Das 1960 präsentierte Mittelklassemodell 404 wurde für Peugeot zu einem erfolgreichen Dauerläufer: Erst 1988 lief der letzte 404 Pick-up vom Band. Insgesamt baute Peugeot in 28 Jahren 2,88 Millionen 404. Das ist auch der Karosserie-Vielfalt zu verdanken: Auf Limousine und Kombi folgte 1961 ein Cabrio und 1962 ein Coupé. Lange bevor es Vans gab, konnten Familien einen Siebensitzer-Kombi ordern. Einen Pick-up gab es ebenfalls; der lief bis zuletzt in Afrika vom Band. In Europa endete die Produktion von Limousine und Kombi im Oktober 1975 – auch das eine erstaunlich lange Laufzeit. Doch nicht nur mit dieser langen Bauzeit, sondern auch mit Siegen bei der East African Safari Rallye sowie 40 Rekorden auf der Rennstrecke von Monthléry bei Paris, mit einem 404 Diesel Rekordwagen erwarb sich der 404 den Ruf eines robusten Dauerläufers. Dabei war er mit seiner von Pinin Farina gestalteten Heckflossen-Karosserie im Stil der 1960er-Jahre filigran gestaltet. Beliebt war der 404 wegen seiner guten Serienausstattung. Seine solide Bauart und der gute Komfort brachten ihm den Spitznamen "französischer Mercedes" ein.
Der große ams-Original-Test des Peugeot 404
Weil auto motor und sport 2026 seinen 80. Geburtstag feiert, veröffentlichen wir 80 Tests aus 8 Jahrzehnten. Denn schon früh sah die Redaktion es als ihre Aufgabe, neue Autos zu testen. Das macht auto motor und sport so lange und so ausführlich wie kein anderes deutschsprachiges Automagazin. Zur Tradition und zum journalistischen Anspruch gehört es, Stärken und Schwächen klar zu benennen. Damit das Urteil fundiert ausfällt, erhebt die Redaktion bei ihren Mess- und Testfahrten möglichst präzise Daten und sammelt reproduzierbare Eindrücke. Den folgenden Test schrieb Dieter Korp für auto motor und sport 17/1960. Wir haben die damalige Rechtschreibung übernommen.
In zweifacher Hinsicht erwies sich der Peugeot 403 als gute Lokomotive: im Vergleich zu seinen vorherrschenden Eigenschaften, denn er gilt als kräftig, robust und sicher, und auf dieser vertrauenerweckenden Basis als starke Zugmaschine für einen neuen Peugeot. So hatte sich die Erwartung auf den Peugeot 404 tüchtig aufgeheizt. Ein hautnah auf die Praxis von heute und morgen zugeschnittener Wagen ist er geworden und erfüllt vor allem eine immer aktueller werdende Forderung: Handlichkeit. Erleichtert wurden Pflege und Wartung, verbessert Motor und Fahrwerk, und schließlich fanden seine Bauherren einen Architekten, der seinen Beruf versteht. Pinin Farina befriedigte nicht nur das Auge, sondern auch den Verstand des Besitzers, der mit und von diesem Auto leben soll. Sein Karosserie-Entwurf – typisch durch die tief angesetzte Gürtellinie – schafft einwandfreie Sicht, guten Einstieg und ausreichenden Raum für Insassen, Motor und Gepäck. Obwohl stärker und teurer als der 403, wurde der 404 um 5 cm kürzer und schmaler und um etwa 20 kg leichter. Der Radstand ist 1 cm, die hintere Spur 4 cm kleiner.
Der Motor: 4-Zylinder mit 1,6 Liter Hubraum
Drei Dinge hatte man sich für den Motor des 404 zum Ziel gesetzt: leistungsstärker, spezifisch sparsamer und laufruhiger. Obwohl unverändert in seinem Grundentwurf – Reihen-Vierzylinder mit auswechselbaren Zylinderbüchsen, seitlich liegender Nockenwelle, Stoßstangen für Auslassventile schräg durch den Zylinderkopf geführt – änderte man doch so viele Details, dass man von einem neuen Motor sprechen kann. Die Zylinderbohrung wurde erweitert, was den vergrößerten Hubraum von 1618 ccm ergibt, nach der Steuerformel werden nur 1.577 ccm versteuert. Der Zylinderkopf wurde völlig umgestaltet, der Brennraum erhielt keilförmigen Querschnitt, was stärkere Turbulenz des Gemisches bringt. Die Kipphebel wurden kürzer und leichter und sitzen auf niedrigeren Kipphebelböcken, insgesamt kleinere oszillierende Massen. Die Antriebskette für die Nockenwelle wurde mit einem selbsttätigen hydraulischen Kettenspanner ausgestattet. Die Ansaugkanäle formte man anders, um Resonanzen in der Schwingung der Gassäulen zur besseren Füllung auszunutzen. Auch die Abgasführungen wurden unter diesem Blickwinkel gestaltet, wobei der einer Konservendose gleichende "Vorauspufftopf" vorn am Abgassammelrohr besonders bemerkenswert ist. Das Verdichtungsverhältnis erhöhte sich auf 7,3:1.
