George Russell - Mercedes - GP Australien 2022 - Melbourne xpb
Start - GP Australien 2022
Charles Leclerc - GP Australien 2022
Sergio Perez - GP Australien 2022
George Russell - Mercedes - GP Australien 2022 - Melbourne 21 Bilder

Effizienz-Weltmeister Mercedes in ersten Rennen

Mercedes der Effizienz-Weltmeister Zweiter mit fünftschnellstem Auto

GP Australien 2022

Mercedes führt die perfekte Schadensbegrenzung vor. Obwohl der Silberpfeil in Melbourne auf eine Runde nur das fünftschnellste Auto war, stehen der Konstrukteurs-Weltmeister und George Russell in beiden Meisterschaften auf dem zweiten Platz.

Auf der Rennstrecke muss Ferrari im Moment nur Red Bull fürchten. In den Meisterschaftstabellen liegen ein Mercedes und ein Mercedes-Fahrer auf Platz 2. Der Konstrukteurs-Weltmeister demonstriert gerade, dass man auch mit einem Auto, das zu langsam ist, auf dem Papier gut aussehen kann. Die 65 Punkte für das Team und 37 Zähler für George Russell sind ein Dokument von totaler Effizienz.

Mercedes katapultierte sich in Melbourne mit einem Auto in die Verfolgerrolle, das auf eine Runde hinter dem Ferrari, Red Bull, Alpine und McLaren nur das fünftschnellste im Feld war. Aber die Silberpfeile kommen immer ins Ziel. Und immer in den Punkterängen an. Das schafft nicht mal Ferrari. Außerdem rufen George Russell und Lewis Hamilton am Sonntag immer exakt das ab, was in diesem Auto steckt.

Reifenschonen hatte Priorität

Die Mercedes-Ingenieure stimmen die Autos konsequent auf das ab, was die Rennstrecke am Sonntag von den Reifen verlangt. Lieber dafür ein paar Startplätze aufgeben. Der Ansatz hatte auch in Melbourne Erfolg. Nur Ferrari und Mercedes fanden ein Mittel, den linken Vorderreifen der Medium-Mischung vor dem Körnen zu schützen.

Auch wenn es knapp war. George Russell musste im Duell mit Sergio Perez zurückstecken, weil er bei zu intensiver Verteidigung den linken Vorderreifen hingerichtet hätte. "Wir mussten diesen Reifen in der Zielkurve managen, um Checo nicht das Tor zu öffnen, besonders bei dem Topspeed den die Red Bull haben. Irgendwann ging es aber nicht mehr. Hätte ich dort noch härter attackiert, wäre der Reifen eingebrochen."

Die Ingenieure hatten ihrem neuen Fahrer geraten, im Zweifel Perez keinen Widerstand zu leisten. "Perez hat unsere Autos zwei Mal überholt. Im zweiten Stint war es ein echtes Überholmanöver unter Rennspeed. Das sagt alles. Die Red Bull waren sechs Zehntel schneller als wir und sie hatten den besseren Topspeed. Dagegen kannst du dich nicht mal in Melbourne verteidigen." Russell hätte bei zu viel Gegenwehr auch noch seinen Platz gegen Hamilton riskiert, auch wenn der in den letzten Runden zurückstecken musste, weil der Motor überhitzte.

George Russell - Mercedes - GP Australien 2022 - Melbourne
Wilhelm
George Russell ist mit 37 Punkten WM-Zweiter. Mercedes ist mit 65 Zählern der erste Verfolger von Ferrari.

Mercedes profitiert von Fehlern anderer

Teamchef Toto Wolff atmete auf: "Wir verlassen Melbourne mit einem besseren Gefühl als wir hier her gekommen sind. Das Ergebnis zeigt, dass der Geist im Team und die Arbeitsmoral stimmen. Wir wissen aber auch, dass wir im Moment weder mit Ferrari noch mit Red Bull mithalten können und Rundenzeit finden müssen. Im dem Sinne lief Melbourne gut für uns. Wir haben mehr Punkte auf dem Konto, mehr Informationen und mehr Daten im Gepäck."

