Warum dieser Porsche 924 teurer ist als ein 911 Turbo

Porsche 924 GTP von 1980
Dieser Porsche 924 kostet mehr als ein 911 Turbo

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 24.01.2026
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Der Porsche 924 GTP ging aus einem Serienprojekt hervor und entwickelte sich zu einem der ungewöhnlichsten Rennwagen seiner Zeit. Für das 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1980 konstruiert, verband er ein Frontmotor-Konzept mit konsequenter Prototypentechnik. Unter schwierigen Bedingungen in einem Regenrennen profitierte der Transaxle-Porsche von seiner gleichmäßigen Gewichtsverteilung und seiner Zuverlässigkeit.

Schätzpreis auf 911-Turbo-Niveau

RM Sotheby's bietet das Auto mit der Chassisnummer 924003 während einer Auktion in Arizona zum Kauf an. Der Schätzpreis für den ehemaligen Le-Mans-Rennwagen liegt bei 300.000 bis 400.000 US-Dollar, umgerechnet 260.000 bis 345.000 Euro. Damit könnte der Transaxle-Vierzylinder teurer werden als ein neuer Porsche 911 Turbo S, der ab Werk 271.000 Euro kostet.

Porsche baute aus dem 924 einen Rennwagen

Mitte der siebziger Jahre leitete Porsche aus dem Transaxle-Sportwagen 924 eine reine Rennversion ab. Im Mittelpunkt stand eine ausgewogene Gewichtsverteilung. Der Motor saß vorne, das Transaxle-Getriebe an der Hinterachse. Dieses Layout sollte Traktion und Fahrstabilität verbessern.

Die Entwicklung des 924 GTP übernahm Porsche-Ingenieur Norbert Singer. Er bereitete den Wagen gezielt für die Grand Touring Prototype-Klasse der 24 Stunden von Le Mans 1980 vor. Schon optisch unterschied sich der 924 GTP klar von der Serie. Kastige Kotflügelverbreiterungen, ein leergeräumter Innenraum und tiefgreifende technische Änderungen machten deutlich, dass es sich um einen kompromisslosen Prototyp handelte.

Über 300 PS aus einem Vierzylinder

Ein Aluminium-Überrollkäfig sowie zusätzliche Verstrebungen im Vorderwagen steigerten Steifigkeit und Sicherheit. Die Pedalerie fertigte Porsche speziell an, orientiert an anderen Rennfahrzeugen der Marke aus dieser Zeit. Titanbauteile senkten das Gewicht, während Zentralverschlussräder schnellere Boxenstopps ermöglichten.

Für die Karosserie nutzte Porsche Aluminium, Urethan und Glasfaser. Den Antrieb übernahm ein auf Audi-Technik basierender 2,0-Liter-Vierzylinder mit Turbolader. Porsche verlegte den Lader auf die Fahrerseite, um den Abgasstrom zu verbessern, und verbaute einen größeren Ladeluftkühler. So stieg die Leistung auf über 300 PS. Ein verstärktes Fünfgang-Transaxle-Getriebe mit Sperrdifferenzial und eigenem Kühlsystem leitete die Kraft an die Hinterräder.

290 km/h auf den langen Geraden von Le Mans

Auf den langen Geraden des 13,7 Kilometer langen Circuit de la Sarthe erreichte der 924 GTP eine Höchstgeschwindigkeit von rund 290 km/h. Für die nötige Verzögerung sorgten groß dimensionierte Bremssättel, deren Auslegung sich am Porsche 935 orientierte. Porsche fertigte viele dieser Komponenten mit eigens entwickelten Werkzeugen.

Im Gegensatz zu den später produzierten 924 GTR für Kundenteams blieb der 924 GTP ein reiner Werksrennwagen. Zahlreiche Bauteile entstanden als Einzelanfertigungen und kamen ausschließlich in diesem Prototyp zum Einsatz.

Drei Fahrzeuge, Platz 6 als bestes Ergebnis

Für das 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1980 brachte Porsche drei 924 GTP an den Start. Die Fahrzeuge mit den Chassisnummern 924002, 924003 und 924004 vertraten Großbritannien, die USA und Deutschland. Starker Regen prägte den Rennverlauf. Das ausgewogene Fahrwerk und die gleichmäßige Gewichtsverteilung verschafften den Transaxle-Porsche viel Grip, sodass sie zeitweise leistungsstärkere Prototypen überholen konnten.

Das insgesamt niedrigere Renntempo spielte der Zuverlässigkeit in die Karten. Am Ende belegten die drei Porsche 924 GTP die Plätze 6, 12 und 13 im Gesamtklassement.

Chassis 924003: 306 Runden bis Rang 13

Chassis 924003 trug die Startnummer 3 und repräsentierte das US-Team. Porsche nominierte Al Holbert und Peter Gregg als Fahrer. Für Holbert bedeutete der Einsatz seinen zweiten Start in Le Mans. Zuvor hatte er sich unter anderem mit einem Sieg bei den 12 Stunden von Sebring 1976 einen Namen gemacht.

Gregg konnte nach einem Verkehrsunfall auf dem Weg zur Rennstrecke nicht antreten. Porsche setzte stattdessen den Briten Derek Bell ein, der zu diesem Zeitpunkt bereits zehn Starts in Le Mans und einen Gesamtsieg vorweisen konnte. Von Startplatz 34 aus arbeitete sich das Duo schnell nach vorne und erreichte bis zur 13. Rennstunde Platz 6. Nach 306 Runden überquerte Chassis 924003 die Ziellinie auf Rang 13, noch vor zwei BMW M1.

IMSA- und Trans-Am-Einsätze ab 1981

Nach dem Le-Mans-Rennen brachte Porsche den Wagen in die USA. Dort setzte das Team ihn 1981 in IMSA- und Trans-Am-Rennen ein. Anschließend übernahm Bruce Leven den 924 GTP und fuhr ihn gemeinsam mit Hurley Haywood bis Ende 1982 in der Trans-Am-Serie.

Später nutzte ein privater Besitzer den Wagen als Clubrennfahrzeug. Im Dezember 1987 wechselte der 924 GTP zu Kerry Morse, der ihn schließlich an den Porsche-Sammler David Morse verkaufte. Teil der Vereinbarung blieb der Einsatz bei historischen Rennveranstaltungen.

Restaurierung in der Optik von 1980

Morspeed, die Sammlung und Rennvorbereitungsstätte von David Morse, führte 1990 eine umfassende Restaurierung durch. Ziel war der Zustand von Le Mans 1980. Porsche-Werksmitarbeiter sowie der Experte "Big Ron" Gruener unterstützten die Arbeiten und halfen bei der Rekonstruktion zahlreicher Details.

Der heutige Eigentümer erwarb Chassis 924003 im Jahr 2012. Er verbesserte die Kühlung mit einer modernen Zylinderkopfdichtung, temperaturgesteuerten Kühlerlüftern und einem optimierten Kühlmittelfluss.

Fazit