Trotz der um 22 % höheren Leistung bei höherer Nenndrehzahl – 65 DIN-PS bei 5.400 U/min – ist der Motor wesentlich laufruhiger geworden. Das Geräuschniveau steigt bis zur Nenndrehzahl kaum an. Erstaunlich ist die Drehzahlfestigkeit: Dieser Kurzhubmotor verträgt Drehzahlen bis zu 6.800 U/min ohne Ventilfederschwirren. Serienmäßig gehört eine automatisch bei etwa 85 °C einschaltende und bei 75 °C abschaltende Wasserpumpe mit Ventilator dazu, was rund 4 PS Leistungszuwachs und größere Laufruhe bringt.
Der Motor ist um 45° seitlich nach rechts geneigt eingebaut, wodurch alle Aggregate sehr gut zugänglich sind. Der tiefere Motorraum verbesserte die Sicht, verringerte Stirnfläche und Luftwiderstand. Der Schwerpunkt sank um 6 cm, was der Straßenhaftung zugutekommt. Das maximale Drehmoment beträgt 13 mkg bei 2250 U/min. Nicht ganz sauber erschienen die Übergänge bei schnellem Gasgeben oder -wegnehmen.
Die Einheit aus Motor und Getriebe ist elastisch in drei Punkten aufgehängt. Ein neuartiger Schwingungsdämpfer am Getriebehals unterdrückt kurzwellige Vibrationen. Ein Schubrohr nimmt die Bremskräfte der Hinterräder auf und umhüllt die Kardanwelle. Die Übersetzungen wurden neu abgestuft, wobei der vierte Gang nun direkt übersetzt ist (1:1), während die Hinterachsübersetzung auf 4,2:1 reduziert wurde. Der erste Gang ist länger, zweiter und dritter liegen enger beieinander. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt im Mittel 142,5 km/h bei etwa 5000 U/min.
Fahrwerk mit Starrachse hinten: komfortabel, nicht schwammig
Die neue Vorderachse mit McPherson-Federbeinen ersetzt die Querblattfeder des 403. Sie sorgt für bessere Radführung, Komfort und Straßenlage. Hinten blieb es bei einer gut geführten Starrachse mit Schubrohr und Panhardstab. Die Federung ist komfortabler, ohne schwammig zu wirken, die Straßenlage sicher und neutral bis leicht untersteuernd. Die Zahnstangenlenkung ist leichtgängig, präzise und gut übersetzt (20:1).
Die Bremsen sind Trommelbremsen mit insgesamt 815 cm² Bremsfläche, gut dosierbar und gleichmäßig wirkend. Die Handbremse ist als Hebel unter dem Armaturenbrett ausgeführt. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h beträgt 19,2 s, womit der Peugeot 404 in die Leistungsklasse größerer Fahrzeuge vorstößt. Der Preis ab Werk liegt bei 9.300 DM.
Innenraum: gute Sitzposition, hervorragende Sicht
Der Innenraum bietet sehr gute Sitzposition, hervorragende Sicht und hohe Alltagstauglichkeit. Die Vordersitze sind während der Fahrt verstellbar, die Kniefreiheit hinten beträgt mindestens 22 cm. Die Sicht nach allen Seiten ist ausgezeichnet, der Wendekreis klein. Verarbeitung und Ausstattung wirken praxisgerecht, die Zuladung von über 500 kg ist außergewöhnlich hoch.
Im Verbrauch zeigt sich der Peugeot 404 mäßig bis günstig. Der Testverbrauch liegt bei etwa 10 Liter je 100 km. Wartung und Pflege sind durch gute Zugänglichkeit erleichtert. Insgesamt zeigt der Wagen eine bemerkenswerte Konzentration auf funktionale Qualität, Handlichkeit und Fahrkomfort. Der Peugeot 404 verbindet die Ruhe eines Sechszylinders mit der Wirtschaftlichkeit eines Vierzylinders.












