Überall Minus: Alle wichtigen Geschäfts-Kennzahlen brachen bei der Mercedes-Benz AG im vergangenen Jahr ein. Dabei sahen die 2024er-Zahlen schon nicht besonders gut aus. Als Hauptgründe nennt der schwäbische Autokonzern unter anderem Zölle, negative Wechselkurseffekte und einen verschärften Wettbewerb in China. Letztlich basieren die schwachen Ergebnisse jedoch auf einem starken Absatzrückgang von 9,2 Prozent auf nur gut 1,8 Millionen Fahrzeuge in der für Mercedes so wichtigen Pkw-Sparte.
Das zeigt: Die Stuttgarter haben derzeit nicht in jedem Segment jene Modelle im Programm, die die avisierte Kundschaft haben will. Und für die sie bereit ist, die aufgerufenen Preise zu bezahlen. Speziell hier wollen Konzernchef Ola Källenius und seine Strategen ansetzen. In den kommenden beiden Jahren startet Mercedes eine wahre Modelloffensive, in deren Rahmen einige Fehler der jüngeren Vergangenheit korrigiert werden sollen – und die trotz allem weiterhin stark auf Elektroautos setzt.
Die folgende Übersicht zeigt die neun wichtigsten Mercedes-Neuheiten 2026 und 2027 – in chronologischer Reihenfolge.
Mercedes S-Klasse Facelift (Anfang 2026)
Mercedes startet mit der umfangreich aufgefrischten S-Klasse ins Jahr 2026. Es handelt sich zwar "nur" um ein Facelift und keine komplett neue Generation. Als Flaggschiff des Portfolios hat die S-Klasse jedoch eine exponierte Stellung in der Modellpolitik, und mit über 2.700 neuen Teilen ist die Oberklasse-Limousine ohnehin zur Hälfte neu. Zentrale Änderungen sind der neue M-177-Evo-V8 mit Flat-Plane-Kurbelwelle, der wassergekühlte Supercomputer als Hardware-Basis für alle Fahrassistenten und das neue Software-Betriebssystem MB.OS, das neue Möglichkeiten in Sachen Infotainment und KI bietet. Fraglich ist allerdings, ob die Kundschaft einige Detail-Rückschritte akzeptiert. So ist automatisiertes Fahren nur noch auf Level 2++ und nicht mehr auf Level 3 möglich. Zudem kommt in der neuen S-Klasse nur der MBUX-Superscreen zum Einsatz, während der neue, nur etwa halb so teure GLC bereits den Hyperscreen erhält.
Mercedes GLB EQ (Frühjahr 2026)
Der neue CLA führte im vergangenen Jahr bereits die neue MMA-Plattform ein. Doch mit viertüriger Coupé- und Shooting-Brake-Karosserie dürfte dessen Absatzpotenzial natürlicherweise gedeckelt sein. Der neue GLB als klassischer SUV spricht dagegen automatisch ein größeres Publikum an und verspricht höhere Margen. Bis zu 631 Kilometer WLTP-Reichweite sind in der gar nicht mehr so kompakten SUV-Klasse (der GLB misst 4,73 Meter in der Länge) eine Ansage, genau wie die maximale Ladeleistung von 320 kW und das Versprechen, in zehn Minuten bis zu 260 Kilometer nachladen zu können.
Und wer partout kein rein elektrisch angetriebenes Auto möchte, kann beim neuen GLB auch zu den Hybridversionen greifen – diese Zweigleisigkeit könnte sich perspektivisch als großer Vorteil erweisen.
Mercedes GLC EQ (Mai 2026)
Der neue elektrische GLC wird bereits als Källenius' Schicksalsauto bezeichnet. Warum, erklärt der CEO höchstpersönlich: "Der GLC ist unser Bestseller, das meistverkaufte Auto von Mercedes. Da geht es nicht nur um Performance und Schönheit. Da müssen auch die funktionalen Werte top sein", erklärt Källenius gegenüber auto motor und sport.
Und die Voraussetzungen scheinen zu stimmen: Der GLC führt – insbesondere frontseitig – eine neue Designsprache für die Marke ein und kommt innen auf Wunsch komplett vegan und mit dem bereits erwähnten Hyperscreen. Am wichtigsten auf technischer Seite: die komplett neue MB.EA-Plattform samt 800-Volt-Architektur, der Superhirn-Computer und das neue MB.OS.
Mercedes-AMG 4-Türer EQ (Sommer 2026)
Der erste rein elektrische AMG wird natürlich keine Absatzrekorde aufstellen. Aber er ist wichtig als Renditebringer und Prestige-Boost – nicht nur für die Sportabteilung, sondern für den gesamten Konzern. Mitte 2026 wird der neue Mercedes-AMG GT 4-Türer an den Start gehen, und auch er bringt eine völlig neue Plattform mit: die AMG.EA ("AMG Electric Architecture").
Dank technischer Besonderheiten wie der ultraleichten und sehr starken Yasa-Axialflussmotoren soll die kaufkräftige Klientel ihre Vorbehalte gegenüber Elektroautos möglichst ablegen und sich von dem neuen Antriebskonzept überzeugen lassen. Das stärkste Argument (im wahrsten Sinne des Wortes): Leistungsdaten von mindestens 972 bis 1.360 PS. Übrigens: Der 4-Türer kommt nicht alleine, sondern hat zwei Ableger in SUV- sowie SUV-Coupé-Gestalt im Schlepptau, die beide 2027 kommen sollen.
