Max Verstappen - GP Japan 2019 Red Bull
Sebastian Vettel - GP Japan 2019
Mercedes - GP Japan 2019
Valtteri Bottas - GP Japan 2019
Max Verstappen - GP Japan 2019 40 Bilder

Vorschau GP Japan: Zweiter Verstappen-Matchball

Vorschau GP Japan Zweiter Matchball für Verstappen

Max Verstappen bekommt in Suzuka seine zweite Chance die Titelverteidigung klarzumachen. Dieses Mal ist die Wahrscheinlichkeit deutlich größer als in Singapur. In der Vorschau haben wir die letzten Infos zum Japan-Comeback. Und wir erklären, bei welcher Konstellation die Red Bull Meister-Party steigt.

Im großen Übersee-Endspurt der Saison 2022 geht es Schlag auf Schlag. Nur sieben Tage nach dem Flutlicht-Spektakel von Singapur steigt in Suzuka der zweite Teil der Formel-1-Asia-Wochen. Und wie in Singapur handelt es sich erneut um ein Comeback-Rennen. Wegen Corona machte die Königsklasse zwei Jahre lang einen großen Bogen um Japan.

Die Stimmung bei den Fans dürfte nicht nur wegen der längeren Formel-1-Abstinzenz besonders angeheizt sein. Streckenbesitzer Honda will beim Heimspiel zusammen mit Partner Red Bull eine große Grand-Prix-Party feiern. Max Verstappen kommt zum ersten Mal seit seinem WM-Titel im Vorjahr zurück ins Land der aufgehenden Sonne.

Der Weltmeister würde Honda am liebsten direkt die zweite Meisterschaft schenken. Um die Titelverteidigung vorzeitig klar zu machen, müsste er Suzuka mit 112 WM-Punkten Vorsprung wieder verlassen. Aktuell führt der Holländer die Fahrerwertung 104 Zähler vor Charles Leclerc und 106 Zähler vor Sergio Perez an. Mit einem Sieg und dem Bonuspunkt für die schnellste Rennrunde wäre Verstappen rechnerisch durch.

Holt Verstappen nur den Sieg, aber nicht den Bonuspunkt, würde Leclerc mit einem zweiten Platz die Meisterparty noch etwas verschieben. Der Monegasse dürfte dann höchstens Dritter werden, um auch rechnerisch aus dem Rennen zu sein. Theoretisch könnte Verstappen den Titel sogar mit einem sechsten Platz vorzeitig klarmachen, wenn seine Rivalen komplett leer ausgehen.

Vielleicht werden am Ende aber gar nicht die vollen Punkte vergeben. In der Küstenstadt Suzuka spielt das Wetter regelmäßig verrückt. Und auch in diesem Jahr sind für den Rennsonntag heftige Schauer vorhergesagt. Es ist also noch längst nicht sicher, ob Red Bull die Champagner-Korken nach dem Rennen knallen lassen kann. Wer live dabei sein will, sollte sich den Wecker stellen. Qualifying (8.00 Uhr) und Rennen (7.00 Uhr) werden im Frühstücksfernsehen übertragen.

Red-Bull-Fans - GP Japan 2019
Red Bull
Auf der Honda-Strecke in Suzuka hat Red Bull immer besonders viele Fans.

Die Strecke: Suzuka Circuit

Schon seit 1987 werden auf dem 5,807 Kilometer langen Kurs südlich von Suzuka Formel-1-Rennen ausgetragen. Seitdem stößt die schnelle Strecke mit ihrem charakteristischen Achter-Layout bei Fans und Fahrern auf viel Begeisterung. Fließende Kurvenkombinationen, enge Schikanen und Haarnadeln sowie lange Vollgaspassagen sorgen für eine aufregende Mischung.

Fehler verzeiht der Kurs nicht. Im Gegensatz zu den vielen neueren Retortenkursen lauern hier noch echte Kiesbetten jenseits der Kerbs und keine asphaltierten Auslaufzonen in der Größe von Supermarktparkplätzen. Die vielen anspruchsvollen Passagen verlangen von den Fahrern stets volle Konzentration.

In den S-Kurven zu Beginn der Runde muss die Linie bei jedem der sechs Richtungswechsel perfekt passen. Auch die beiden Degner-Kurven (T8 & T9) sorgen traditionell für viel Action und immer wieder für spektakuläre Ausritte. In der schnellen 130R-Kurve bekommen die Piloten dagegen nur noch selten Schweißausbrüche. Dank dem hohen Antriebslevel moderner F1-Autos ist der Vollgas-Knick nicht mehr die große Herausforderung, die er früher einmal war.

