per Piezo-Kristall gesteuerten Einspritzdüsen nicht mehr zentral, sondern in Richtung der Auslassventile positioniert sitzen. Warum? Damit die Verbrennung optimal und mit geringstmöglicher Partikelbildung verläuft, da der Kraftstoff so nicht auf die früh öffnenden, daher kalten Einlassventile gelangt. Dazu: Ventilbetätigung per Rollenschlepphebel statt schaltbarer Tassenstößel, damit das Aggregat freier dreht.

Porsche 718 Cayman GT4
Rossen Gargolov
Performance-Analyse? Muss noch warten. Heute bleibt bei ein paar Runden flotten Regentanzes.

Wie jetzt. Start-Ziel. Heftige Gischt vom vorausfahrenden GT4. Dann eine kleine Kuppe, die Drehzahl schnellt kurz nach oben, Traktionsverlust für einen Wimpernschlag, dann setzt sich der Cayman wieder. Bremsen, optimal definierter Druckpunkt des Pedals. Einlenken, mit Porsche-typischer Leichtigkeit und Präzision. Höhere Haltkräfte wären einzig eine mäßige Illusion besserer Rückmeldung. Ja, das wird schon was mit dem Knockhill Circuit (der Knockhill türmt sich übrigens zu einer schwindelerregenden Höhe von 325 Metern auf), dem schottischen Wetter und dem GT4.

Die Regelsysteme bleiben aktiv, erlauben minimale Schwimmwinkel. Nutze sie, komm gar nicht erst in den Regelbereich, dann bist du schon ziemlich flott unterwegs bei dieser Pladderei. Ach, sie warten jetzt auf die ultimative Performance-Analyse? Wie sich der Cayman GT4 auf dem schmalen Grat zwischen Dies- und Jenseits einer Kaltverformung mit spitzen Fingern um den Kurs scheuchen lässt? Fällt heute aus, zumindest für den Fall des maximalen Reibwerts der schottischen Strecke. Es bleibt bei ein paar Runden flotten Regentanzes. Die aber reichen, um zu merken, dass du als Fahrer nur genug beschäftigt und eingebunden werden willst, um später ganz von selbst Heldengeschichten zum Besten zu geben, die sich noch deine Enkel anhören werden müssen. Sie beginnen vielleicht mit einem mächtigen Heckflügel, der in der Gischt von Knockhill verschwindet, da, wo sich die Strecke in einer Rechtskurve den Abhang hinunter windet.

Porsche 718 Cayman GT4
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Fazit

Wunderbar, dass Porsche den GT4 neu auflegt, stärker und agiler als zuvor. Vor allem aber: Pointiert anachronistisch, ein bisschen zu unperfekt – und genau deshalb wahnsinnig mitreißend. Mit Doppelkupplungsgetriebe und Turbomotor ließen sich sicher noch schnellere Rundenzeiten erzielen. Doch so, wie der Cayman jetzt auftritt, kehrt auch wieder auf die Landstraße Leben zurück.

Technische Daten

Porsche 718 Cayman GT4 Cayman GT4
Grundpreis 96.206 €
Außenmaße 4456 x 1801 x 1269 mm
Kofferraumvolumen 425 l
Hubraum / Motor 3995 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 309 kW / 420 PS bei 7600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 304 km/h
Verbrauch 10,9 l/100 km
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