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Mercedes-Benz 280 SL-500 SL (R107) Kaufberatung

Mercedes-Benz 280-500 SL (R107) Kaufberatung 18 Jahre Bauzeit mit Stärken und Schwächen

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Ein früher 280 SL reizt ebenso wie ein später 500 SL. Doch welcher R 107 aus 18 Jahren Bauzeit ist der Beste? Und wo liegen die Schwächen? Kaufberatung.

Die Baureihe R 107 zählt zu den beliebtesten klassischen Mercedes-Cabrios und bereicherte das Angebot der Marke mit dem Stern ungewöhnlich lange, und zwar von 1971 bis 1989. Selbst wenn viele SL dem Rost zum Opfer gefallen sind, können sich Interessenten auch heute noch über ein großes Angebot freuen. Wahrscheinlich sehen für Neulinge alle R 107 gleich aus, doch während der langen Bauzeit hat sich eine wissenswerte Variantenvielfalt ergeben, die beim Kauf eine Rolle spielen könnte.

R 107: sicherer und komfortabler

Mercedes SL (R107), Frontansicht
Archiv
Mercedes SL (R107), Frontansicht Mercedes-Benz 300 SL, Seitenansicht Mercedes-Benz 300 SL, Draufsicht Mercedes-Benz 300 SL, Heckansicht 10 Bilder

Mit dem R 107 bekannte sich Mercedes zum komfortablen, kräftig motorisierten Zweisitzer. Bei der Entwicklung waren viele Aspekte der aktiven und passiven Sicherheit berücksichtigt worden. Das zeigte sich im Innenraum am Lenkrad mit der großen Prallplatte und am gepolsterten Armaturenbrett – oder an der Lage des Tanks über der Hinterachse und damit außerhalb der Kollisionszone.

Die Weiterentwicklung der Motoren beinhaltete Verbrauchsreduzierungen und eine Verbesserung des Abgasverhaltens. Ab 1986 besaßen alle Aggregate serienmäßig einen geregelten Katalysator. Im September des Vorjahres war die Baureihe einer großen Modellpflegemaßnahme unterzogen worden, die eine dezente Modifikation der Optik und eine Überarbeitung der Technik mit sich brachte. Gleichzeitig erfolgte die Einführung des 300 SL mit neuem Sechszylindermotor.

Neue Technik, teils aus anderen Modellen

Mercedes Personenwagenprogramm 1983
Mercedes-Benz
Im Mercedes-Program hat der SL stets eine Sonderrolle.

Gegenüber dem Vorgänger, der Pagode, war der R 107 zwar ein völlig neues Auto, die Motoren waren aber aus anderen Modellen bekannt. Die Vorder- und Hinterradaufhängung mit doppelten Querlenkern vorn und der Diagonalpendelachse hinten, einer Schräglenkerkonstruktion, ähnelte jener im Strich-Acht. Der Kugelumlauflenkung verpassten die Konstrukteure eine Servounterstützung und einen Lenkungsdämpfer.

Mercedes-Benz /8 Strich-Acht W114/W115 (1968-76)
Mehr Oldtimer

Scheibenbremsen rundum waren natürlich Standard. Ab 1982 war gegen Mehrpreis sogar ein ABS erhältlich, ab August 1986 wurde ein solches serienmäßig verbaut. Im Herbst 1985 waren bereits die Vorderachse überarbeitet und die Bremsscheiben vorn vergrößert worden. Ab 1982 gab es zudem auf Wunsch Gurtstraffer und für den Fahrer einen Airbag. Um den luxuriösen Charakter des SL zu betonen, stand bei den Getrieben die Automatik im Fokus.

350 SL und 450 SL waren anfangs mit hydraulischer Kupplung und Viergang-Planetengetriebe ausgestattet, ab Juli 1972 erhielten sie hydraulische Wandler und Dreigang-Planetengetriebe wie im W 126. Ab 1980 kam bei allen R 107 eine weitere Fahrstufe dazu. Mit Schaltgetriebe gab es lediglich den 350 SL (Viergang), den 280 SL (Vier- und Fünfgang) und den 300 SL (Fünfgang).

Mercedes 450 SEL 6.9, Frontansicht
Mehr Oldtimer

Premiere mit V8 im 350 SL

Seine Premiere feierte der Mercedes-Benz R 107 mit einem V-Achtzylindermotor des Typs M 116, wie er bereits im 280 SE 3.5 zu finden war, den es als Limousine, Coupé und Cabrio gab. Die Maschine besaß einen Graugussblock und Zylinderköpfe aus Leichtmetall. Pro Zylinderreihe betätigte eine kettengetriebene obenliegende Nockenwelle über Schlepphebel die Ventile. Der M-117-Motor des 450 SL war genauso aufgebaut.

