Elektroauto E.Go Life

Ab sofort wird ausgeliefert

e.Go Life Fahrbericht 2018 Vorserie Foto: e.Go

Die E.Go Mobile AG hatte auf der CeBIT in Hannover 2017 das Elektroauto E.Go Life vorgestellt. Der Kleinwagen kostet ab 15.900 Euro. Die Auslieferungen wurden mehrfach verschoben, sind aber jetzt angelaufen.

Die aus einem Forschungsprojekt der Hochschule RWTH Aachen hervorgegangene e.Go Mobile AG will mit dem e.Go Life die Elektromobilität voranbringen – und zwar über den Faktor Preis. Der e.Go Life kostet nämlich selbst mit der größten Batterie (23,9 kWh) noch unter 20.000 Euro. Natürlich ist er prämienfähig. Die E-Auto-Prämie beträgt derzeit bis zu 4.000 Euro. Damit kostet der Elektrozwerg mit der kleinsten Batterie (14,9 kWh, 27 PS) unter dem Strich nur 11.900 Euro.

Dieselskandal bremst E-Auto

Die Auslieferungen startete nicht wie geplant im Herbst 2018, sondern wurde auf Mai 2019 verschoben, wie aus einem Kundenanschreiben von e.Go hervorgeht. Unternehmenschef Günther Schuh nannte in einer Mitteilung an die Vorbesteller des Autos Probleme mit den Zulieferern als Grund. Einer von ihnen sei verkauft worden und andere hätten inzwischen, ausgelöst durch den Dieselskandal, neue Freigaberegeln. Sie würden nun nicht mehr nur ihre Teile zertifizieren und an die Autohersteller liefern, die damit dann nach eigenen Vorstellungen verfahren, sondern noch einmal intensiv das Endprodukt begutachten, um sicherzustellen, dass mit ihren Teilen ordnungsgemäß verfahren werde. Dies soll im April 2019 geschehen.

Wer bereits ein Auto reserviert hat, kann dies stornieren und erhält seine Anzahlung von 1.000 Euro zurück. Wer weiter wartet, kann mit einer Auslieferung zwischen Mai und September 2019 rechnen. Die ersten Kundenfahrzeuge wurden am 9. Mai 2019 übergeben. Sie gingen an Armin Laschet, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, Marcel Philipp, Oberbürgermeister der Stadt Aachen, sowie der Rektor der RWTH Aachen Ulrich Rüdiger.

Neukunden sollen dann später bedient werden. Einzelne Funktionen der ab Mai ausgelieferten Fahrzeuge werden erst ab August 2019 von den Zulieferern freigeschaltet. Ohne diese Funktionen erhält e.Go zunächst nur eine Kleinserienzulassung für 1.000 e.GO Life.

Da bislang über 850 Bewerbungen für die e.GO Life First Edition vorliegen, werden bis Ende Juli 1.000 Fahrzeuge als e.GO Life First Edition produziert und bis August 2019 ausgeliefert. Diese werden bis September 2019 auf 53 kW statt wie angekündigt auf 20 kW Leistung gedrosselt. Ab September bis Ende 2019 will e.Go dann alle Vorbesteller bis zur Vorbestellungsnummer 4.300 beliefern, sofern diese einen e.GO Life 20 oder einen e.GO Life 60 konfiguriert haben. Der e.GO Life 40 wird erst ab 2020 ausgeliefert.

E.Go Life Fahrbericht E.Go Life 60 im Fahrbericht So gut fährt das günstigste E-Auto

Drei Motorvarianten mit bis zu 60 kW Leistung

Die Elektromotoren kommen von Bosch und wurden von 48 auf 230 Volt umgestellt. Die neue Basisversion mit 20 kW soll eine Real-Reichweite von 104 Kilometer schaffen. Die 40-kW-Variante wird mit 114 Kilometer Reichweite angegeben und die 60-kW-Version mit 154 km. Das neue Powermodell soll in 3,2 Sekunden auf 50 und in 8,6 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen. Die Höchstgeschwindigkeit klettert auf 152 km/h. Die kleineren Versionen lassen es bei 121 km/h bzw. 142 km/h bewenden. Die mittlere Leistungsvariante ist mit 17.400 Euro eingepreist. Das Power-Modell soll ab 19.900 Euro zu haben sein.

