BMW M6 GT3 - Startnummer #99 - Rowe Racing - 24h-Rennen Nürburgring 2020 Stefan Baldauf
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Ergebnis 24h-Rennen Nürburgring 2020

20. Sieg im Langstrecken-Klassiker für BMW

Der Rowe-BMW (#99) gewinnt ein verkürztes Rennen auf der Nordschleife. Starkregen zwingt die Rennleitung zu einer Unterbrechung von mehr als neun Stunden in der Nacht. Car Collection-Audi (#3) wird Zweiter vor dem Schnitzer-BMW (#42).

Zehn Jahre musste BMW auf den letzten Sieg beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring warten. Jetzt hat sich der bayerische Autobauer wieder die begehrte Langstreckenkrone gesichert. Das Einsatzteam von Rowe Racing mit dem Quartett Alexander Sims, Nicky Catsburg und Nick Yelloly errang in einem ereignisreichen Rennen den insgesamt 20. Sieg für BMW. Es war ein Erfolg passend zum Jubiläum. Vor 50 Jahren hatte der Münchner Premiumhersteller die erste Ausgabe des 24h-Rennens gewonnen. Für Rowe ist es der erste Triumph überhaupt.

BMW überraschte sich selbst. Am Samstag wirkten die M6 GT3 noch blass, tauchten aber am Sonntag auf, als es zählte. Audi unterlag denkbar knapp. Im Schlussspurt machte es die Mannschaft von Car Collection (Startnummer 3) um Christopher Haase, Markus Winkelhock und Mirko Bortolotti zwar noch einmal richtig spannend, verpasste allerdings den sechsten Audi-Erfolg um 15,4 Sekunden. Den dritten Podestplatz eroberte ein weiterer BMW. Augusto Farfus, Jens Klingmann, Martin Tomcyzk und Sheldon van der Linde lenkten den M6 GT3 von Schnitzer (#42). Eine Strafe von 32 Sekunden wegen Unterschreitung der Mindestboxenstoppzeit hatte das Quartett am Sonntagmittag zwar zurückgeworfen. Doch ein später Fahrfehler von Dries Vanthoor im Phoenix-Audi (#1) brachte ihnen doch noch das Podium.

Wieder einmal machten die deutschen Hersteller den Sieg untereinander aus. Der Octane-Ferrari (#26) glänzte nur am Start. Jonathan Hirschi eroberte vom zweiten Startplatz die Führung, soff aber auf der Nordschleife ab. Schon in den ersten Umläufen wurde er bis auf die 26. Position zurückgereicht. Der Ferrari versank im Niemandsland der Tabelle. Konrad-Lamborghini sah in der Frühphase des Rennens wie ein Podest-Kandidat aus. Bis den Huracán GT3 Evo (#21) ein Defekt am V10-Saugnmotor stoppte. Das Triebwerk leckte Öl.

Neustart - 24h Rennen Nürburgring - Nürburgring-Nordschleife - 27. September 2020
Stefan Baldauf
Das Rennen wurde nach einer Unterbrechung erst um 8 Uhr morgens fortgesetzt.

Rennabbruch am Samstagabend

Dieses 24h-Rennen am Nürburgring wird in Erinnerung bleiben. Einerseits wegen Corona, das den Veranstalter zwang, strenge Hygienevorschriften zu erlassen und nur wenige Fans auf den Tribünen zuzulassen. Andererseits wegen eines chaotischen Rennverlaufs. Ein heftiger Regenguss am späten Samstagabend ließ der Rennleitung keine andere Wahl, als den Marathon zu unterbrechen. Starkregen prasselte die ganze Nacht auf die Nürburgring-Nordschleife ein, weshalb die Motoren bis 8 Uhr morgens ruhten. Bis das Wasser ausreichend abgelaufen war, um ein sicheres Fortfahren zu garantieren. So schrumpfte die Nettofahrzeit um knapp neuneinhalb Stunden.

Statt der üblichen mehr als 200.000 Fans zählte der Nürburgring nur 8.500 Zuschauer an den Veranstaltungstagen. Die fehlenden Ticketeinnahmen kompensierte ein breiter Sponsoren-Pool. Ohne den hätte es das berühmte Langstreckenrennen auf der Nürburgring-Nordschleife in diesem Jahr nicht gegeben. Immerhin verpassten die wenigen Zuschauer nichts. Sie mussten die Tribüne um 23 Uhr verlassen und durften erst um 8 Uhr wieder drauf. In dieser Zeit gab es keine Action.

Das Rennen erinnerte an alte Zeiten, als die 24 Stunden mehr Überlebenskampf als ein Sprint über die Langstrecke war. Fahrfehler, Strategiepannen, Zeitstrafen: Praktisch jeder hatte Leid zu klagen. Audi und BMW hielten die Fehlerquote im Verhältnis am geringsten und balgten sich deshalb am Sonntagnachmittag um die Langstreckenkrone. Mit dem besseren Ausgang für BMW. Die Entscheidung brachte ein letzter Regenschauer rund 100 Minuten vor Rennende. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Car Collection-Audi von Bortolotti, Haase und Winkelhock geführt, die sich die Last nach dem kurzfristigen Ausfall von Robin Frijns (Grippe) teilten.

Car Collection verpasste es, Haase direkt in die Box zu beordern, um von Slicks auf Regenreifen zu wechseln. Deshalb schlich der 33-jährige Haase noch eine ganze Runde mit den Trockenreifen über die 25,378 Kilometer. Rowe-BMW hatte richtig reagiert, und sofort auf Regenreifen umgesteckt. Ein Rückstand von mehr als zehn Sekunden wandelte sich in einen Vorsprung von 50 Sekunden.