Die Plätze 3 und 4 dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem Mercedes immer noch eine Sekunde pro Runde auf die Spitze fehlt. Der Abstand zu Red Bull sah nur deshalb etwas freundlicher aus, weil Probleme mit den Reifen die Autos aus Milton Keynes schlechter aussehen ließen als sie sind. "Wir profitieren zur Zeit von den Fehlern und den Problemen unserer Gegner, von unserer überragenden Zuverlässigkeit und davon, dass wir aus dem Paket das Maximum herausholen", gibt Russell zu.

Die Mercedes werden immer noch von einem großen Problem gebremst. Das Bouncing treibt die Ingenieure um. "Wir haben über 100 Experimente mit der Fahrzeugabstimmung gemacht, Bodenfreiheit rauf und runter, mehr und weniger Dämpfung, mehr Flapanstellung, unterschiedliche Heckflügel. Es zeichnet sich immer noch kein Ansatz zu einer Lösung ab. Es ist ein komplexes Problem. Ferrari hat auch Bouncing, aber nicht so aggressiv. Deshalb kommen die Fahrer damit zurecht. Red Bull hat gar keines, komischerweise von dem Tag an, als das große Aero-Upgrade kam."

Hamiltons Auto als Messlabor

Um hinter das Geheimnis zu kommen hat das Team den Unterboden von Hamiltons Auto mit Sensoren und Messgeräten bestückt. Das trieb das Gewicht des ohnehin zu schweren Autos um weitere eineinhalb Kilogramm nach oben. Aber besser einmal leiden und dafür mehr Informationen zu bekommen als umgekehrt. Aus dem Grund sind beide Fahrer auch mit unterschiedlichen Setups in das Rennen gegangen. Lernen hat Priorität.

Eine schnelle Lösung erwartet keiner. "Ich würde ja gerne sagen, dass wir einen Fortschritt gemacht haben, aber leider haben wir die Lücke zu den Jungs neben mir nicht schließen können", bilanzierte Russell die Lage mit einem Blick auf Leclerc und Perez. Fast trotzig fügt er hinzu: "Wir wissen, dass Potenzial in diesem Auto steckt. Wir müssen es nur abrufen. Das passiert leider nicht über Nacht. Es ist auch nichts Großes in der Pipeline. Deshalb müssen wir in der Zwischenzeit das Beste aus der Situation machen, um nicht den Anschluss zu verlieren."

Russell kann aus dem internen Punktestand im Vergleich zu Superstar Hamilton keine Befriedigung ziehen. "Bei Williams war der Vergleich zum Teamkollegen wichtig, weil wir da nur uns hatten und nicht um Punkte gefahren sind. Hier geht es ums größere Bild. Lewis und ich müssen zusammenarbeiten und mithelfen, eine Lösung zu finden. Da spielt der Punktestand keine Rolle."

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Australien 2022 - Melbourne
xpb
Mercedes versah Hamiltons W13 mit Sensoren und Messgeräten, um das Bouncing besser zu verstehen.

Abspecken bis zur Sommerpause

Die Ingenieure wollen ebenfalls keine Prognosen abgeben, wann das Bouncing im Griff sein soll. "Sicher vor Ende des Jahres. Es wäre aber zu verwegen zu behaupten, dass wir dann so gut sein werden wie Ferrari. Das ist ein großer Job. Die haben ein sehr gutes Auto auf allen Arten von Rennstrecken." Die Krux ist, dass Ferrari und Red Bull ihre Autos weiterentwickeln werden, bis Mercedes endlich die große Speedbremse gelöst haben wird.

Und dann gibt es im Lager der Silberpfeile noch andere Baustellen aufzuräumen. Zum Beispiel das hohe Gewicht. Das wird bestenfalls bis zur Sommerpause ausradiert sein. Was schwierig genug ist: "Es wird erst einmal Gewicht kosten, um das Bouncing-Problem zu lösen."

Für Imola sind jedenfalls keine großen Upgrades geplant. Da muss die Strecke helfen. Mercedes hofft, dass der spezielle Asphalt und die vielen langsamen Kurven das Bild ein bisschen zu den eigenen Gunsten dreht. Einschränkung: "Das Beste, was wir im Moment erreichen können ist eine halbe Sekunde Rückstand auf die Spitze."

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