Formel 1 - Streckenrundgang - Algarve Circuit - Portimao - 2020 ams
Formel 1 - Streckenrundgang - Algarve Circuit - Portimao - 2020
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Formel 1 - Streckenrundgang - Algarve Circuit - Portimao - 2020 39 Bilder

F1-Streckenrundgang: Algarve Circuit Portimao

Streckenrundgang Algarve Circuit Portimao Die erste Runde Achterbahn

Portimao ist die zweite neue Rennstrecke im Formel 1-Kalender. Wir sind die Achterbahn an der Algarve einen Tag vor dem ersten Training abgelaufen und zeigen ihnen, was die Fahrer beim Comeback des GP Portugal nach 24 Jahren Pause erwartet.

Portugal war 16 Mal Gastgeber der Formel 1. Auf drei unterschiedlichen Rennstrecken. 1958 und 1960 wurde auf dem 7,407 Kilometer langen Stadtkurs von Oporto gefahren. 1959 bekam der Monsanto Park am Stadtrand von Lissabon den Zuschlag. Die Strecke, die zum Teil über die Stadtautobahn führte, war 5,440 Kilometer lang.

Von 1984 bis 1996 gastierte die Formel 1 in Estoril. Auf der 4,360 Kilometer langen Strecke wurden viele Dramen geschrieben. Das berühmteste fand gleich beim Debüt 1984 statt. Niki Lauda wurde mit einem halben Punkt Vorsprung Weltmeister vor Alain Prost. Die kontroverseste war der Crash zwischen Nigel Mansell und Ayrton Senna 1989. Mansell hatte zuvor die schwarze Flagge gezeigt bekommen, diese aber ignoriert.

Nach 24 Jahren Pause rutscht Portugal wieder in den Formel 1-Kalender. Diesmal mit einer neuen Rennstrecke. Das Autodromo Internacional do Algarve wurde im November 2008 eröffnet. Der Bau der Anlage hat 195 Millionen Euro verschlungen. Und schon ein Jahr später wählte die Formel 1 den 4,653 Kilometer langen Kurs zu einer seiner Wintertest-Destinationen.

Ich kann mich vor allem an eines erinnern an diesen kalten Januar-Tagen im Süden von Portugal. Es regnete in Strömen, und das gefühlt ohne Pause. Tatsächlich fielen die ersten beiden Testtage ins Wasser. Am dritten Tag war die Strecke noch teilweise nass. Erst dann kam die Sonne heraus.

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Am Ausgang von Kurve 1 werkeln die Arbeiter noch an den Abflussgittern. Hier werden viele Piloten weit ausholen.

Viel Arbeit mit den Drainagen

Im Gegensatz zu der Naturrennbahn Mugello ist Portimao eine Rennstrecke aus der Retorte. Das Layout ist dem von Estoril nicht ganz unähnlich. Auf nur 300 Hektar Land falten sich 15 Kurven mit einer 969 Meter langen Zielgeraden durch hügeliges Gelände. Insgesamt sind 16 Streckenvarianten möglich.

Die Formel 1 wählte die Version ohne die Schikanen in der ersten und der letzten Kurve. Obwohl die Strecke am Reißbrett entstand, ist sie alles andere als langweilig. Dafür sorgt ein ständiges Auf und Ab, viele blinde Kurven, Kuppen und Senken, Steigungen von bis zu 6,2 Prozent und ein maximales Gefälle von 12,0 Prozent.

So weit die wichtigsten Daten. Doch jetzt soll es losgehen. auto motor und sport steht wie bei jeder neuen Rennstrecke für einen Inspektion zu Fuß am Start. Der im September neu aufgelegte Asphalt glänzt nach reichlich Regen über Nacht wie ein Seehundfell. Unser erster Stopp ist die Pole Position. Von hier sind es 415 Meter in die erste Kurve.

Wie schon in Mugello sieht man vom Startplatz aus die erste Kurve nicht. Beim 200 Meter Schild geht es steil bergab. Die Boxenausfahrt mündet erst 50 Meter vor dem Einlenkpunkt in die Strecke, die über die gesamte Zielgerade 18 Meter breit ist. Nicht ganz ungefährlich, würde ich behaupten. Genauso wie die Boxeneinfahrt, die direkt ausgangs der superschnellen Zielkurve nach innen abbiegt.

Am Ausgang der ersten beiden Kurven schweißen und schrauben Streckenarbeiter an den Drainagen herum. Scharfe Kanten werden abgefeilt, die Befestigungsschrauben nachgezogen. Es wäre nicht das erste Mal, dass Formel 1-Autos mit ihrem gewaltigen Abtrieb die Abdeckungen aus ihren Fassungen saugen. Romain Grosjean hatte deshalb einmal in Sepang einen schweren Unfall.

Die große Auslaufzone, halb Asphalt, halb Kies wirft ein weiteres Problem auf, das uns dieses Wochenende noch beschäftigen wird. Wetten, dass es wieder Streit über die Streckenbegrenzungen geben wird! Wer in den ersten beiden Kurven die Auslaufzone klug nutzt, kann aus zwei Kurven eine machen. Mercedes erwartet Geschwindigkeiten von 230 und 250 km/h. Dort liegt mit 4,6 g auch die höchste Fliehkraft an.