Mercedes C-Klasse Verbrenner (Spätsommer 2026)
Bei einer der Brot-und-Butter-Baureihen, der C-Klasse, steht 2026 ein Facelift an. Beim Design dürfte sich der Mittelklässler an Front und Heck an den Mercedes-Neuheiten orientieren und unter anderem die sternförmigen Leuchten erhalten. Bei der Motorenpalette soll es bei den Standardmodellen nur kleine Anpassungen geben; unter anderem werden sie fit für die Euro-7-Abgasnorm gemacht. Einen zentralen Fehler korrigiert Mercedes bei den AMG-Versionen: Sowohl der 43er als auch der 63er mit ihren ungeliebten Vierzylinder-Benzinern fliegen raus. Sie ersetzt der neue Mercedes-AMG C 53 mit potentem Sechszylindermotor.
Mercedes C-Klasse EQ (Herbst 2026)
Die wohl noch relevantere Neuerung bei der C-Klasse ist die neue Elektro-Version, die nur wenige Wochen nach dem Verbrenner-Facelift auf den Markt kommt. Als technischer Unterbau dient wie beim neuen GLC die MB.EA-Plattform mit 800-Volt-Technik, in die der eATS-2.0-Antriebsstrang sowie drei Batterie-Optionen mit entweder LFP- oder NMC-Zellchemie integriert werden. Bis zu 800 Kilometer Reichweite und 330 kW Ladeleistung sollen drin sein. Optisch orientiert sich die neue C-Klasse ebenfalls am GLC, tritt also mit illuminiertem Grill und Sternenleuchten an. Eines wird es allerdings nicht geben: Ein T-Modell der elektrischen C-Klasse hat Mercedes explizit ausgeschlossen.
Mercedes E-Klasse EQ (2027)
Ola Källenius hatte es schon vor einigen Monaten angekündigt: Die Elektro-Modelle der Marke sollen als richtiger Mercedes identifizierbar sein. Deshalb kommt es in der Oberen Mittelklasse bald zum Umkehrschwung: An die Stelle des extrem aerodynamisch gestalteten und bisher recht erfolglosen EQE tritt 2027 die E-Klasse EQ im klassischen Look der Baureihe. Die technische Verwandtschaft mit dem neuen GLC und der kleineren Elektro-C-Klasse ist angesichts der hier ebenfalls verwendeten MB.EA-Plattform eine enge. Noch vor dem nächsten Jahreswechsel soll die E-Klasse EQ vorgestellt werden, sodass eine Markteinführung recht früh im Jahr 2027 wahrscheinlich ist.
Mercedes "Baby G" (2027)
Die G-Klasse war 2025 eines der wenigen internationalen Erfolgsmodelle im Mercedes-Portfolio. Doch der große Gelände-Benz ist für viele unerreichbar, weshalb die Schwaben für 2027 einen Ableger mit kompakteren Dimensionen planen. Laut Ex-Designchef Gorden Wagener erwartet uns die G-typische kantige Linienführung, allerdings mit etwas moderneren Proportionen und einer jüngeren Lichtsignatur. Wie viel sich Mercedes vom "Baby-G" verspricht, verdeutlicht allein die Tatsache, dass für ihn eine eigene Leiterrahmen-Plattform entwickelt wird. Die Elektro- und Hybridantriebe entsprechen jedoch weitgehend jenen der neuen MMA-Modelle.
Mercedes A-Klasse (2028)
Ein weiterer wichtiger Rettungswagen für Mercedes lässt voraussichtlich bis 2028 auf sich warten. Es ist der kürzlich von Entwicklungschef Jörg Burzer bestätigte A-Klasse-Nachfolger, bei dem es sich um ein eigenständiges Modell auf der MMA-Plattform handeln soll. Die Tage des klassischen Kompaktwagens scheinen jedoch gezählt: Das "vor allem für Europa" entwickelte Einstiegsmodell wird wohl eine Crossover-Karosserie erhalten. Als MMA-Auto dürften für die nächste A-Klasse die aus dem CLA (EQ) bekannten Hybrid- und Elektroantriebe gesetzt sein. Die Fertigung im ungarischen Werk Kecskemét soll die Kosten senken und Einstiegspreise von unter 40.000 Euro ermöglichen. Doch über das reine Absatzpotenzial der neuen A-Klasse geht die strategische Bedeutung des Modells hinaus: Sie ist der endgültige Beleg dafür, dass Mercedes die 2022 ausgerufene Luxusstrategie inzwischen als gescheitert ansieht.
Außerdem
Über die bisher genannten neun Modelle hinaus bringt Mercedes in den kommenden zwei Jahren einige weitere Facelifts und Neuheiten, die sich jedoch eher in Nischensegmenten ansiedeln. An die Stelle der V-Klasse treten noch vor Jahresende 2026 zwei Modelle: der VLE und VLS. Das Konzept dahinter ist schnell erklärt: Der VLS wird als Großraum-Van in der Oberklasse beziehungsweise im Luxussegment positioniert, der VLE ist in der gehobenen Mittelklasse unterwegs. Letzterer feiert in seiner Elektroversion VLE EQ bereits am 10. März seine Weltpremiere und führt die neue E-Plattform VAN.EA ein. Für die Verbrenner-Pendants bleibt die VAN.CA-Architektur im Einsatz.
Mit dem Mercedes GLA EQ kommt Ende 2026 ein weiteres MMA-Modell auf den Markt. Der GLE und seine Coupé-Version erhalten im Jahresverlauf ein zweites Facelift, während auch der GLS und der Sportwagen AMG GT in aufgefrischter Form vorgestellt werden.












