Trackday Checkliste Aufmacher Collage BMW / Pexels / Patrick Lang
Opel Corsa OPC - Nordschleife - Sportfahrer-Training
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Checkliste: Das müssen Sie über Trackdays wissen

Das müssen Sie über Trackdays wissen Die große Trackday-Checkliste

Auch als Privatperson kann man auf der Rennstrecke Spaß haben. Hier erfahren Sie, wie man sich beim Trackday nicht unbeliebt macht.

Öffentliche Straßen sind kein geeigneter Ort, um sportliche Autos am Limit zu bewegen. Das wäre nicht nur leichtsinnig und gefährlich, sondern üblicherweise auch außerhalb der Straßenverkehrsordnung. Wie gut, dass es dafür Rennstrecken gibt. Hier gehört der Geruch von verbranntem Gummi, Öl und Benzin nämlich hin. Noch besser, dass es außerdem Trackdays gibt, die es Privatpersonen erlauben, auf echten Rennstrecken ein paar heiße Runden zu drehen. Um das Fahren im Grenzbereich zu trainieren, die Ideallinie zu finden oder einfach nur um Spaß zu haben – ganz egal. Ein paar Dinge gilt es allerdings zu beachten – welche das sind, erfahren Sie hier.

Perfektionstraining, Nürburgring, Nordschleife, spa1018
Rossen Gargolov
Trackdays werden von Herstellern wie Porsche, aber auch von Vereinen und Rennstreckenbetreibern angeboten. Auch auto motor und sport, sowie sport auto bieten Trainings und Trackdays an.

Wo buche ich einen Trackday?

Jede Rennstrecke hat üblicherweise eine eigene Website, auf der es auch einen Veranstaltungskalender gibt. Dort sind die Trackdays eingetragen, die entweder vom Rennstreckenbetreiber selbst, von Autoherstellern oder Vereinen durchgeführt werden. Die Ausgestaltung ist dabei unterschiedlich. Es gibt sowohl freie Fahrten als auch gezielte Trainings oder geführte Runden mit einem Instruktor. Ein Sicherheitsbriefing im Vorfeld gehört aber in jedem Fall dazu. Dort lernen Sie beispielsweise die Bedeutung der unterschiedlichen Flaggen kennen oder werden auf besonders heikle Streckenabschnitte hingewiesen. Ein Trackday ist übrigens nicht zu verwechseln mit einer Touristenfahrt. Letztere ist offen für jedermann und jedes Fahrzeug. Mit Rennsport hat das nur sehr entfernt zu tun. Eine große Auswahl an Trainings und Trackdays bieten übrigens auch auto motor und sport sowie das Schwestermagazin sport auto. Die Angebote finden Sie HIER.

Kostet es Geld?

Natürlich gibt es die Zeit auf der Strecke nicht geschenkt und auch die Veranstalter und Instruktoren müssen von etwas mehr leben als oktangeschwängerter Luft. Die Preise fallen dabei unterschiedlich aus und richten sich nach dem Umfang des gebuchten Trackdays. Mit Gebühren zwischen 450 und 1.500 Euro müssen Sie rechnen. Dazu kommen die Kosten für Benzin und Verschleißteile. Um nochmal den Vergleich zu einer Touristenfahrt zu ziehen: Die kostet beispielsweise auf der Nordschleife nur 30 Euro pro Runde. Damit sollte auch der anders gelagerte Anspruch deutlich werden.

Nürburgring, Kurvenfahrt
Archiv
Bei einer Touristenfahrt tummeln sich allerlei Fahrzeuge auf der Strecke. Mit Motorsport hat das nicht wirklich etwas zu tun und ist auch nicht zu verwechseln mit einem Trackday.

Welche Strecke eignet sich für Anfänger?

Generell ist von Rennstrecken mit komplizierter Topographie für den Start abzuraten. Liegen schwierige Kurven uneinsichtig hinter einer Kuppe, braucht es Erfahrung um Brems- und Einlenkpunkte auch blind sicher zu treffen. Generell empfiehlt sich zum Einstieg also ein ebener Kurs, der gut einsehbar ist und zudem über breite Auslaufzonen verfügt, falls doch mal etwas schief geht. Die Nordschleife ist daher für Anfänger kritisch, denn ruckzuck hängt man in der Leitplanke. Kollege Stefan Helmreich aus der sport auto-Redaktion empfiehlt die Strecke in Oschersleben: "Die hat nur eine Mut-Kurve und viele 180-Grad-Kehren in denen man das Anbremsen üben und seine Linie finden kann. Hockenheim zum Beispiel ist zwar auch flach, aber dafür ziemlich schnell und deshalb für Einsteiger auch nicht die erste Wahl."

Bin ich versichert?

