Kann ich mit einem Elektroauto Starthilfe geben oder empfangen?

Starthilfe bei Elektroautos
Kann ich ein Elektroauto überbrücken?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 24.01.2026
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01/2026 BMW iX1 Starthilfe Starterkabel Elektroauto
Foto: Torsten Seibt

Es ist jeden Winter das gleiche Spiel: Sinken die Temperaturen unter den Gefrierpunkt, streiken reihenweise Autobatterien. Der Grund ist einfach: Sind diese wegen Alterung oder auch häufiger Kurzstreckenfahrten nicht voll bei Kräften, kann es bei Kälte schnell zum Streik kommen. Je niedriger die Temperatur, desto höher der Innenwiderstand der Batterie und desto niedriger die Leistung. Eine vollgeladene Batterie hat bei 25 °C ihre Nennkapazität. Bei 0 °C stehen nur noch rund 80 Prozent davon zur Verfügung, bei −10 °C etwa 60 bis 65 Prozent, bei −20 °C oft weniger als die Hälfte. Kältestarts sind also auch für "gesunde" Batterien Schwerstarbeit.

Auch E-Autos haben 12-Volt-Batterien

Was viele E-Auto-Besitzer nicht wissen: Auch bei Stromern gibt es eine 12-Volt-Batterie für das Bordnetz, die unabhängig von der Antriebsbatterie arbeitet und genau so "schlapp machen" kann wie die Starter-Batterie in Verbrenner-Pkw, zum Beispiel durch Alterung oder lange Standzeiten des Autos. Bei Verbrenner-Pkw ist im Fall solcher Startprobleme die Vorgehensweise vergleichsweise einfach: Starthilfekabel raus, "Spender" und "Empfänger"-Auto verbunden und los geht es mit der Saftübertragung. Bei Elektroautos ist es komplizierter.

Grund dafür ist nicht nur die Einbindung der Versorger-Batterie in die Fahrzeugelektronik, sondern oft auch die Größe. Viele E-Autos haben 12-Volt-Akkus mit verhältnismäßig wenig Kapazität, weil sie ja keinen stromfressenden Anlasser bedienen müssen. Dann fehlt es an Leistung, um einem anderen Auto Starthilfe zu geben. Im umgekehrten Fall, wenn die 12-Volt-Batterie des E-Autos entleert ist, können versehentliche Kurzschlüsse beim Überbrücken oder Überspannung zu Defekten an Steuergeräten führen.

Ein genereller Handlungshinweis ist dabei nicht möglich, denn die Autohersteller behandeln das Thema sehr unterschiedlich. Der ADAC schreibt hierzu: "Starthilfe zu empfangen ist bei Elektroautos meist erlaubt, Starthilfe geben hingegen meistens vom Hersteller aus nicht. Vorsicht ist deshalb geboten, und die Betriebsanleitung ist immer ausschlaggebend."

Das sagen die Hersteller

Wir haben beispielhaft die Bedienungsanleitungen gängiger Elektroautos (BMW iX1, Mercedes EQC, Tesla Model 3 und VW ID.4) durchforstet und sehr unterschiedliche Hinweise für den Pannenfall gefunden. Am ausführlichsten widmet sich VW dem Thema, dort wird auf mehreren Seiten Schritt für Schritt erklärt, wie man einen ID.4 bei leerer 12-Volt-Batterie überbrücken kann. Allerdings auch: "Um erhebliche Beschädigungen an der elektrischen Anlage im Fahrzeug zu vermeiden, ist es nicht zulässig, mit einem Elektrofahrzeug anderen Fahrzeugen Starthilfe zu geben. Die Starthilfepunkte sind nicht für Fremdstartunterstützung anderer Fahrzeuge ausgelegt." Heißt also: Empfangen ja, Strom spenden nein.

Das gleiche gilt für den Tesla Model 3. Die Bedienungsanleitung beschreibt zwar die Maßnahmen, wie eine entleerte Niederspannungsbatterie mit einem Fremdfahrzeug versorgt werden kann, der umgekehrte Weg wird aber kurz und bündig ausgeschlossen: "Model 3 kann nicht zum Starten eines anderen Fahrzeugs verwendet werden. Dadurch kann es zu Beschädigungen kommen."

Mercedes und BMW verbieten Starthilfe

Gänzlich ausgeschlossen ist "normale" Starthilfe, egal in welche Richtung, beim BMW iX1 und dem Mercedes EQC. In beiden Betriebsanleitungen wird ausdrücklich erwähnt, dass Starthilfe nur von einer qualifizierten Fachwerkstatt durchgeführt werden darf. Wer also als freundliche Nachbarschaftshilfe einen gestrandeten Pkw überbrückt, bleibt bei einem Schaden an der Elektronik auf seinen Kosten sitzen.

Fazit