Vorschau GP Japan

Ferrari will die Trendwende

Grid Girls - GP Japan 2015 Foto: Wilhelm 65 Bilder

Nach den Niederlagen in Singapur und Russland ist der WM-Zug für Vettel schon so gut wie abgefahren. Ferrari braucht einen Sieg vor allem für die Moral. Doch nach Mercedes scheint nun auch noch Red Bull vorbeizuziehen. In der Suzuka-Vorschau haben wir die letzten Infos.

Die Bilder gleichen sich. Auch im Vorjahr hatte Sebastian Vettel zur Sommerpause noch gute Aussichten auf den fünften WM-Titel. Doch im Endspurt der Saison ging der Scuderia aus Maranello im Kampf gegen Lewis Hamilton und Mercedes die Puste aus. So deutlich wie im Russland-Qualifying hatte Ferrari diese Saison noch nicht den Kürzeren gezogen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ausgerechnet in Suzuka die Trendwende gelingt, steht nicht besonders hoch. Im engen Takt des Überseefinales bleibt wenig Zeit, das Ruder noch durch technische Neuerungen rumzureißen. Ferrari muss sich eher noch nach hinten orientieren. Red Bull präsentierte sich auf der Motorenstrecke von Sotschi sehr konkurrenzfähig. Auf dem Kurs von Suzuka, wo eine effiziente Aerodynamik zählt, sollte die Pace sogar noch besser sein.

Ein Hoffnungsschimer für die Tifosi hat höchstens die Wetterprognose parat. Freitag und Samstag könnte Super-Taifun „Kong Rey“ über den südlichen Teil Japans ziehen und dabei auch ein paar Ausläufer in Richtung Suzuka schicken. Zwar konnte der Ferrari bei Regen noch keine besonderen Talente unter Beweis stellen, aber Vettel würde sich in der aktuellen Form sicher über jede Abweichung vom Normalzustand freuen.

Die Strecke: Suzuka Circuit

Schon seit 1987 werden auf dem 5,807 Kilometer langen Kurs südlich von Suzuka Formel-1-Rennen ausgetragen. Seitdem hat die schnelle Strecke mit ihrem charakteristischen Achter-Layout bei Fans und Fahrern viele Anhänger gefunden. Fließende Kurvenkombinationen, enge Schikanen und Haarnadeln sowie lange Vollgaspassagen sorgen für eine aufregende Mischung.

Fehler verzeiht der Kurs nicht. Im Gegensatz zu den vielen neueren Retortenkursen lauern hier noch echte Kiesbetten jenseits der Kerbs und keine asphaltierten Auslaufzonen in der Größe von Supermarktparkplätzen. Die vielen anspruchsvollen Passagen verlangen von den Fahrern somit stets volle Konzentration.

In den S-Kurven zu Beginn der Runde muss die Linie bei jedem der 6 Richtungswechsel perfekt passen. Auch die beiden Degner-Kurven (T8 & T9) sorgen traditionell für viel Action und einige spektakuläre Ausritte. In der schnellen 130R-Kurve bekommen die Piloten dagegen nur noch selten Schweißausbrüche. Dank gestiegenem Abtrieb ist der Vollgas-Knick nicht mehr die große Herausforderung, die er früher einmal war.

Fast Facts:

  • Streckenlänge: 5,807 km
  • Rundenanzahl: 53 Runden
  • Gesamtdistanz: 307,471 km
  • Rundenrekord: 1:31.540 Min. – Kimi Räikkönen (2005)
  • Distanz Pole Position bis T1: 405 Meter
  • Reifen: Supersoft / Soft / Medium
  • Reifenverschleiß: hoch
  • Spritverbrauch: medium
  • Bremsenbelastung: niedrig
  • Top-Speed: 313 km/h
  • Safety-Car-Wahrscheinlichkeit: 50 %
  • Boxenstopp-Zeitverlust: 22 Sekunden

Das Setup:

Pirelli - Infografik - GP Japan 2017 Foto: Pirelli
Wird es in Suzuka endlich mal wieder mehr als nur einen Boxenstopp pro Fahrer geben?

Die vielen schnellen Richtungswechsel verlangen Stabilität im Auto und vor allem viel Grip auf der Vorderachse. Untersteuern kostet Vertrauen und beansprucht die Reifen über Gebühr. Zu steil dürfen die Flügel aber auch nicht stehen, um auf den langen Vollgaspassagen nicht zu viel Luftwiderstand zu bieten. In den Freien Trainings muss der optimale Kompromiss gefunden werden.

