BYD gegen CATL: So steht's im Wettrennen um die 5-Minuten-Ladung

BYD Flash-Charging gegen CATL Qilin mit 1.500 kW
So steht's im Wettlauf um die 5-min-Schnellladung

ArtikeldatumVeröffentlicht am 19.05.2026
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Foto: CATL/Schönfeld

Vergessen Sie alles, was bislang über Ladekurven, Vorkonditionierung und lange Aufenthalte an Schnellladesäulen galt. An der technologischen Weltspitze der Elektromobilität hat nämlich längst ein Wettlauf begonnen, bei dem es um Ladezeiten im einstelligen Minutenbereich geht – selbst unter extremen Winterbedingungen. Die Kontrahenten: der chinesische Auto- und Batteriekonzern BYD mit seiner "Flash-Charging"-Technologie und der globale Batterie-Marktführer CATL mit einer neuen Generation ultraschneller LFP- und NCM-Zellen.

Noch vor wenigen Jahren galt eine Ladezeit von rund 20 Minuten für den Bereich von 10 auf 80 Prozent SoC (State of Charge) als technischer Maßstab. Inzwischen verschieben beide Hersteller diese Grenze radikal. Ladeleistungen von 10C bis hin zu 15C bedeuten, dass Akkus mit dem Zehn- bis Fünfzehnfachen ihrer nominellen Kapazität geladen werden können. Ein 100-kWh-Akku würde also 1.500 kW Ladeleistung vertragen. Möglich wird dies nur durch eine komplette Neuentwicklung aller Hochvoltkomponenten – von der Zellchemie über die Kühlung bis zur Ladeinfrastruktur.

BYDs Flash-Charging: Maximale Integration

BYD treibt seit Jahren die sogenannte vertikale Integration voran. Fahrzeug, Batterie und Ladeinfrastruktur stammen also aus eigener Entwicklung und sind exakt aufeinander abgestimmt. Technische Basis der neuen Schnellladearchitektur ist die Super-e-Platform mit einer 1.000-Volt-Architektur (nominal 945 Volt). Anders als bei bisherigen Hochvoltsystemen laufen hier sämtliche Komponenten – darunter Inverter, Klimakompressor und Leistungselektronik – auf dieser Spannungsebene.

Um Ströme von bis zu 1.000 Ampere kontrolliert und verlustarm zu verarbeiten, setzt BYD auf selbst entwickelte 1.500-Volt-Siliziumkarbid-Leistungshalbleiter (SiC). Herzstück der Plattform ist eine weiterentwickelte Blade-Battery auf LMFP-Basis (Lithium-Mangan-Eisenphosphat). Durch die Beimischung von Mangan steigt die Zellspannung auf etwa 3,8 Volt, gleichzeitig erreicht das Batteriepaket Energiedichten von bis zu 210 Wh/kg. Entscheidend für die hohen Ladeleistungen ist die sogenannte "FlashPass"-Architektur. Sie verkürzt die Wege der Lithium-Ionen innerhalb der Zelle erheblich und reduziert den Innenwiderstand um rund 50 Prozent. Weniger Widerstand bedeutet weniger Wärmeentwicklung – eine Grundvoraussetzung für Ladeleistungen im Megawatt-Bereich.

In der Praxis demonstriert BYD diese Technologie bereits in Fahrzeugen wie dem Han L oder dem Denza Z9GT. Unter optimalen Bedingungen sollen dort rund 400 Kilometer Reichweite in lediglich fünf Minuten nachgeladen werden können. Nach etwa neun Minuten liegt der Ladezustand bei nahezu 97 Prozent.

CATL: Höhere Energiedichte, extreme Wintertauglichkeit

Während BYD auf ein geschlossenes Gesamtsystem setzt, ist CATL längst als flexibler Technologiepartner zahlreicher internationaler Hersteller bekannt – darunter Porsche, BMW oder Xiaomi. Der Konzern verfolgt eine Doppelstrategie: Die Shenxing-Batterie der dritten Generation adressiert das LFP-Segment, während die Qilin-Plattform mit hochentwickelter NCM-Chemie auf maximale Energiedichte abzielt. Gerade bei diesem Punkt liegt derzeit eine der größten Stärken von CATL. Die NCM-Variante erreicht Energiedichten von bis zu 280 Wh/kg, die jüngsten semi-soliden Batterien sogar bis zu 350 Wh/kg. Gegenüber einem vergleichbaren LMFP-Paket ergibt sich dadurch ein erheblicher Gewichtsvorteil. Ein 125-kWh-Batteriepaket kann gegenüber einer LMFP-Konstruktion rund 255 Kilogramm leichter ausfallen – ein relevanter Faktor für Fahrdynamik, Effizienz und Bremsweg.

Besonders beeindruckend ist jedoch das Thermomanagement der neuen CATL-Generation. Statt die Kühlkanäle wie üblich unterhalb der Zellmodule zu platzieren, integriert CATL diese vertikal zwischen den einzelnen Zellen. Dadurch vervierfacht sich die effektive Kühlfläche. Dieses Konzept erlaubt nicht nur Ladeleistungen von bis zu 1.500 kW Peakleistung, sondern bildet auch die Grundlage für das sogenannte "Pulse Heating". Dabei wird die Batterie nicht mehr über klassische Heizsysteme erwärmt. Stattdessen lässt die Leistungselektronik Stromimpulse mit hoher Frequenz zwischen den Zellsträngen zirkulieren. Die Zellen erwärmen sich dadurch direkt von innen heraus – innerhalb von Sekundenbruchteilen.

Der Effekt zeigt sich insbesondere bei extrem niedrigen Temperaturen. Selbst bei Außentemperaturen von minus 30 Grad Celsius soll die Shenxing Gen 3 den Bereich von 20 auf 98 Prozent SoC in nur neun Minuten absolvieren. Damit verschafft sich CATL im Winterbetrieb aktuell einen technologischen Vorsprung gegenüber BYD.

Infrastruktur als Schlüsseltechnologie

Megawatt-Laden stellt nicht nur die Batterie, sondern auch die Infrastruktur vor enorme Herausforderungen. Herkömmliche Ladekabel wären bei Strömen im vierstelligen Amperebereich thermisch überfordert. BYD begegnet diesem Problem in China mit vollständig flüssigkeitsgekühlten Kabelsystemen und deckenmontierten Überkopf-Kabelführungen. Dadurch bleibt der schwere Ladestecker für den Nutzer leicht handhabbar. Zusätzlich integriert BYD Pufferspeicher mit bis zu 370 kWh direkt in die Ladestationen. Sie glätten Lastspitzen und reduzieren die Belastung des Stromnetzes.

CATL verfolgt dagegen einen offeneren Ansatz. Neben ultraschnellem Laden setzt das Unternehmen parallel auf automatisierte Akkuwechselstationen im Rahmen seines "Choco-Swap"-Konzepts. Die Stationen kombinieren Batterietausch und Schnellladung und fungieren gleichzeitig als lokale Energiespeicher. Dadurch lassen sich Lastspitzen netzdienlich abfedern und Transformatorenstationen spürbar entlasten.

Fazit