S-Klasse-Facelift: Mercedes schafft das größte Ärgernis ab

Neue Mercedes S-Klasse mit 5 spannenden Features
Mercedes schafft das größte S-Klasse-Ärgernis ab

ArtikeldatumVeröffentlicht am 02.02.2026
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Wenn Mercedes ein großes Facelift zur Mitte des Modellzyklus durchführt, dann kann das schon mal ausarten. Wir erinnern uns an die Modellpflege bei der E-Klasse W 211 im Jahr 2006, als die stets problembehaftete SBC-Bremse rausflog und stattdessen die erste Generation des Pre-Safe-Sicherheitssystems einzog. Insgesamt über 2.000 neue Bauteile soll das Modell damals erhalten haben. Wohl noch umfangreicher fiel die Überarbeitung der Nachfolgegeneration aus. Sie bescherte dem W 212 einen komplett neuen Vorderwagen mit viel modernerem Design und soll dem Vernehmen nach in der Entwicklung etwa eine Milliarde Euro gekostet haben.

Ähnlich intensiv ist Mercedes nun bei der S-Klasse vorgegangen. Zur Feier des großen Jubiläums "140 Jahre Benz Patent-Motorwagen" gönnt der Hersteller seinem Flaggschiff ein Facelift, das der Baureihe etwa 2.700 Neuteile beschert. Bedeutet: Mehr als die Hälfte der S-Klasse ist neu. Über die bedeutendsten Änderungen wie die überarbeiteten Motoren (samt V8-Neuzugang), Design-Änderungen, Supercomputer sowie Upgrades beim Fahrwerk und bei der Fahrassistenz berichtet unsere große Neuvorstellung. Doch es gibt auch einige eher kleine geänderte Details, die im Autoalltag vielleicht sogar noch stärker wahrnehmbar sind. Fünf von ihnen stellen wir hier vor.

Lenkradwalzen statt kapazitiver Tasten

Mercedes war einst einer der Mitbegründer eines zweifelhaften Trends: Im Cockpit wurden überall berührungsempfindliche Flächen verteilt, um einzelne Funktionen zu bedienen. Mit diesen kapazitiven Tasten konnte man beispielsweise die Lautstärke der Musikausgabe verstellen oder durch die Untermenüs des Bordcomputers oder Infotainment-Systems shutteln. Das Problem: Aufgrund mangelnden haptischen Feedbacks kommt es mit dieser Art von Bedienelementen immer wieder zu Fehleingaben. Und damit zu Ablenkungs-Szenarien; dabei sollten die kapazitiven Touch-Felder diese eigentlich minimieren.

Diesen von vielen Fahrerinnen und Fahrern als Ärgernis (nicht nur bei Mercedes, sondern beispielsweise auch bei VW) wahrgenommenen Fehler behebt Mercedes beim S-Klasse-Facelift – zumindest teilweise. Am Lenkrad kehren die klassischen Walzen zurück, die eine klar spürbare Rückmeldung geben, wenn die Lautstärke um eine Stufe verstellt oder das nächste Bordcomputer-Menü aufgerufen wird. Im Zentrum des Cockpits bleibt es dagegen beim berührungssensiblen Lautstärkefeld – aber damit darf sich vornehmlich die Beifahrerin oder der Beifahrer herumärgern.

Superscreen statt MBUX-Touchscreen

Okay, die S-Klasse mag vor ihrem Facelift bereits über bis zu fünf Bildschirme und ein Head-up-Display verfügt haben, dessen Anzeigefläche einem Monitor mit einer Diagonalen von 77 Zoll entsprach. Doch mit Bildschirmgrößen von 12,3 Zoll (Fahrer- und Beifahrer-Informations-Display) und 12,8 Zoll (zentraler Touchscreen) wirkt das Cockpit des großen Mercedes nach gut fünf Jahren Bauzeit bereits etwas antiquiert. Selbst das hauseigene Elektro-Pendant EQS kommt hier mit einem moderneren Erscheinungsbild daher. Seine Bildschirme verlaufen optisch ineinander und der zentrale Bereich ist 17,7 Zoll groß.