Wie vor der Japan-Pause verzichtet die FIA allerdings aus Sicherheitsgründen darauf, die lange Anfahrt zur 130R in eine DRS-Zone zu verwandeln. So dürfen die Piloten den Heckflügel nur auf der Zielgeraden flach stellen. Überholen ist auf dem flüssigen Layout keine einfache Angelegenheit. Neben der ersten Kurve bieten die enge Spoon-Kehre (T11) und die Zielschikane (T16) noch die besten Chancen für eine Attacke.

Fast Facts:

  • Streckenlänge: 5,807 km
  • Rundenanzahl: 53 Runden
  • Gesamtdistanz: 307,771 km
  • Rundenrekord (Rennen): 1:30.983 Min. – Lewis Hamilton (2019)
  • Absoluter Rundenrekord: 1:27.064 Min. – Sebastian Vettel (Q3, 2019)
  • Distanz Pole Position bis T1: 332 Meter
  • DRS-Zonen: 1 (T18-T1)
  • Reifen: C1-C3 (härteste Mischungen)
  • Top-Speed: 315 km/h
  • Safety-Car-Wahrscheinlichkeit (2015-2019): 40 %
Infografik - Pirelli - GP Japan 2022
Pirelli
Wegen der hohen Kurvengeschwindigkeiten bringt Pirelli traditionell die härtesten Mischungen (C1, C2 & C3) mit nach Suzuka.

Das Setup:

Die vielen schnellen Richtungswechsel verlangen Stabilität im Auto und viel Grip vor allem auf der Vorderachse. Untersteuern kostet Vertrauen und beansprucht die Reifen über Gebühr. Zu steil dürfen die Flügel aber auch nicht stehen, um auf den langen Vollgaspassagen nicht zu viel Luftwiderstand zu bieten. In den Freien Trainings müssen Fahrer und Ingenieure den optimalen Kompromiss finden, was mit der neuen Rennwagengeneration nicht so einfach werden dürfte.

Tückisch ist in Suzuka auch immer der Wind, der durch die Nähe zum Meer stets mit einer steifen Brise weht und nicht selten mehrmals am Tag die Richtung wechselt. Für den Motor stellt die Strecke ebenfalls eine überdurchschnittliche Belastung dar. Der Vollgas-Anteil (gemessen auf die Rundendistanz) liegt bei 72 Prozent. Die Bremsen sind durch die vielen flüssigen Passagen und die eher niedrigen Temperaturen dagegen weniger gefordert.

Bei der Abstimmung der Dämpfer gibt es normalerweise keine großen Herausforderungen. Der Asphalt weist traditionell nur wenige Bodenwellen auf. In Kurve 8 wurde seit dem letzten Auftritt der Formel 1 noch ein ganz neuer Belag verlegt. Bis auf die Zielschikane sind die Kerbs flach. Da können die Fahrwerke ordentlich runtergeschraubt werden, was der Aerodynamik zugutekommt. Pirelli bringt wie üblich die härtest möglichen Mischungen nach Japan: C1 bis C3.

Technik-Updates:

Apropos Reifen: Am Freitag wird Pirelli von den Teams neue Prototypen für die kommende Saison 2023 testen lassen. Das zweite Freie Training wird deshalb von 60 auf 90 Minuten verlängert. Der Ort für die Proberunden könnte nicht besser gewählt sein. Suzuka stellt die Reifen neben Silverstone vor die härteste Belastungsprobe des ganzen Jahres.

Ansonsten erwarten wir an der Upgrade-Front nicht viel Neues. Beim zweiten Teil eines Double-Headers halten sich Teams traditionell eher zurück mit Neuteilen. So spät in der Saison liegt der Fokus bei der Entwicklung in allen Fabriken schon voll auf dem nächsten Jahr.

Alfa Romeo hat aber immerhin angekündigt noch einmal den Frontfügel anzupassen. Bei McLaren soll nun auch Daniel Ricciardo in den Genuss des Seitenkasten- und Unterboden-Upgrades kommen, das Lando Norris schon in Singapur ausprobieren durfte.

Valtteri Bottas - GP Japan 2019
Wilhelm
Valtteri Bottas siegte beim letzten GP Japan im Jahr 2019 und half Mercedes beim vorzeitigen Gewinn des Konstrukteurspokals.