Die Gemischaufbereitung übernahm zunächst eine Bosch D-Jetronic, die durch eine K-Jetronic abgelöst wurde – beim 450 SL im November 1975, beim 350 SL im Februar 1976. Die Umstellung brachte geringe Leistungseinbußen mit sich, dafür kam ab diesem Zeitpunkt ein hydraulischer Ventilspielausgleich zum Einsatz. Ab 1978 lag die Leistung wieder auf dem alten Niveau.

Mercedes-Benz 350 SL, Motor
Frank Herzog
Der M116-V8 im 350 SL leistet je nach Baujahr 195 bis 200 PS.

1980 wurde aus dem 350 SL der 380 SL, durch Vergrößern des Hubs von 65,8 auf 71,8 mm ergab sich ein Hubraum von 3818 cm3. Der Motorblock war nun aus Leichtmetall gefertigt, genau wie beim im gleichen Jahr als Nachfolger des 450 SL eingeführten 500 SL. Dessen M-117-Motor besaß einen Hubraum von 4973 cm3, der sich durch eine Vergrößerung der Bohrung von 92 auf 96,5 mm ergeben hatte.

Im Herbst 1981 wurden beide Achtzylindermotoren in Sachen Kraftstoffverbrauch und Abgas überarbeitet, was unter anderem neue Nockenwellen beinhaltete. Beim 380 SL wurden sogar die Maße von Bohrung und Hub geändert. Beide Maschinen hatten nun etwas weniger Leistung. Weitere Veränderungen brachte das Jahr 1985. Der 380 SL wurde zum 420 SL, eine Bosch KE-Jetronic ersetzte die K-Jetronic wie im weiter produzierten 500 SL. Die nun auch angebotenen Versionen mit geregeltem Kat besaßen einige PS weniger. In den USA wurde zusätzlich ein V8 mit 5,6 Litern Hubraum eingeführt.

Sechszylinder im 280 SL und 300 SL

Mercedes-280-SL-SLC-300-SL-Ratgeber
Fact
Im 280 SL arbeitet der M 110 mit zwei obenliegenden Nockenwellen. Die K-Jetronic kostet 1976 acht PS, die 1978 mit erhöhter Verdichtung wiederkommen.

Alternativ zum V8 bot Mercedes den R 107 ab 1974 auch mit dem Sechszylinder-Zweinockenwellenmotor M 110 an. 1976 wurde dieser von D-Jetronic auf K-Jetronic umgestellt und verlor dadurch acht PS, die zwei Jahre später durch Erhöhung der Verdichtung zurückgewonnen wurden. Erst 1985 fand ein moderner Sechszylinder unter der SL-Haube Platz: Im 300 SL werkelte der M 103, ein Reihensechszylinder mit nur einer obenliegenden Nockenwelle, aber mit hydraulischem Ventilspielausgleich und KE-Jetronic. Es gab eine Version ohne und eine acht PS schwächere mit G-Kat.

Fahren

Mercedes-Benz 500 SL, Heckansicht
Arturo Rivas
Zum Rasen animniert der SL mit keinem der angebotenen Motoren.

Der R 107 verlangt nach keinerlei Toleranz gegenüber irgendwelchen Unzulänglichkeiten, er wirkt robust und solide, fährt sich aber dank Servolenkung keinesfalls schwer. Speziell die Achtzylindermodelle lassen sich souverän bewegen und harmonieren sehr gut mit der Automatik, aber selbst der potente 500 SL animiert nicht zum Rasen. Der sportlichste R 107 ist der handgeschaltete 280 SL mit dem drehfreudigen Zweinockenwellenmotor. Beim Nachfolger 300 SL wurde mehr Wert auf Drehmoment im unteren Drehzahlbereich gelegt. Ab Herbst 1985 gebaute 300 SL und 500 SL profitieren von einem überarbeiteten Fahrwerk.

Ende 2019 haben auch die letzten R 107 das H-Kennzeichen-Alter erreicht. Doch diese Mercedes-Cabrios werden schon viel länger als Klassiker hochgeschätzt und gepflegt, nicht zuletzt dank einer regen Club-Szene.

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Mercedes 300 SL, Frontansicht
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Mercedes Pagode
Die Pagode.
Mercedes 280 SL (R107)
Der R 107.
Mercedes-Benz 300 SL (R129)
Der 129.

Historie

1971 Im April Vorstellung des 350 SL mit V8-Motor als Nachfolger der Pagode, im Juli wird eine US-Version mit niedrig verdichtetem 4,5-Liter-Motor vorgestellt.

1973 Ab April ist der 450 SL erhältlich.

1974 Im Juli Erweiterung des R-107-Programms um den 280 SL mit M-110-Motor und zwei obenliegenden Nockenwellen.

1975 Ab November 450 SL mit K-Jetronic und Hydrostößel, nur noch 217 PS.

1976 Anfang des Jahres auch 280 SL und 350 SL mit K-Jetronic, 280 SL mit 177 PS, 350 SL nur noch mit 195 PS, der 350 SL erhält Hydrostößel.