Man kann vom derzeit um sich greifenden Bildschirm-Größenwahn halten, was man möchte. Doch wer hier nicht mithält (gerade in der Luxusklasse), wird schnell abgehängt – insbesondere auf dem sehr wichtigen chinesischen Markt mit seinen als besonders technikaffin geltenden Kundinnen und Kunden. Insofern ist es sicher der richtige Schritt, dass die S-Klasse serienmäßig den MBUX-Superscreen erhält. Doch hier zeigen sich auch die Grenzen, die ein Facelift setzt: Die Monitore im Zentrum und auf der Beifahrerseite nehmen nun zwar Kontakt zueinander auf, aber noch immer trennt sie ein schmaler Steg voneinander. Das Fahrer-Informations-Display ist sogar komplett abgetrennt. Was dazu führt, dass der neue GLC mit seinem fast einen Meter breiten MBUX-Hyperscreen in dieser Hinsicht weiterhin ein Stück vorauseilt. Aber der Ein-Meter-Riesen-Bildschirm war in die S-Klasse wohl nicht ohne Weiteres zu integrieren.

Sternleuchten statt normaler Scheinwerfer

Bereits vor dem Facelift war der W 223 ein vergleichsweise eleganter Vertreter der vielen S-Klasse-Modellgenerationen – und klar als großer Mercedes zu erkennen. Die neuen Leuchten mit Sternmotiv an beiden Enden des Fahrzeugs heben die Identifikation des Modells – und womöglich auch jene der Besitzerinnen und Besitzer mit ihrem Auto – nun auf ein neues Level. Endlich lässt sich der Top-Mercedes auch bei Dunkelheit auf den ersten Blick erkennen. Vor allem dann, wenn er auf der linken Autobahnspur davoneilt. Allerdings erscheinen die Heckleuchten mit den Sternentrio einen Tick überfrachtet. Zwei pro Seite hätten vielleicht auch gereicht. Aber so viele hat ja schon die E-Klasse – und der Respektabstand muss schließlich gewahrt bleiben.

Fond-Monitore mit Kameras statt Standard-Monitore

In einer S-Klasse fahren nicht nur, aber überdurchschnittlich viele wichtige Leute – die wichtigsten von ihnen sitzen hinten und lassen sich chauffieren. Wer wichtig ist, kann hier nicht einfach die Zeit vertrödeln und sich von Musik- oder Video-Streaming berieseln lassen. Stattdessen wird die Zeit zum Arbeiten und für Konferenzen genutzt.

In Letzteren müssen wichtige Personen Präsenz zeigen, weshalb für sie eine Neuerung besonders zentral sein dürfte: Die 33,3-Zoll-Displays an den Rückseiten der Vordersitze verfügen nun über HD-Kameras, die das Antlitz des Chefs oder der Chefin gestochen scharf auf die Displays der Mitarbeitenden zaubert. Besonders chefig ist so ein Microsoft-Teams- oder Zoom-Call aus Sicht des oder der Chauffierten natürlich erst dann, wenn die optionalen elektrisch verstellbaren Lounge-Sessel um bis zu 37 Grad nach hinten geneigt, die Beine hochgelegt und die Massage-Funktion aktiviert werden.

Beheizte statt normaler Sicherheitsgurte

In einem Punkt haben die vorderen gegenüber den hinteren S-Klasse-Insassen jedoch einen Vorteil: Sie können den Komfort der neuen beheizbaren Sicherheitsgurte genießen. Diese erreichen bis zu 40 Grad und sollen auf diese Weise für einen angenehm warmen Schleier am Oberkörper sorgen – selbst bei sehr kalten Temperaturen. Hinten sind die Gurte nicht beheizt, weil sie stattdessen Airbags beinhalten. Und beide Technologien lassen sich nach aktuellem Stand der Technik noch nicht kombinieren.

Gilt also die Losung: vorn komfortabler, dafür hinten sicherer? Nun ja, nicht ganz. Die beheizten Gurte sollen ebenfalls ein Sicherheitsplus darstellen, da sie die Personen in der ersten Reihe dazu animieren sollen, auch bei kalten Temperaturen ohne dicke Jacke zu fahren, was im Falle eines Unfalls ein Verletzungsrisiko birgt.

Fazit