Die Batteriekapazitäten werden 14,9 kWh, 17,9 kWh und 23,9 kWh betragen. Die Ladezeiten an 230 Volt werden mit sechs bis knapp 10 Stunden angegeben. An einem Schnelllader sollen sie auf 3 bis rund 4,5 Stunden sinken. Das Leergewicht mit Batterie soll zwischen 880 und 950 kg liegen.

Download Preisliste E.GO Life (PDF, 0,54 MByte) Kostenlos

Anlassermotoren an der Hinterachse

Der e.Go Life kommt als Zweitürer mit einer 2+2-Sitzkonfiguration. Er misst in der Länge 3,35 Meter, in der Breite 1,70 Meter und in der Höhe 1,57 Meter. Das Design wirkt wie eine Mischung aus glattgelutschtem VW Lupo und VW Up. Ohne Batterien sollte das Leergewicht ursprünglich bei 650 kg liegen. Für den Life waren waren anfangs übrigens zwei Elektromotoren an der Hinterachse vorgesehen. Dabei sollte es sich um herkömmliche Anlassermotoren handeln, wie sie beispielsweise in Hybridmodellen verbaut werden.

e.Go Life Foto: e.GO Mobile AG
Den 22 kW starken Elektroantriebsstrang liefert Bosch. Er besteht aus zwei Elektromotoren an der Hinterachse.

Den Bau der Produktionsstätte für die Serienfertigung des E.Go Life im Triwo-Technopark in Aachen unterstützte das Land Nordrhein-Westfalen mit rund 3,6 Millionen Euro – insgesamt liegt die Investionssumme der Triwo AG bei 25,7 Millionen Euro. Deren Gebäude wird dann an die E.Go Mobile AG vermietet. Insgesamt umfasst das Fertigungsgelände 16.000 Quardatmeter, jährlich sollten dort 10.000 Fahrzeuge entstehen. Jetzt wird verdoppelt (siehe Interview).

Interview mit E.Go Life-Chef Günther Schuh

Günther Schuh lehrt Produktionstechnik an der RWTH Aachen, der führenden Ingenieurschmiede in Deutschland. Außerdem ist er Chef der e.Go Mobil AG, seiner inzwischen zweiten Autofirma.

Was macht den E.Go so günstig?

Schuh: Das beginnt mit dem Grundkonzept. Wir wollten ein Stadtauto bauen. Also genügen rund 100 Kilometer Reichweite und geringe Geschwindigkeiten. Deshalb reichen Anlassermotoren, die den E.GO bis Tempo 50 so schnell beschleunigen wie jedes andere Auto auch und maximal 100 km/h schaffen. Im Vergleich zum Elektromotor im i3 sind sie sehr günstig. Gleichzeitig aber auch so sparsam, dass wir auch mit einer kleinen Batterie auskommen – das wiederum spart Gewicht. Der Rahmen besteht aus einfachen Vierkant-Aluprofilen. Und wir haben alles weggelassen, was man nicht braucht. Das gilt nicht nur für das Auto selbst. Auch bei der Produktion gehen wir neue Wege.

Was machen Sie anders als ein Autohersteller?

Schuh: Wir verzichten zum Beispiel auf ein Presswerk, das allein eine Investition von rund 120 Millionen Euro darstellt. Unsere Karosserie produziert ein Kofferhersteller, der hochwertigste Thermoplastmaterialien benutzt. Diese sind elastischer als Metall und verdauen sogar einen Parkrempler. Und sie erlauben uns, auch auf die teure Lackierstraße zu verzichten.

Thermoplast erinnert an den Trabant …

Schuh: Heutige Thermoplastteile sehen unglaublich gut aus. Ein Autohersteller muss fünf Klarlackschichten auftragen, um unsere Brillanz zu erreichen. Und da die durchgefärbten Bauteile angeschraubt oder angeklebt werden, ist auch eine Reparatur viel einfacher und günstiger.