Bis jetzt hat FIA-Rennleiter Michael Masi in seinen Streckennotizen nur die Limits in den Kurven 1 und 4 genauer spezifiziert. Wer mit allen vier Rädern über die weiße Linie fährt, bekommt die Rundenzeit gestrichen. Wir sehen auf unserer Streckenvisite aber auch eingangs Kurve 3 ein Problem. Es ist links neben der Piste genug Platz, durch weites Ausholen den Radius der folgenden Zweite-Gang-Kurve deutlich zu vergrößern.

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Vor Kurve 4 geht es erstmals steil bergauf. Der Begriff "Achterbahn" ist in Portimao keine Übertreibung.

Fünf Mal rauf und runter

Hinter der der spitzkehren-ähnlichen Kurve 3 geht es zum ersten Mal steil bergauf. Die Höhenunterschiede begleiten uns auf den gesamten 4.653 Metern. Insgesamt fünf Mal geht es rauf und wieder runter. Das schafft sonst nur die Nordschleife, allerdings auch auf über 20 Kilometern.

Hinter der blinden Kurve 4 lauert rechts ein riesiges Kiesbett. Es ist das zweite Auffangnetz hinter einem Asphaltstreifen. Überhaupt gibt es mehr Sturzräume aus Kies als versiegelte Fläche. Das ist schon einmal positiv. Am Ende einer Gerade von knapp 500 Meter geht es wieder den Berg runter. Der Bremspunkt liegt wie auf der Zielgerade in einem Gefälle. Ein harter Job für die Bremsen.

In dieser Passage überholt uns Lance Stroll, der gerade seinen Streckenrundgang macht. Der gerade von Corona genesene Kanadier hat es eilig. Die Strecke scheint ihn gar nicht groß zu interessieren. Kurve 5 ist mit 75 km/h die langsamste Stelle der Strecke. Sie windet sich um den VIP-Turm herum, von dem man den größten Teil der Anlage überblicken kann.

Der Kurs führt jetzt wieder bergauf. Vor Kurve 6 lenkt man ins Nichts. Der Fahrer sieht nur den Himmel. Nach dem 270 km/h schnellen Rechtsbogen müssen die Piloten aber schon wieder in die Eisen. Nachdem es scharf rechts ums Eck geht, wird die Steigung noch giftiger.

Dann folgt die spektakulärste Passage. Hinter einer weiteren Kuppe windet sich das Asphaltband steil bergab, führt über eine 270 km/h schnelle Linkskurve in einer Senke sofort wieder himmelwärts. Am Ende lauert eine Doppelrechts mit einem 235 km/h schnellen Eingang und einem 135 km/h langsamen Ausgang. Ein bisschen wie Eau Rouge mit einem Bremspunkt am Ende.

Hier begegnet uns Sergio Perez. Der Mexikaner nimmt seinen Rundgang wesentlich ernster als der Teamkollege. Er prüft sogar die Kiesbetten um herauszufinden, ob man mit dem Auto einsinkt, wenn man mal hineingerät.

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Wegen der vielen schnellen Kurven bringt Pirelli die härtesten drei Mischungen nach Portimao.

27.500 Zuschauer dürfen kommen

Wenn die Autos aus der Doppelkurve T10/11 herausbeschleunigen, fallen sie in ein tiefes Loch. Hier lauert das stärkste Gefälle. Im Grunde ist es eine Kopie der Stelle einen Kilometer davor. Runter in eine Senke, dann mit einem schnellen Linksknick wieder steil bergauf. Der Bremspunkt der 90 km/h schnellen Kurve 13 ist, wir ahnen es, wieder blind.

Danach wiederholt sich ein weiteres Feature, das den Kurs von Portimao kennzeichnet. Der Bremspunkt für Kurve 14 liegt in einem Bergabstück. Der 180 Grad-Bogen ist schneller als er auf der Anfahrt aussieht. Mercedes erwartet hier Geschwindigkeiten von 130 km/h.

Jetzt haben wir noch eine Kurve vor der Brust, und die hat es in sich. Es ist eine elend lange Rechtskurve, deren Einlenkpunkt man erst in letzter Sekunde erkennt und die einen Hügel hinunterfällt, bevor sie zu Beginn der Zielgerade wieder leicht ansteigt.

Das Layout hätte an der Stelle auch eine Schikane im Innenteil im Angebot, doch zum Glück verzichtet die Formel 1 darauf. So bekommen die Zuschauer auf den Tribünen auf der Außenseite Formel 1-Autos am absoluten Limit geboten. 46.000 Ticktes wurden verkauft, doch wegen der jüngst hohen Corona-Zahlen in Portugal hat das Ordnungsamt nur Zustimmung für 27.500 Zuschauer gegeben.

Die Simulation erwartet in der Zielkurve Geschwindigkeiten von bis zu 280 km/h. Das macht auch das Überholen zum Geduldsspiel, weil es schwer sein wird, am Vordermann dranzubleiben. Es gibt nur eine DRS-Stelle auf dem Kurs. Um den Fahrern überhaupt eine Chance zum Angriff zu geben, darf der Heckflügel schon 125 Meter nach dem Kurvenausgang flach gestellt werden. So bleiben bis zum Bremspunkt der ersten Kurve gut 750 Meter mit reduziertem Luftwiderstand im Windschatten.

Da die Autos wahrscheinlich nahe am maximalen Abtrieb getrimmt sein werden, fällt der DRS-Effekt auch maximal groß aus. Wir können ihnen am Ende unseres Fußmarsches nur zurufen: Machen Sie sich auf spektakuläre Fernsehbilder gefasst. Einen ersten Eindruck bieten wir Ihnen aber jetzt schon in der Galerie.

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