Auf einer wieder nassen Nürburgring-Nordschleife verkürzte Haase, der sich fünf Stunden vor Rennende einen kostspieligen Ausrutscher in Aremberg geleistet hatte, innerhalb weniger Runden um über eine halbe Minute. Spannung vor dem letzten Boxenstopp: Car Collection stoppte eine Ruhe später, was in der Theorie eine kürzere Standzeit bedeutete. Trotzdem behielt Rowe-Racing die Oberhand.

Mercedes-AMG GT3 - Startnummer 9 - 24h Rennen Nürburgring - Nürburgring-Nordschleife - 26. September 2020
Stefan Baldauf
AMG verlor am Samstagabend die in Führung liegenden Autos von GetSpeed (#9) und HRT (#4).

AMG verliert Doppelführung

Die Experten diskutierten nicht wie üblich über die Balance of Performance, sondern vielmehr über Reifentemperaturen und Luftdrücke. Im Regen zählen nicht etwa zehn Kilogramm mehr oder weniger, ein kleinerer Restriktor oder etwas mehr Ladedruck, sondern Fahrgefühl, Wohlfühlfaktor mit Reifen und Auto, Risikobereitschaft und die richtigen Entscheidungen. Die Kombination aus Nässe und tiefen Temperaturen machte das Rennen zu einem Ratespiel, wo die Strecke tatsächlich wieviel Haftung bietet. Die Fahrer berichteten, der Untergrund fühle sich teilweise an wie Glatteis.

Knapp fünf Stunden lang war es eine Show von Mercedes. Raffaele Marciello im Getspeed-Auto (#9) und Maro Engel im HRT-Mercedes (#4) sicherten der Marke mit dem Stern gleich in der ersten Runde eine Doppelführung. Der AMG GT3 funktionierte bei mehr Wasser auf dem Asphalt besser als die Konkurrenz-Produkte von Audi, BMW und Porsche.

Die beiden Mercedes dominierten, bis um 20:22 Uhr die erste Hiobsbotschaft eintraf. Manuel Metzger entglitt der AMG GT3 mit der Startnummer 4 ausgangs des kleines Karussell und landete in der Leitplanke. Damit war eine Führung von fast einer Minute dahin. Eineinhalb Stunden später riss es den zweiten Mercedes aus der Vergabe um den Sieg. Marciello, der anfangs brilliert hatte, stürzte gleich zwei Mal ins Unglück. Erst drehte sich der Italiener im Adenauer Forst, und in derselben Runde schlug sein GetSpeed-Mercedes frontal in die Leitplanke von Kallenhard ein.

Zwar nutzte das Team die Zwangspause nach der roten Flagge, um den Rennwagen in einer ausgedehnten Nachtschicht wiederherzurichten, doch bei der Vergabe um den Gesamtsieg war man raus. Zu allem Überfluss versenkte Fabian Schiller das Auto rund zweieinhalb Stunden vor Rennende im Hatzenbach-Geschlängel. Mercedes war schnell, stürzte aber tief. Nach dem Doppelausfall belegte der beste AMG den achten Platz. Die Aufholjagd des HRT-Mercedes mit der Startnummer 6 war am frühen Sonntagvormittag nach einem Verlust eines Reifens beendet.

Porsche 911 GT3 R - Frikadelli Racing - Startnummer #31 - 24h Rennen Nürburgring - Nürburgring-Nordschleife - 27. September 2020
Stefan Baldauf
Porsche erlebte nach Le Mans das nächste schwere Langstreckenrennen. Für Frikadelli (#31) sprang der sechste Platz heraus.

Schwere Woche für Porsche

Die Unterbrechung machte die ersten sieben vorherigen Stunden zur Makulatur. Die Uhren wurden auf null gestellt. Audi nahm die ersten drei Positionen ein, doch der Vorsprung war verdampft. Der später siegreiche Rowe-BMW (#99) lag vor der Rotphase bereits zwei Minuten zurück. Es brauchte auch Glück, um dieses 24h-Rennen zu gewinnen. Beim Restart auf einer doch noch sehr nassen Strecke stritten sich Phoenix (#1), Car Collection (#3) und Land-Audi (#29) um die Vormachtstellung.

Doch je stärker es abtrocknete, desto mehr trumpfte BMW auf. Der M6 GT3 harmonierte besser mit den sogenannten "Drying-Wets", eine Mischung für Mischverhältnisse. Auch auf einer später für rund zwei Stunden trockenen Rennstrecke legte vor allem der Rowe-BMW ein starkes Tempo auf die Bahn. Hinten heraus rettete man den Sieg trotz wiedereinsetzendem Regen. Das zweite Rowe-Auto (#98) sah die Zielflagge als Vierter vor dem Titelverteidger-Audi (#1) von Phoenix Racing.

Porsche durchlebte eine schwere Woche. Erst die drei Corona-Fälle in Le Mans, die sich im Nachhinein als Fehlalarm herausstellten. Nachtests unter der Woche ergaben negative Corona-Befunde. Da waren acht Werksfahrer bereits aussortiert, und die werksunterstützten Autos neu besetzt. Dann ein im Verhältnis zu langsamer Elfer und zu viele Pannen. Einzig Dennis Olsen, der auf beiden 911 GT3 R von KCMG startete, hatte phasenweise das Tempo der Spitze – vor allem auf sehr nassem und glittschigen Untergrund. Ausrutscher, Zeitstrafen, fehlendes Tempo: Der beste Porsche erreichte das Ziel nur als Sechster. Es war der Frikadelli-Elfer mit der Startnummer 31.

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