Porsche 911 930 Turbo Cyberpunk 2077 Brian Diehl
Porsche 911 930 Turbo Cyberpunk 2077
Porsche 930 Turbo Cyberpunk 2077
Porsche 930 Turbo Cyberpunk 2077
Porsche 930 Turbo Cyberpunk 2077 25 Bilder

Fahrbericht Porsche 911 Turbo (930) Cyberpunk 2077

Porsche 911 Turbo (930) Cyberpunk 2077 Unikat Ausfahrt im echten Endzeit-Elfer

Real World Experience: Porsche hat den Elfer aus dem Videospiel Cyberpunk 2077 gebaut. Wir sind eingestiegen und haben ihn gefahren.

Sie wissen das vielleicht nicht, aber Porsche ist bestens mit der Gaming-Industrie vernetzt. Dass die Sportwagen aus Zuffenhausen in Rennsport-Simulationen auftauchen, liegt ja noch nahe. Doch Porsche lauert auch auf große Videospiel-Attraktionen außerhalb virtueller Rennstrecken. Die größte ist derzeit das weltweit mit Spannung erwartete Action-Adventure "Cyberpunk 2077" von Spieleentwickler "CD Projekt Red". Deren Kreativteam hat einem der Charaktere aus der düsteren fiktiven Metropole Night City einen Porsche zugedacht, und nun ist aus dieser Idee Realität geworden.

Carrera was und 918 wer?

Mehr als bei sonst einem Fahrbericht geht es hier um ein Gefühl. Nicht, weil es zur Technik des Ur-Turbos nichts zu sagen gäbe, sondern weil wir das schon mehrfach getan haben. Schließlich handelt es sich um ein Auto aus den 1980er-Jahren. Es stellt sich also mehr die Frage, welches Feeling die Umgestaltung transportiert. Anders als im Videospiel selbst, beschränkt sich das Styling am echten Objekt auf eine innerhalb von vier Tagen angebrachte Folierung. Doch die hat mehr Wirkung, als Sie jetzt vielleicht glauben.

Sicher können Sie sich vorstellen, mit welchem Luxus-Problem die Stuttgarter zu kämpfen haben. Wer hier nämlich in einem Porsche 911 durch die Stadt cruist, fängt sich wenig bis keine ehrfürchtigen Blicke ein. Und jetzt sagen Sie nicht, das sei egal. Wer sein Auto liebt, der freut sich auch darüber, wenn Passanten verstohlen hinterherschauen. Während wir den Cyberpunk-Elfer auf dem Vorplatz des Porsche Museums für Foto- und Videoaufnahmen positionieren, werden nebenan ein Carrera GT und ein 918 Spyder vom Hänger geladen. Unterdessen spült die S-Bahn im Hintergrund einen Schwall von Menschen auf den Asphalt und jetzt raten Sie mal, an welchem Vehikel die Blicke kleben. Ein junger Mann dreht einen ehrfürchtigen Bogen um den folierten Turbo. "Ist das DER Porsche aus Cyberpunk?", fragt er uns mit großen Augen, obwohl er die Antwort natürlich bereits kennt.

Porsche 930 Turbo Cyberpunk 2077
CD Project Red
So wird der Porsche Turbo von "Johnny Silverhand" aus Cyberpunk 2077 im Videospiel aussehen, das demnächst erscheint.

Das Hirn in Wallung

Beim Erstkontakt mit dem Cockpit stehen die Härchen auf den Unterarmen ehrfürchtig Spalier. Der ikonische Geruch von Fahrzeuginnenräumen vergangener Tage kriecht in die Nase und stimuliert das Hirn zu wild-nostalgischen Wallungen. Nuancen von Benzin, Öl, Leder und Teppich vermischen sich zu olfaktorischem Glück. Linkerhand den Schlüssel rein, eine entschlossene Umdrehung und zur aufgestellten Gliedmaßen-Behaarung gesellt sich die Verwandschaft im Nacken. Ein sattes Brummen dröhnt aus dem Heck. Nicht aufdringlich, aber verheißungsvoll. Dass sich der aufgeladene Boxer mit seinen 3,3 Litern Hubraum zunächst recht zahm präsentiert, ist ein bekanntes Phänomen, das sich ab 4.000 Umdrehungen ins krasse Gegenteil verkehrt.

Der leichte November-Nebel, der am Tag unserer Ausfahrt durch den Stuttgarter Kessel wabert, passt gut in das Bild. Auf den ersten Metern durch den industriellen Charme von Zuffenhausen, fühlt man sich der Spiel-Vorlage des Fahrzeughalters erstaunlich nahe. Im Spiel Cyberpunk 2077 gehört der Elfer dem Sänger der Rockband "Samurai", was auch den Schriftzug am Heck erklärt. Ein roher, harter Typ – wilder Rebell mit halblangem Haar, verkörpert vom virtuellen Alter Ego des Hollywood-Stars Keanu Reeves. Weil sich auch der Porsche als Fahrzeug ohne Schnörkel präsentiert, wird schnell klar, wieso die Wahl auf dieses Modell gefallen ist.

