Vorschau GP Ungarn

Pflichtsieg für Red Bull

Daniel Ricciardo - GP Ungarn 2017 Foto: Wilhelm 63 Bilder

Der Formel-1-Zirkus reist in den Glutofen von Budapest. Auf dem kurvigen Hungaroring zählt Abtrieb mehr als Motorleistung. Für Red Bull ist es die perfekte Gelegenheit, Mercedes und Ferrari mal wieder hinter sich zu lassen. Die Vorschau.

Kurz vor der Sommerpause macht die Formel 1 noch einen kleinen Abstecher in Osteuropa. Der Grand Prix-Klassiker in Budapest steht bereits zum 33. Mal auf dem Programm. Nach den schnellen Strecken in Spielberg, Silverstone und Hockenheim geht es am Hungaroring wieder deutlich kurviger zur Sache. Das sorgt in Sachen Kräfteverhältnis für Extra-Spannung.

Haben Ferrari und Mercedes das Geschehen zuletzt deutlich dominiert, so hofft Red Bull in Ungarn das Kräfteverhältnis wieder zu seinen Gunsten umzukehren. Nach Monaco ist Budapest wohl die beste Gelegenheit für Max Verstappen und Daniel Ricciardo auf die oberste Stufe des Treppchens zu fahren. Doch die Konkurrenz wird den Bullen das Leben sicher nicht leicht machen.

Dabei könnte auch das Wetter wie schon in Hockenheim erneut eine entscheidende Rolle spielen. Die Hitzewelle über Europa hat auch Budapest fest im Griff. Das Thermometer soll tagsüber kaum unter die 30°C-Marke fallen. Doch für den Samstag und den Sonntag warnen die Meteorologen jetzt schon vor Gewitter-Schauern. An den Kommandoständen könnte es also wieder hektisch werden.

Die Strecke – Hungaroring

Der Hungaroring, knapp 20 Kilometer außerhalb von Budapest, bietet bereits seit 1986 regelmäßig eine Bühne für die Formel 1. Die Strecke, mit ihren 14 vorwiegend langsamen und mittelschnellen Richtungswechseln, wird im Uhrzeigersinn absolviert und gehört in Sachen Durchschnittsgeschwindigkeit zu den langsameren Kursen im Kalender. 10 Kurven werden mit weniger als 150 km/h durchfahren.

Überholen ist auf dem anspruchsvollen Kurs äußerst problematisch. Die langgestreckte letzte Kurve vor der Zielgeraden erschwert es dem Vordermann direkt im Windschatten zu folgen. Die beiden DRS-Zonen vor Kurve 1 und vor Kurve 2 helfen nur bedingt. Das Qualifying und ein guter Start sind deshalb besonders wichtig. Mit 618 Metern ist der Weg von der Pole Position zur ersten Kurve einer der längsten im ganzen Jahr. Die linke Seite der Startaufstellung liegt auf der Ideallinie und bietet deshalb deutlich mehr Grip.

Fast Facts:

  • Streckenlänge: 4,381 km
  • Rundenzahl: 70
  • Gesamtdistanz: 306,630 km
  • Rundenrekord (Rennen): 1:19.071 min (M. Schumacher, 2004)
  • Pirelli-Reifen: ultrasoft/soft/medium
  • Top-Speed: 326 km/h
  • Abtriebslevel: hoch
  • Reifenverschleiß: mittel
  • Safety-Car-Wahrscheinlichkeit: 60 Prozent
  • Boxenstopp-Zeit: 16 Sekunden

Setup:

Pirelli - Infografik - GP Ungarn 2018 Foto: Pirelli
Pirelli bringt zum ersten Mal die Mischung Ultrasoft nach Ungarn.

Der geringe Anteil an langen Geraden und die vielen langsamen Kurven wirken sich auch auf das Setup aus. Voller Abtrieb heißt die Parole der Ingenieure. Sowohl der Heck- als auch der Frontflügel werden extrem steil gestellt, damit das Auto stabil auf dem Asphalt klebt. Da der Hungaroring vom Charakter sehr rund und langsam ist, gibt es an die Bremsen und die Reifen keine besonderen Anforderungen. Pirelli bringt mit Ultrasoft, Soft und Medium übrigens die gleichen Mischungen wie in Hockenheim.

Die hohen Temperaturen dürften den Ingenieuren vor allem in puncto Antriebskühlung Kopfzerbrechen bereiten. Mangels langer Geraden ist es nicht so einfach eine dauerhafte Frischluftversorgung für die Aggregate zu gewährleisten. Vor allem im unteren Drehzahlbereich ist viel Leistung gefragt, um gut aus den langsamen Ecken herauszukommen. Auch das Fahrwerk muss etwas weicher abgestimmt werden, um die Traktion zu verbessern, den Untersteuer-Charakter der Strecke zu lindern und die Kerbs glattzubügeln.

