Nach seinem verpatzten Start schien der zweite Sieg von Kimi Antonelli bereits in weite Ferne gerückt. Der Pole-Setter ließ die Kupplung zu forsch schnalzen. Die Folge waren durchdrehende Räder beim Beschleunigen und der Fall auf Rang sechs.
Oscar Piastri übernahm die Führung und konnte seine Verfolger bis zum Boxenstopp in Runde 18 auch relativ mühelos in Schach halten. Doch dann wirbelte das Safety-Car vier Umläufe später alles durcheinander. Von den Spitzenpiloten war nur Antonelli noch nicht an der Box. Der Italiener nutzte das Geschenk und setzte sich die Spitze. Danach ließ er nichts mehr anbrennen.
Die Frage lautet, wie das Rennen ohne den Glücksfaktor Safety-Car ausgegangen wäre. "Russell hätten wir wohl hinter uns gehalten. Der hatte ja sogar Probleme, die Ferrari zu überholen", grübelte McLaren-Teamchef Andrea Stella. "Antonelli hatte aber eine deutlich bessere Pace als Russell. Er hätte uns wohl irgendwann herausgefordert."

Mit Platz zwei war Oscar Piastri nicht 100 Prozent zufrieden.
Reifen-Delta hätte gereicht
Überholen ist auf dem kurvigen Achter-Layout in Suzuka traditionell schwierig. Im letzten Jahr wurden hier nur 15 Platzwechsel gezählt. Dank Hybrid-Boost waren es dieses Jahr deutlich mehr. Aber richtig einfach war es auch nicht an einem Vordermann vorbeizukommen. Piastri musste auf der Strecke nicht einen einzigen Gegner dauerhaft vorbeilassen.
Trotzdem glauben die Mercedes-Strategen, dass Antonelli im zweiten Stint nicht zu stoppen gewesen wäre, auch wenn er nach seinem Pflichtboxenstopp erst einmal hinter Piastri gefallen wäre: "Er fuhr vor der Safety-Car-Phase auf alten Medium-Reifen schneller als die anderen Piloten auf frischen Hards", staunten die Ingenieure.
Russell hingegen konnte das Tempo der Verfolger im indirekten Duell nicht mitgehen. Deshalb wurde er frühzeitig an die Box geholt. Bei Antonelli hätte der Stopp längst noch nicht angestanden, wäre nicht das Safety-Car ausgerückt. "Bei seiner guten Pace hätten wir ihn noch lange draußen lassen können – bis die Reifen irgendwann eingebrochen wären. Das hätte aber sicher noch zehn Runden oder mehr gedauert", sind sich die Ingenieure sicher.

Bis ins Ziel fuhr Kimi Antonelli einen entspannten Vorsprung heraus.
Antonelli zeigt Pace bei freier Fahrt
Ob Antonelli alleine durch den langen Overcut an Piastri vorbeigekommen wäre, ist fraglich. Allerdings hätte er sich durch das Hinauszögern des Stopps einen riesigen Reifenvorteil erarbeitet. Mit deutlich frischeren Mediums hätte er wohl kurzen Prozess mit dem McLaren gemacht. "Je nachdem, zu welchem Zeitpunkt er gestoppt hätte, wären wir vielleicht sogar auf Softs gegangen", verrieten die Mercedes-Ingenieure.
Das Safety-Car beraubte die Fans um einen spannenderen Kampf um den Sieg. Auch Piastri ärgerte sich: "Ich weiß nicht, ob ich das Rennen gewonnen hätte. Aber ich hätte es gerne ausprobiert." Nach dem Restart zeigte Antonelli, welche Pace in seinem Mercedes steckt, wenn er erst einmal freie Fahrt hat. In den 25 Runden bis zum Ziel zog der Teenager an der Spitze 13,7 Sekunden weg.
Piastri nutzte die Chance, seine McLaren-Ingenieure noch einmal anzuspornen, das Auto weiterzuentwickeln: "Wir geben uns keinen Illusionen hin. Wir haben dieses Wochenende alles richtig gemacht und wurden am Ende trotzdem um 15 Sekunden geschlagen. Die Lücke, die wir aufholen müssen, ist also ziemlich groß. Ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen können, aber es verlangt viel Arbeit."