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Brian Diehl
Das Interieur besticht mit dem unnachahmlichen Fahrzeug-Geruch aus vergangenen Tagen.

Überraschend digital

Am Lenkrad will der Turbo einen echten Kerl wissen. Keine Servounterstützung, kein ABS, keinerlei Regelelektronik oder gar Assistenten. Im Stadtverkehr mag das noch wenig beeindruckend sein, interessant wird es auf Straßen, die höhere Tempi gestatten. Je näher sich die Nadel des Drehzahlmessers auf die Vier zubewegt, desto heller treten die Fingerknöchel hervor. Seine vollen 430 Newtonmeter präsentiert der 32 Jahre alte Porsche erstaunlich digital. An/Aus. Eins und null. Auf einmal ist alles da, fällt über die Hinterräder her, manifestiert sich in einem tosenden Aufbäumen des Sechszylinders und einem Schub, der auch dann überrascht, wenn man sich eigentlich fest vorgenommen hatte, darauf gefasst zu sein. Den Beinamen "Witwenmacher" trägt der Turbo nicht von ungefähr.

Zwar bleibt der 300 PS starke Sportwagen-Klassiker beherrschbar, doch es erfordert auch für geübte Fahrer ein Herantasten an die Materie. Auf der Geraden wird der Schub zum Benzin-Glücksgefühl-Konverter, sobald die anfängliche Überraschung über den Punch verfolgen ist. Ab hier darf man sich nur nicht der Illusion hingeben, das Auto nun vollumfänglich verstanden zu haben. Dass bei 4.000 Umdrehungen die Kraft zuschlägt, bedeutet im Umkehrschluss auch, dass unterhalb dieser Grenze ein gähnendes Turboloch klafft, das jeglichen ambitionierten Vortrieb zu verschlingen droht. Also ist Drehzahl gefragt, und damit eine passende Schalt-Strategie. Glücklicherweise lässt sich der Hebel der Fünfgang-Schaltung (im Turbo ab Modelljahr 1989) präzise durch die Gassen schieben. Heikel wird der Tanz erst in den Kurven. Ein falscher Druck aufs rechte Pedal und das gebürzelte Heck überholt den Fahrer auf dem Weg in den Graben. Da hilft es dann auch nicht mehr, dass die Lenkung ansonsten sehr bereitwillig mitarbeitet.

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Dem Turbo nähert man sich mit respektvoller Behutsamkeit. Bei der Fahrt natürlich noch mehr als im Stand.

Falsche Gemütlichkeit

Trügerisch am Porsche Turbo ist vor diesem Hintergrund die Gemütlichkeit, die der Innenraum versprüht. Zumal mit elektrischen und beheizten Sitzen, Klimaanlage, Kassettenradio (Blaupunkt Düsseldorf) und elektrischen Fensterhebern erstaunlich viele Komfort-Extras im Elfer stecken. Nochmal: Das Auto hat 32 Jahre auf dem Buckel. Den Sitzen merkt man das Alter vielleicht am wenigsten an. Das beige Leder schmiegt sich an Rücken und Gesäß, fasst beides gleichzeitig aber mit sanfter Strenge ein. Kurzum: Der 930 sitzt wie ein maßgeschneiderter Anzug.

Das bringt uns auf das eigentliche Thema zurück, schließlich fahren wir den Porsche in erster Linie als Videospiel-Inkarnation. Ob sich Gaming- und Elfer-Fans künftig vielleicht auf eine Ausstattungslinie "Cyberpunk 2077" freuen dürfen? "Bestätigen können wir das noch nicht, aber bis zum Jahr 2077 haben wir ja ein bisschen Zeit. Bis dahin ist sicher einiges möglich", prognostiziert Sebastian Hornung, Porsche-Verantwortlicher für Branded Entertainment, mit einem Augenzwinkern. Wir warten – ganz ohne Augenzwinkern.

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Brian Diehl
Eine ganz schön kräftige Schulter zum Anlehnen. Der Porsche Turbo mit seinen 300 PS fasziniert auch noch im Alter von mehr als 30 Jahren ungebrochen.

Fazit

Was so eine schlichte Folierung ausmachen kann – beeindruckend. Ebenso die Fahrleistungen eines immerhin 32 Jahre alten Autos, das nicht, aber auch gar nichts von seiner Faszination verloren hat. In diesem Porsche Turbo steckt ein bisschen "Cyber" und jede Menge "Punk". Den echten Turbo zu fahren, ist atemberaubend – ihn im Spiel zu bewegen, dürfte auch ein Abenteuer sein, allerdings ein sehr sicheres.

Technische Daten

Porsche 911 Turbo 3.3
Außenmaße 4291 x 1775 x 1310 mm
Höchstgeschwindigkeit 260 km/h
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Porsche 911
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