Es heißt überall, die Kunden seien noch nicht reif für E-Autos.

Schuh: Die Hauptfehleinschätzung liegt darin, dass die Autohersteller meinen, der Markt nehme Elektroautos zum Beispiel wegen fehlender Reichweite noch nicht an, am Preis liege es nicht. Da bin ich ganz anderer Meinung: Es liegt am Preis. Viele Nutzer würden eher eine eingeschränkte Reichweite akzeptieren als einen hohen Preis. Wenn ich ein reichweitenbeschränktes Auto anbieten will, dann muss eben der Preis stimmen!

Wollen Sie die Autoindustrie ärgern?

Schuh: Nein, wir sind keine Besserwisser. Wir wollen aber mal aufzeigen, wie man ein günstiges Elektroauto bauen kann, das sich auch ein Privatkunde leisten kann. Wir hoffen im Gegenteil, dass die Hersteller unsere Ideen übernehmen.

Wer sind die Geldgeber für das E.Go-Projekt?

Schuh: Wir verfügen natürlich über Kapital aus dem Verkauf von Street Scooter an die Post. Zudem haben wir strategische Investoren aus der Autoindustrie – aber keine Autohersteller. Diese wollten zwar auch bei uns einsteigen, aber da wäre uns die Gefahr zu groß, dass sie uns beeinflussen wollen.

Und wie kommt der e.Go bisher an?

Schuh: Die Resonanz ist überwältigend: 814 Bestellungen von Privatkunden in zweieinhalb Monaten sind mehr, als wir erwartet haben. Das zeigt: Auch Privatkunden greifen zu, wenn der Preis stimmt. Hinzu kommen Städte, Behörden, Pflegedienste und Logistiker, die sich für das Auto interessieren. Die Polizei in Aachen wird einige Autos im Verwaltungsbereich testen, vielleicht auch die Bundeswehr. Die Nachfrage der Flottenkunden ist auch viel größer als erwartet. Wir haben bereits die geplante Anlaufproduktion 2018 verkauft und versuchen jetzt, die Kapazität auf 1.800 Autos zu erhöhen.

Welche Kapazität hat Ihre Fabrik?

Schuh: Ursprünglich hatten wir für 2019, das erste volle Produktionsjahr, den Bau von 10.000 Autos geplant. Jetzt ziehen wir die Einführung einer zweiten Schicht in der Produktion vor. Wir werden sie Ende Mai 2019 einführen und kommen dann auf eine Jahresproduktion von 20.000 Autos.

04/2018 e.GO Parkhaus Foto: e.GO
Mit den selbstparkenden Kleinwagen will E.Go mehr Autos auf bestehenden Flächen unterbringen. Klar, es besteht kein Platzbedarf zum Ein- und Aussteigen.

Der e.Go Life wird autonom parken können

Auch an Funktionen für das autonome Fahren forscht e.Go. Zusammen mit dem Kooperationspartner Bosch startet das Unternehmen am eigenen Standort in Aachen das Projekt „Automated Valet Parking“.

Zwölf e.Go-Autos sollen so umgerüstet werden, dass sie an der Einfahrt eines Parkhauses in Aachen einfach abgestellt werden. Die Suche einer freien Lücke übernimmt das Auto selber. Außerdem fährt es, wenn es wieder benötigt wird, selber aus dem Parkhaus heraus.

Die Technologie dafür wird von e.Go-Mitarbeitern getestet werden, soll aber in absehbarer Zeit auch für Kundenfahrzeuge zur Verfügung stehen.

„Parkhäuser sind das Revier eines kompakten, wendigen Stadtautos wie dem E.GO Life. Mit dem Automated Valet Parking können wir noch mehr erreichen – nämlich bis zu 50 Prozent mehr Fahrzeuge in einem existierenden Parkhaus unterbringen. Für die Technik-Option im e.Go Life müssen die Kunden nur einen minimalen Aufpreis zahlen“, sagt Prof. Dr. Günther Schuh.

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