Die Favoriten:

Sechs Mal in Folge hat Red Bull nun gewonnen. Der RB18 präsentierte sich dabei als echter Allrounder. Egal ob schnelle Strecken wie Monza oder enge Stadtkurse wie Singapur – immer waren Max Verstappen oder Sergio Perez zur Stelle. Es gibt keinen Grund, warum beim Honda-Heimspiel in Suzuka nicht der siebte Streich folgen sollte.

Ferrari konnte zuletzt nur im Qualifying mithalten. Im Rennen machte den Italienern regelmäßig der erhöhte Reifenverschleiß einen Strich durch die Rechnung. Man darf gespannt sein, ob ausgerechnet auf der reifenmordenenden Strecke in Suzuka Besserung eintritt. Ferrari sollte zumindest stärker aussehen als Mercedes. Flüssig-schnelle Layouts mit unterschiedlichen Kurventypen schmeckten dem Silberpfeil zuletzt nicht besonders.

Im Mittelfeld werden sich wohl wieder Alpine und McLaren um die kleinen WM-Punkte streiten. Zuletzt fuhren die beiden Rivalen um WM-Platz vier auf Augenhöhe. Es wird spannend, wie sich das Singapur-Upgrade von McLaren auf einer normalen Rennstrecke schlägt. Auch in der zweiten Hälfte des Feldes sind Prognosen schwierig. In Suzuka zählt nicht nur maximaler Abtrieb, sondern auch die aerodynamische Effizienz. Das dürfte Alfa Romeo und Alpha Tauri freuen.

Aston Martin und Haas erwarten wir dagegen etwas schwächer als in Singapur. Mick Schumacher muss die anspruchsvolle Strecke in Suzuka zudem erst noch lernen. Genau wie Guanyu Zhou, Nicholas Latifi und Yuki Tusnoda war der Deutsche hier noch nie in einem Formel-1-Auto unterwegs. Der ehemalige Honda-Junior Tsunoda kennt die Strecke aber wenigstens schon aus der japanischen Formel-4-Meisterschaft.

So lief der letzt GP Japan (2019):

2019 machte Mercedes in Suzuka seinen sechsten Konstrukteurspokal in Folge klar. Vor dem Start hatte es allerdings noch nicht nach einer Silberpfeil-Party ausgesehen. In der auf Sonntagvormittag verlegten Qualifikation konnte sich Ferrari beide Plätze in der ersten Reihe sichern. Doch auf den ersten Metern stellten sich beide Scuderia-Piloten direkt selbst ein Bein. Sowohl Sebastian Vettel auf der Pole Position als auch Charles Leclerc neben ihm kamen nicht optimal von der Linie weg.

Valtteri Bottas raste aus Reihe zwei an der roten Wand vorbei. Während sich Vettel zunächst auf Position zwei einreihte, musste sich Leclerc auch noch gegen den außen heranstürmenden Max Verstappen verteidigen. In Kurve 2 rutschte der Ferrari dabei untersteuernd in seinen Gegner, was den Unterboden am Verstappen-Renner beschädigte und zum Ausfall des Holländers führte.

Der Sieg von Valtteri Bottas geriet dagegen nie in Gefahr. Der Finne fuhr sich schon im ersten Stint einen ordentlichen Vorsprung heraus. Ferrari entschied sich früh, Verfolger Vettel auf eine Zweistopp-Strategie zu setzen. Mercedes konterte die Taktik-Attacken jeweils souverän. Hamilton stoppte dahinter ebenfalls zwei Mal, jeweils aber ein gutes Stück nach Vettel. Mit dem Reifenvorteil versuchte der Brite in Schlussrunden noch Platz zwei zu attackieren, doch Vettel verteidigte sich meisterhaft. In der Galerie zeigen wir noch einmal die Highlights des Rennens.

Zeitplan GP Japan:

Das zweite Japan-Training wird wie schon erwähnt wegen der Pirelli-Reifentests um 30 Minuten verlängert. Das Qualifying startet am Samstag um 8.00 Uhr deutscher Zeit, beim Rennen gehen die Lichter der Startampel um 7.00 Uhr aus.

Zeitplan GP Japan 2022

Tag Session Uhrzeit (MEZ)
Freitag, 07.10.2022 1. Training 05.00 - 06.00 Uhr
Freitag, 07.10.2022 2. Training 08.00 - 09.30 Uhr
Samstag, 08.10.2022 3. Training 05.00 - 06.00 Uhr
Samstag, 08.10.2022 Qualifikation ab 08.00 Uhr
Sonntag, 09.10.2022 Rennen ab 07.00 Uhr
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