Drag Racing lebt im Prinzip von zwei Dingen: extremen Beschleunigungswerten und oft dem brachialen Lärm hochgezüchteter V8-Motoren. Entscheidend ist dabei vor allem die Zeit über die Viertelmeile – nicht die reine Höchstgeschwindigkeit. Doch auch auf der traditionsreichen Distanz bleiben Veränderungen nicht aus, und diese hier ist erstaunlich leise. Ford stellt eine neue Generation des elektrischen Mustang Cobra Jet vor und zeigt damit, dass extreme Beschleunigung längst nicht mehr zwingend mit maximaler Geräuschkulisse einhergehen muss.
Beim NHRA-Event auf dem zMAX Dragway im amerikanischen Charlotte in North Carolina trat der Elektro-Dragster Mustang Cobra Jet 2200 jetzt erstmals vor großem Publikum an und lieferte sofort ab: 6,76 Sekunden für die Viertelmeile, dazu eine Höchstgeschwindigkeit von 222 mph (rund 357 km/h). Damit zählt der Cobra Jet 2200 aktuell zu den schnellsten Elektrofahrzeugen über die Viertelmeile.
Vom Versuchsträger zum Geschwindigkeitsjäger
Der Name Cobra Jet hat bei Ford eine lange Tradition: Seit den späten 1960er-Jahren steht er für kompromisslose Drag-Racing-Mustangs mit großvolumigen V8-Motoren. Auch die Neuauflagen ab 2008 blieben diesem Konzept treu. Erst 2020 wagte sich der Hersteller mit dem Cobra Jet 1400 an eine elektrische Variante, gefolgt vom 1800. Beide Programme dienten vor allem dazu, grundlegende Fragen rund um elektrische Hochleistungsantriebe im Drag Racing zu klären.
Mit dem 2200 entwickelt Ford das Konzept nun gezielt weiter. Die Leistung steigt auf 2.200 hp ( etwa 2.230 PS), gleichzeitig wird die Architektur vereinfacht. Statt auf mehrere Antriebseinheiten setzt Ford auf zwei Elektromotoren, die jeweils von einem eigenen Inverter versorgt werden. Diese Leistungselektronik erreicht Wirkungsgrade von über 98 Prozent.
Elektroauto mit manueller 5-Gang-Schaltung
Parallel zur Leistungssteigerung hat Ford das Gewicht deutlich reduziert. Im Vergleich zum Vorgänger ist der 2200 rund 400 Kilogramm leichter. Möglich wird das durch ein Rohrrahmen-Chassis, eine Karosserie aus Carbon sowie zahlreiche Detailoptimierungen.
Ungewöhnlich für ein Elektrofahrzeug ist zudem das manuell und ohne Kupplung geschaltete Fünfgang-Getriebe. Die Elektromotoren liefern ihre maximale Leistung nicht über das gesamte Drehzahlband hinweg. Durch die Gangwechsel bleibt der Antrieb im optimalen Arbeitsbereich, was eine gleichmäßigere und effektivere Beschleunigung über die gesamte Strecke ermöglicht. Laut Ford ergibt sich daraus ein Vorteil gegenüber klassischen Ein-Gang-Konzepten. Da es keine klassische Kupplung gibt, muss der Fahrer nur die Gänge durchreißen.
Noch ungewöhnlicher ist der Einsatz einer Fliehkraftkupplung. Die sogenannte Reverse-Acting Centrifugal Clutch (RACC) spielt eine zentrale Rolle beim Start und während der Schaltvorgänge. Sie sorgt dafür, dass das hohe Drehmoment kontrolliert an die Hinterräder abgegeben wird – ihre vornehmliche Aufgabe ist es, die gewaltigen Drehmomentspitzen beim Anfahren und Schalten abzufedern.
Variable Batteriearchitektur für maximale Traktion
Auch beim Energiespeicher geht Ford eigene Wege. Der Cobra Jet 2200 nutzt mehrere Batteriepakete: ein großes Modul im Unterboden, zusätzliche Einheiten im Heck sowie optional weitere im Frontbereich. Dadurch lässt sich die Gewichtsverteilung je nach Streckenbedingungen gezielt anpassen – ein entscheidender Faktor für die Traktion. Insgesamt speichern die Akku-Module bis zu 32 kWh, ein kompletter Ladezyklus dauert rund 20 Minuten. Das System arbeitet auf Basis einer 900-Volt-Architektur.







