Einige Fans fühlen sich bereits an die Saison 2014 erinnert. Den perfekten Mercedes-Start mit sechs Doppelsiegen in Folge verhinderte damals nur eine defekte Zündkerzen-Isolation am Auto von Lewis Hamilton. Sie sorgte dafür, dass der Funken früher als geplant übersprang – nämlich schon außen am Zylinderkopf und nicht im Zylinder selbst. Der unerwartete Ausfall in Melbourne war aber nur ein kleiner Schluckauf in einer fast perfekten Saison.
Dieses Jahr präsentierten sich die Silberpfeile in den Rennen sattelfest. Nur der verpatzte Sprint in Shanghai sorgt für einen kleinen Makel in der Bilanz. Kimi Antonelli vergaß, am Start den Launch-Modus zu aktivieren, und verlor direkt ein paar Plätze.
Es hätte wohl trotzdem zum Doppelsieg gereicht, wäre er nicht auch noch Isack Hadjar ins Auto gekracht. Die Zehn-Sekunden-Strafe warf den Youngster am Ende auf Rang 5, wodurch nun drei WM-Punkte auf die perfekte Ausbeute fehlen. Teamchef Toto Wolff wird es verkraften können. Ferrari, der einzige ernstzunehmende Verfolger, ist bereits um 31 Zähler distanziert.

Zwei Rennen, zwei Doppelsiege für Mercedes. Bisher konnte Ferrari nicht viel gegen die Silber-Dominanz ausrichten.
Ferrari kämpft mit Reifenverschleiß
Zwar konnten die roten Renner ihre Quali-Niederlagen stets mit Raketenstarts ausbügeln, in Sachen Rennpace sahen Charles Leclerc und Lewis Hamilton aber meistens kein Land. Was auffällt: Zu Beginn der Stints kann Ferrari immer noch einigermaßen mithalten. Mit mehr Runden auf den Reifen fallen die Scuderia-Piloten dann nach und nach zurück.
Entweder nehmen sie die Gummis zu stark heran, um die Mercedes-Pace zumindest kurze Zeit mitgehen zu können. Oder der Verschleiß fällt am SF-26 generell höher aus. Für die zweite Theorie spricht, dass George Russell nach der Safety-Car-Phase in Shanghai deutlich mehr Probleme hatte, die harten Reifen auf Temperatur zu bringen.
Bei Ferrari lagen die Pirelli-Gummis dagegen schnell im notwendigen Arbeitsfenster. Hamilton und Leclerc fuhren scheinbar mühelos an WM-Spitzenreiter Russell vorbei. Doch nach ein paar Runden kehrte sich der Grip-Vorteil um. Der Mercedes-Pilot konnte die rote Wand nicht nur durchbrechen, er ließ seine Gegner anschließend auch deutlich hinter sich.

Im Laufe der Rennen werden die Mercedes immer stärker. Ferrari fällt zurück.
Halbe Sekunde pro Runde langsamer
"In Sachen Rennpace hat uns am Ende eine halbe Sekunde pro Runde gefehlt", zog Teamchef Frédéric Vasseur ein ernüchterndes Fazit. Diesen Rückstand will man nun sukzessive mit Upgrades aufholen. Die teilweise deutlichen Quali-Niederlagen zeigen, dass man nicht nur am Reifenverschleiß arbeiten muss.
In den GPS-Vergleichen erkennt man gut, dass die Ferrari-Piloten beim Einlenken in der ersten Kurvenphase noch gut mit ihren Mercedes-Kollegen mithalten können, hier sogar teilweise schneller sind. Doch Russell und Antonelli können am Ausgang früher aufs Gas. Sie holen sich den entscheidenden Vorteil dank einer guten Traktion in der Beschleunigungsphase.

Lewis Hamilton sucht noch nach dem Geheimnis des Silberpfeils.
Darf Ferrari nachrüsten?
Auch bei der Motor-Power sieht sich Ferrari im Nachteil. Über das Nachrüstprogramm der FIA (ADUO) hofft man in Maranello auf die Erlaubnis zum Upgrade. Dazu muss Ferrari nachweisen, dass der Verbrenner mindestens zwei Prozent weniger Leistung liefert als der Mercedes-V6. Neue Antriebselemente dürfen aber frühestens nach Miami homologiert werden.
Einige Experten befürchten, dass auch bei Mercedes noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Um keine Schäden zu riskieren, werden die Motoren aus Brixworth aktuell im Schonmodus betrieben. Mit jedem Kilometer auf der Strecke lernen die Ingenieure, wie weit sich die Technik noch ausreizen lässt. Gut möglich also, dass Mercedes auf Leistungssteigerungen der Konkurrenz reagieren kann.