Technik-Updates:

Der Zeitpunkt kurz vor der Sommerpause als zweiter Teil eines Doppelpacks mit Hockenheim spricht eigentlich nicht dafür, dass die Teams viele neue Teile im Gepäck haben. Doch weil direkt im Anschluss an das Rennwochenende noch ein zweitägiger Test auf dem Hungaroring angesetzt ist, dürften einige Teams dennoch Upgrades mitbringen.

So hat zum Beispiel McLaren bereits angekündigt, die Experimental-Teile aus dem 3D-Drucker, die in Spielberg erstmals im Training getestet wurden, endlich in der Rennausführung bereitzustellen. Hier handelt es sich um einen Frontflügel, Änderungen am Unterboden und den Leitblechen.

Die letzten Testfahrten während dieser Saison wollen einige Teams zudem dazu nutzen, erste Erkenntnisse für das kommende Jahr zu gewinnen. So hat Force India trotz Geldmangel einen Frontflügel nach dem 2019er Reglement angefertigt, mit dem man auf dem Hungaroring Aerorynamik-Daten sammeln will. Wir sind gespannt, ob diesem Beispiel noch andere Teams folgen werden.

Die Favoriten:

Vor dem Rennen in Monaco konnten wir Ihnen Red Bull noch guten Gewissens als Top-Favoriten verkaufen. Aber seit dem Klassiker im Fürstentum haben Mercedes und Ferrari deutlich größere Fortschritte gemacht. Vor allem in Sachen Motorleistung wurden Ricciardo und Verstappen zuletzt klar abgehängt. Auch wenn der Top-Speed in Ungarn nicht die große Rolle spielt, erwarten wir für Red Bull zumindest keinen Durchmarsch. Vor allem die Qualifying-Schwäche könnte dem RB14 zum Verhängnis werden. Überholen im Rennen ist bekanntlich schwierig.

Auch das Duell Ferrari vs. Mercedes ist schwer vorherzusagen. Die vielen engen Kurven lassen das Pendel eher in Richtung rot ausschlagen. Für Sebastian Vettel ist es wichtig, dass sich der Rückstand auf Titel-Konkurrent Lewis Hamilton vor der Sommerpause nicht noch weiter vergrößert. Nach den Ferien warten mit Spa-Francorchamps und Monza zwei Strecken, auf denen die Silberpfeile in den Vorjahren immer besonders stark auftrumpften.

Im Mittelfeld bietet Ungarn vor allem den PS-schwachen Teams eine Chance. Renault, McLaren und Toro Rosso sollten deutlich besser aussehen als in den letzten Rennen. Für Haas, Force India und Sauber wird es dagegen nicht mehr so leicht, in die Punkte zu fahren. Und selbst Williams zeigte in Hockenheim dank neuem Frontflügel einen Aufwärtstrend, der sich in Budapest fortsetzen dürfte. Wir erwarten, dass sich die Abstände hinter den drei Top-Teams noch einmal spürbar verkleinern.

So lief das Rennen im Vorjahr:

In der vergangenen Saison konnte Sebastian Vettel beim GP Ungarn den größten Pokal abstauben. Aus einem erwarteten Spaziergang vor dem Start entwickelte sich im Laufe des Rennens allerdings eine Zitterpartie für den Heppenheimer. Zu Beginn brausten Vettel und Räikkönen dem Verfolgerfeld noch davon. Doch ab Runde 16 wendete sich das Blatt. Ein nach links stehendes Lenkrad bremste Vettel ein.

Räikkönen schloss auf, kam aber nicht vorbei. Auch Mercedes machte Boden gut. In Runde 46 entschied man sich am Silberpfeil-Kommandostand zu einer Stallregie. Man winkte Hamilton an Bottas vorbei, um Ferrari zu attackieren. Es reichte aber nicht. Deshalb tauschten die beiden Mercedes kurz vor dem Ziel erneut die Plätze. Und Bottas kletterte mit den Ferrari-Fahrern auf das Podest.

Max Verstappen, der in der Startphase seinen Teamkollegen Daniel Ricciardo aus dem Rennen gekickt hatte, wurde trotz Zehn-Sekunden-Strafe Fünfter. Fernando Alonso setzte sich dahinter in einem spannenden Duell gegen Carlos Sainz durch und eroberte den sechsten Rang. Kurz vor Schluss glückte dem Spanier sogar noch die schnellste Rennrunde.

In unserer Galerie zeigen wir noch einmal die Highlights vom GP Ungarn 2017.

Zeitplan GP Ungarn 2018

Sitzung Start (MEZ)
Freies Training 1 1. Training – Fr. 27. Juli – 11.00 Uhr
Freies Training 2 2. Training – Fr. 27. Juli – 15.00 Uhr
Freies Training 3 3. Training – Sa. 28. Juli – 12.00 Uhr
Qualifying Qualifying – Sa. 28. Juli – 15.00 Uhr
Rennen Rennen – So. 29. Juli – 15.10 Uhr
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