1978 Alle Versionen wieder mit der ursprünglichen Leistung.

1980 380 SL und 500 SL mit Alu-V8 statt 350 SL und 450 SL, 500 SL und 450 SL wurden eine Weile parallel gebaut, 380 SL für US-Markt mit 155 PS.

1981 Überarbeitung der V8-Motoren, 280 SL serienmäßig mit Fünfganggetriebe.

1985 300 SL und 420 SL statt 280 und 380 SL, 300er mit M-103-Motor, alle jetzt mit KE-Jetronic, Facelift, Fahrwerk und Interieur überarbeitet, 15-Zoll-Alu-Räder.

1986 Ab September alle Modelle mit Katalysator und ABS serienmäßig.

1989 Produktionsende, es entstanden insgesamt 237.287 Exemplare. Nachfolger ist der R 129.

Karosserie-Check

Je jünger, desto besser, diese Faustregel gilt für alle Mercedes R107. Frühe Modelle aus den Siebzigerjahren sind nur dann zu empfehlen, wenn es reine Sommerautos waren. Schlechte Rostvorsorge und mäßige Blechqualität betreffen vor allem die Baujahre 1974 bis 1977.

Selbst in der Substanz deutlich von Korrosion geschwächte SL-Mercedes der Baureihe R107 sehen äußerlich noch passabel aus. Verdächtig sind jedoch Rostblasen um die Scheinwerferpartie, im Bereich der Riffelbleche und an den hinteren Radläufen. Aus Steifigkeitsgründen sind die Schweller deutlich stärker dimensioniert als beim SLC, aber ihre Spitzen in den Radhäusern gelten als äußerst rostanfällig.

Technik-Check

Mercedes-Technik ist zwar robust, verträgt aber keine nachlässige Wartung. Das gilt vor allem für den aufwendigen M110-Sechszylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen, der im Mercedes R107 verbaut ist. Regelmäßige Ölwechsel und Ventilspielkontrolle sind hier angesagt. Bei Laufleistungen über 250.000 km ist meist eine kostspielige Überholung des Zylinderkopfs fällig.

Am langlebigsten sind die V8-Motoren mit Graugussblock, bei der späteren Alublock-Generation (380 SL, 420 SL und 500 SL) können die Kunststoff-Gleitschienen der Duplexkette brechen. Auf saubere Schaltvorgänge der Automatikgetriebe sollte beim Mercedes R107 geachtet werden. Alter und Gewicht setzen auch den Fahrwerksbuchsen zu.

Preise

Der Marktwert des R 107 ist in den vergangenen Jahren gestiegen. US-Modelle sind oft günstiger, können aber Folgekosten verursachen. Am höchsten gehandelt wird derzeit die jüngste Variante, der 500 SL Serie 2.

Classic-Analytics notiert den Mercedes R107 (280 SL, 350 SL) im guten Zustand mit rund 36.500 Euro. Zustand 4-Exemplare liegen bei etwa 10.500 Euro. Ein 300 SL der zweiten Serie liegt in Zustand 2 bei 44.800 Euro. Am teuersten ist ein 500 SL nach dem Facelift, der im gleichen Zustand bei 51.800 Euro notiert.

Bei Einführung 1971 (Mercedes-Benz 350 SL)
31.413 Mark
Bei Produktionsende 1989 (Mercedes-Benz 500 SL)
89.091 Mark

Ersatzteile

Die große Zahl gebauter Fahrzeuge lässt auf eine gesicherte Teileversorgung hoffen. Doch mit der Zeit entstanden auch mal (vorübergehende) Lücken im Angebot von Mercedes. Freie Teilehändler versuchen, diese zu schließen, auch der R/C-107-Club ist hier aktiv.

Schwachpunkte

  1. Kotflügel und Stehbleche
  2. Riffelbleche rundum
  3. Innen- und Außenschweller
  4. Radläufe hinten
  5. Heckabschluss/Stoßstange
  6. Verdeckkasten
  7. Vorderachse, Traggelenke
  8. Zylinderkopf Motor M110
  9. Gleitschienen (Alu-V8)
  10. Automatik (Schaltpunkte)
  11. Differenzialgeräusche
  12. D-Jetronic (frühe V8-Modelle)
Mercedes-Benz R107, Schwachstellen, Kaufberatung

Wertungen

Alltagstauglichkeit
Ersatzteillage
Reparaturfreundlichkeit
Unterhaltskosten
Verfügbarkeit
Nachfrage

Fazit

Wer einem etwas sportlicheren und gut klingenden R 107 den Vorzug gibt, der wird mit einem 280 SL glücklich werden. Die kräftigen V8-Modelle sprechen eher jene an, die eine souveräne Kraftentfaltung und eine gelassene Fahrweise schätzen. Aber auch die anfallende Wartung kann kaufentscheidend sein. So müssen bei den V8-Modellen des Typs 350 SL bis Februar 1976 und beim 450 SL bis November 1975 noch Unterbrecherkontakte der Zündung gewechselt und das Ventilspiel eingestellt werden. Letzteres ist auch beim 280 SL nötig.

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