Tückisch ist in Suzuka auch immer der Wind, der durch die Nähe zum Meer stets mit einer steifen Brise weht und nicht selten mehrmals am Tag die Richtung wechselt. Für den Motor stellt die Strecke ebenfalls eine überdurchschnittliche Belastung dar. Die Bremsen sind durch die vielen flüssigen Passagen und die eher niedrigen Temperaturen dagegen weniger gefordert.

Von der Fahrwerksabstimmung gibt es auch keine großen Herausforderungen. Der Asphalt weist kaum Bodenwellen auf. Bis auf die Zielschikane sind die Kerbs flach. Man darf gespannt sein, wie sich der Reifenverschleiß entwickelt. Die Pirelli-Gummis (Supersoft, Soft & Medium) entsprechen zwar nominell den gleichen Mischungen wie im Vorjahr, sie sind im Winter aber eine Stufe weicher geworden.

Technik-Updates:

Bei zwei Asien-Rennen innerhalb von einer Woche sollte man nicht zu viele Neuerungen an den Autos erwarten. Mercedes und Ferrari haben ja schon in Russland – unter anderem mit neuen Frontflügeln – vorgelegt. Besonders interessant wird zu sehen sein, wie die neuen Toro-Rosso-Motoren ihre erste echte Bewährungsprobe überstehen. Vor dem heimischen Publikum will sich Honda auf seiner Hausstrecke sicher keine Blöße geben.

Die Favoriten:

Lange haben wir Mercedes und Ferrari auf Augenhöhe gesehen. Nach den Eindrücken der letzten Rennen ist das Pendel nun aber wieder deutlich in Richtung Silber ausgeschlagen. Die Suzuka-Strecke mit ihren flüssigen Kurven lag dem Weltmeisterteam in der Vergangenheit immer besonders gut. Mercedes feierte hier vier Siege in Folge. Dank moderater Temperaturen (max. 25°C) und nur wenig Sonnenschein dürfen sich die Tifosi auch keine große Hoffnung auf erhöhten Reifenverschleiß am Silberpfeil machen.

Nach den Eindrücken von Sotschi bleibt eher zu befürchten, dass Red Bull den Abstand zu Ferrari verkürzen könnte. Nur die Quali-Power und die schlechten Überholmöglichkeiten in Suzuka sprechen noch dafür, dass Vettel und Räikkönen im Duell um die Plätze hinter Mercedes noch die Oberhand behalten sollten. Fehler darf sich Ferrari aber nicht erlauben.

Im Mittelfeld hat sich zuletzt ebenfalls ein deutlicher Trend abgezeichnet. Sauber bewegt sich zumindest mit Charles Leclerc auf dem Niveau von Haas und Force India. Renault und McLaren blieben in Russland dagegen chancen- und punktelos. Ein Fragezeichen schwebt noch über Toro Rosso. Wenn der neue Honda-Motor tatsächlich den versprochenen Leistungszuwachs bringt, dann können Pierre Gasly und Brendon Hartley ein Wörtchen um die Top-Ten-Plätze mitreden.

So lief das Rennen im Vorjahr – GP Japan 2017

Lewis Hamilton konnte 2017 in Suzuka einen riesigen Schritt in Richtung WM-Titel machen. Von der Pole Position ließ der Mercedes-Pilot fast über die komplette Distanz von 53 Runden nichts anbrennen. Erst zum Ende des Rennens wurde es noch einmal kurz spannend, als Hamilton plötzlich mit Vibrationen im Antrieb zu kämpfen hatte. Dadurch fiel der Vorsprung im Ziel vor Max Verstappen mit 1,2 Sekunden relativ klein aus.

Daniel Ricciardo machte das Doppelpodium für Red Bull auf Rang 3 perfekt. Sebastian Vettel konnte nicht in den Kampf um den Sieg eingreifen. Schon auf dem Weg in die Startaufstellung klagte der Heppenheimer über Motoraussetzer an seinem Ferrari. Der Zündkerzen-Defekt konnte auf die Schnelle nicht repariert werden. Schon nach vier Runden musste der Ferrari-Pilot aufgeben.

In unserer Galerie zeigen wir Ihnen noch einmal die entscheidenden Szenen vom GP Japan 2017.

Zeitplan GP Japan 2018

Session Termin (MEZ)
Freies Training 1 Freitag, 5. Oktober - 3.00 Uhr
Freies Training 2 Freitag, 5. Oktober - 7.00 Uhr
Freies Training 3 Samstag, 6. Oktober - 5.00 Uhr
Qualifikation Samstag, 6. Oktober - 8.00 Uhr
Rennen Sonntag, 7. Oktober - 7.10 Uhr
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