In der normalen Kfz-Versicherung sind Fahrten auf der Rennstrecke üblicherweise explizit vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Das gilt für Haftpflicht und Kasko gleichermaßen. Wer sein Auto also zu Schrott fährt, muss anschließend selbst in die Tasche greifen. Das gilt natürlich auch, wenn Streckenbegrenzungen oder andere Autos beschädigt werden. In jedem Fall lohnt der Blick in die Buchungsbedingungen beim jeweiligen Anbieter. Viele beinhalten bereits einen Versicherungsschutz, aber eben nicht alle. Wenn Sie regelmäßig an Trackdays teilnehmen, lohnt sich der Blick in die Angebote von Spezialversicherern wie Raceinc oder Safe-Race. Auch große Unternehmen wie die Allianz bieten entsprechende Spezialtarife an. Häufig wird es teurer je sportlicher das zu versichernde Auto ist. Wie immer bei der Wahl der passenden Versicherung gilt: Das Vergleichen der Anbieter ist zwar mühsam, aber lohnt sich. Tipps gibt es sicher auch bei den Trackday-Anbietern.

Einfahrt, Nürnurgring
Archiv
Achtung! Die normale Kfz-Versicherung deckt den Rennstrecken-Einsatz normalerweise nicht ab, oder schließt ihn sogar explizit aus. Bruchpiloten zahlen dann nicht nur den eignen Schaden, sondern auch den an anderen Autos oder der Strecke selbst (Leitplanken, etc..)

Welches Auto?

Für Einsteiger ist es nicht förderlich, direkt mit einem Supersportwagen auf die Strecke zu gehen. Ein langsames Herantasten an die Materie ist auch hier Gebot der Stunde. Für den Start empfehlen sich die heißen Versionen gängiger Kleinwagen wie etwa Fiesta ST, Clio R.S. oder Polo GTI. Auch Kompaktmodelle wie Hyundai i30N, Golf GTI oder Focus ST leisten gute Dienste und bleiben beherrschbar. Wer die Strecke häufiger besucht, kann natürlich ein eigenes Tracktool in Erwägung ziehen. Also ein auf den Rennstreckeneinsatz optimiertes Fahrzeug mit Überrollkäfig, Gewindefahrwerk, und so weiter. Solche Autos büßen dann aber häufig ihre Straßenzulassung ein. Viele Anbieter stellen auch den eigenen Fuhrpark zur Verfügung, sodass verschiedene Autos gegen eine Gebühr gemietet werden können.

Elektroautos hält sport auto-Redakteur Stefan Helmreich aktuell noch für ungeeignet: "Diese Fahrzeuge sind zwar teilweise stark motorisiert und sportlich abgestimmt, aber wegen des Akkus auch ziemlich schwer. Das machen auf der Rennstrecke weder die Reifen noch die Bremsen allzu lange mit und auch der Akkus selbst wird heiß und braucht dann wieder eine Abkühlphase. Da bist du länger mit Instandhaltung als mit Fahren beschäftigt."

Mercedes-AMG GT R, Stefan Helmreich
Rossen Gargolov
Besser nicht mit einem Supersportwagen anfangen. Wer das Geld hat, macht mit einem Basis-Cayman nichts falsch, empfiehlt sport auto-Redakteur Stefan Helmreich.

Ein weiterer Fehler, den es zu vermeiden gilt, ist das unsachgemäße Upgraden des eigenen Autos. Wer sein Serienmodell auf Slicks stellt, riskiert bei den dann möglicherweise viel höheren Kurvengeschwindigkeiten ein Abreißen des Ölfilms, wenn keine Trockensumpfschmierung an Bord ist. Ein Motorschaden ist die Folge. Auch ein Serien-ABS kommt für gewöhnlich nicht mit so viel Grip klar. Also lieber einen sportlichen Straßenreifen aufziehen, um keine Schäden am Fahrzeug zu riskieren. Motorrad-Redakteur und Reifen-Experte Jens Kratschmar weiß: "Als Amateur sollte man zunächst auf einem Serienreifen starten, weil ein schneller Semi-Slick oder Slick eben auch einen schnellen Fahrer braucht, um auf Temperatur zu kommen. Ein kalter (Semi-)Slick grippt weniger als ein Sportreifen und verschleißt nach wenigen Runden." Wer mehr will, baut sich – wie oben bereits angesprochen – ein eigens für die Strecke abgestimmtes Tracktool. Was immer gilt: Vor der Runden-Gaudi Reifenprofil, Bremsen und Öl checken.

"Meine Fahrzeug-Empfehlung für alle, die es sich leisten können, ist ein Basis-Cayman. Der hat ausreichend Kondition, um wirklich einen ganzen Tag auf der Strecke unterwegs zu sein. Es muss dabei nicht einmal unbedingt die Keramik-Bremse sein – auch die Standard-Stahl-Ausführung hat genug Power für mehrere Stopps aus Tempo 200+", weiß Helmreich. Doch egal zu welchem Fabrikat Sie greifen – das Auto sollte schon einigermaßen standfest sein. Schließlich ist ein mehrstündiger Ritt auf einer Rennstrecke auch für Maschine und Material kein Zuckerschlecken. Die Sport-Versionen ziviler Autos verfügen häufig über die passendere Kombination aus Bremsanlage, Fahrwerk, Getriebe und Motor. Wer mit einer Schrottkiste beim Trackday auftaucht, riskiert nicht nur die eigene Sicherheit sondern wird im Zweifel gar nicht auf die Strecke gelassen. Achja, und falls Sie nach einem Grund gesucht haben, Ihr Auto mal wieder aufzuräumen: Unnötiger Ballast und lose herumliegende Gegenstände gehören ebenfalls nicht auf den Rundkurs.

Ford Fiesta ST, Exterieur
Achim Hartmann
Kleinwagen sind langweilig? Fragen Sie mal Christian Gebhardt, wie sich zum Beispiel der Fiesta ST im Supertest geschlagen hat.

Wie soll ich fahren?

In erster Linie: Kopf einschalten und mit Verstand fahren. "Eine gesunde und gute körperliche Verfassung ist wichtig für die Konzentration. Wenn es heiß ist, finde ich es außerdem falsch ohne Klimaanlage zu fahren, denn ein kühler Kopf ist wichtig für die eigene Sicherheit und die der anderen Fahrer", erklärt Redakteur und Trackday-Fan Jonas Greiner. Auf besagten Kopf gehört übrigens auch ein Helm. Das ist zwar nicht immer Vorschrift, aber immer eine Empfehlung. Generell gilt es vor allem auch den Fehler der Selbstüberschätzung zu vermeiden. Klingt jetzt spießig nach Oberstudienrat, ist aber so. Nicht überpacen, sondern die Grenzen "von unten nach oben erfahren".

Das bedeutet auch, dass nicht gleich alle elektronischen Hilfssysteme deaktiviert werden, sobald die Vorderreifen erstmals Rennstreckenbelag berühren. Präziser als das ESP vermag keine subjektive Wahrnehmung darüber Auskunft zu geben, wo der Grenzbereich beginnt. Auch hier gilt: Schritt für Schritt vorgehen. Zunächst mit ESP, dann das ESP in den Sportmodus (sofern vorhanden) und danach erst ohne ESP fahren. "Du darfst das System nicht als Käfig verstehen, sondern mehr als Personaltrainer", empfiehlt Stefan Helmreich. Dazu noch ein kleiner Tipp: Je lauter die Reifen quietschen, desto näher liegt das Grip-Level am Anschlag.

Trackday auf dem Nürburgring mit BilsteinNokian-Lesertestdrive
Dino Eisele
Immer wichtig: Augen offen halten. Sie sind nicht allein auf der Strecke. Schnellere Autos lassen Sie höflich vorbei, indem Sie den Blinker rechts setzen.

Was das Reglement auf der Strecke betrifft, klärt ein vorangehendes Briefing alles Notwendige. Je nach Einstufung des Fahrerfeldes in Anfänger und Fortgeschrittene, werden Überholverbote und Überholzonen, Flaggenregeln und Etikette besprochen. Wer beispielsweise ein schnelleres Fahrzeug sicher passieren lassen will, kann den Blinker rechts setzen. Der regelmäßige Blick in den Rückspiegel ist ohnehin Pflicht, um sein Umfeld im Auge zu behalten. Was den Blick nach vorne betrifft – Körper und Kopf lenken das Fahrzeug ziemlich zielsicher dort hin, wo auch der Blick hingeht. Also nicht die Streckenbegrenzung oder das Kiesbett begutachten, sondern Augen auf den Kurvenausgang, der Fokus liegt auf der Strecke. Klingt anstrengend? Ist es auch! Sowohl Fahrer als auch Auto brauchen zwischendurch immer mal wieder eine Pause. Wie komplex so eine heiße Runde sein kann, erfahren Sie in unserer Fotoshow. Da können Sie mal virtuell mit uns die Nordschleife Kurve für Kurve durchexerzieren.

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Na klar! Mache ich regelmäßig / will ich mal machen!
Auf keinen Fall!

Fazit

Um mal wieder eine Redewendung aus der Mottenkiste zu ziehen: Übung macht den Meister. Das gilt gerade beim sportlichen Fahren auf der Rennstrecke. Zum Glück ist das Angebot vielfältig und bietet für jeden den passenden Schwierigkeitsgrad.

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