Neue Details zu Donut-Lab-Festkörperakku: Steckt eine deutsche Firma hinter der Superzelle?

Mehr Details zu Donut-Lab-Festkörperbatterie
Steckt deutscher Mittelstand hinter dem Superakku?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 10.02.2026
Als Favorit speichern
Steckt deutscher Mittelstand hinter dem Superakku?
Foto: Donut / Schönfeld

Es war die wohl spektakulärste Ankündigung der gesamten CES 2026: Das finnische Startup Donut Lab stellte seine Festkörperbatterie mit 400 Wh/kg Energiedichte, fünfminütiger Ladezeit und 100.000 Ladezyklen vor. Und es versprach, die Serienproduktion bereits im Frühjahr 2026 zu starten. Das weltweite Staunen war ebenso groß wie die Skepsis. Zu ambitioniert waren die Versprechungen, zu wenige technische Details wurden seither bekannt.

Experten gehen in die Recherche

Doch neue Recherchen und Analysen, unter anderem im Podcast "Geladen", legen nahe, dass hinter den gewagten Versprechen möglicherweise eine europäische Technologie-Kooperation steckt. Und vielleicht geht die ungewöhnliche Zell-Anatomie sogar auf ein mittelständisches deutsches Unternehmen zurück. Doch der Reihe nach.

Nachdem die extremen Performance-Werte des finnischen Wunderakkus bisher eher auf einen Superkondensator als auf eine klassische Batterie hindeuteten, kommen nun neue Theorien ins Spiel. Im Podcast diskutieren Dr. Joachim Sann von der Justus-Liebig-Universität Gießen gemeinsam mit den Moderatoren Daniel Messling und Patrick Rosen über eine sogenannte bipolare Batterie-Architektur.

Bipolare Batterien

Die bipolare Batterie-Architektur unterscheidet sich von konventionellen Akkus grundlegend durch den Verzicht auf Einzelgehäuse und externe Zellverbinder. Stattdessen werden die Elektroden auf einer gemeinsamen Trägerplatte, der sogenannten Bipolarplatte, aufgebracht: Eine Seite fungiert als Anode für die eine Zelle, während die Rückseite als Kathode für die nächste Zelle dient. Durch diese direkte Stapelung der Zellen (Stacking) fließt der Strom nicht mehr über schmale Kabelbrücken oder Busbars, sondern großflächig senkrecht durch die gesamte Plattenebene, was den elektrischen Innenwiderstand der Batterie massiv senkt und die Effizienz steigert.

Dieser Aufbau bietet enorme Vorteile für das Packaging in Elektrofahrzeugen, da das Gehäusevolumen und das Gewicht passiver Komponenten drastisch reduziert werden. Durch den Wegfall der aufwendigen Verkabelung lässt sich deutlich mehr aktives Speichermaterial auf dem gleichen Bauraum unterbringen, was die Energiedichte auf Systemebene entscheidend erhöht. Die größten Herausforderungen liegen derzeit noch in der prozesssicheren Abdichtung der einzelnen Elektrolyträume sowie in der thermischen Kontrolle der kompakten Zellstapel.

Einfache Produktion erklärt

Laut Dr. Joachim Sann lässt sich die Bipolar-Technik aber deutlich einfacher und kostengünstiger produzieren als herkömmliche Ansätze. Diesen Vorteil hob Donut Lab bereits bei der Vorstellung des Festkörperakkus hervor. Die potenzielle Innovationskraft der angekündigten Technologie liege aber noch in einem zweiten Aspekt: der Herstellung über Siebdruck-Verfahren. Nur die bipolare Zellarchitektur ermöglicht diese Technik.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Produktionsverfahren, die energieintensive Trocknungsöfen und giftige Lösungsmittel erfordern, erlaubt Siebdruck eine deutlich einfachere, kostengünstigere Fertigung. Die Technologie sei skalierbar und ermögliche es, elektrochemische Schichten direkt auf die Stromableiter aufzudrucken, fast wie beim Drucken einer Zeitung, wenn auch technisch anspruchsvoller.

Siebdruck in der Batterieproduktion?

Siebdruck kennt man meist aus dem Textildruck (z. B. T-Shirts), von Plakaten oder beim Bedrucken von Glas, Keramik und Kunststoff. Auch in der Elektronik wird er eingesetzt, etwa für Leiterbahnen auf Platinen. Das Grundprinzip bleibt immer dasselbe: Material wird durch ein feines Sieb auf die Oberfläche übertragen, nur dass es in High-Tech-Anwendungen eben besonders präzise und kontrolliert geschieht.

Die Siebdrucktechnologie hilft auch bei der Herstellung von bipolaren Batterien, indem sie die Elektrodenmaterialien ultrapräzise auf die Trägerfolien aufbringt. So lassen sich die Schichten gleichmäßig in der gewünschten Dicke herstellen, was die Leistung und Lebensdauer der Batterie beeinflusst. Mit Siebdruck können zudem komplexe Muster für Stromverteilung, Kühlung oder elektrische Kontakte direkt auf die Folie gedruckt werden, ohne zusätzliche mechanische Bearbeitung. Da nur die benötigte Materialmenge aufgetragen wird, entstehen weniger Abfälle und die Produktionskosten sinken. Außerdem lässt sich das Verfahren gut automatisieren, was die Fertigung von Batteriefolien für die Serienproduktion erleichtern würde.

Kooperationen in Europa

Ein Indiz für diese Siebdruck-Vermutung findet Sann in Nord-Europa und in den Niederlanden. Im Oktober 2025 investierte das finnische Startup Donut Lab nämlich in Nordic Nano, ein Unternehmen mit Fokus auf amorphe Titandioxid-Nanostrukturen, während die University of Twente in den Niederlanden an Natrium-Ionen-Kathoden und Polymer-Beschichtungen arbeitet. Das niederländische Unternehmen CLM Nano Energy kündigt für 2026 den Einsatz von 175 MW stationärer Speicher mit einer "Nano-Paste"-Technologie an, die über Jahre in Zusammenarbeit mit akademischen und industriellen Partnern entwickelt wurde. All dies deutet auf ein europäisches Technologie-Ökosystem hinter der Donut-Lab-Ankündigung hin.

Dabei könnte zusätzlich ein deutsches Unternehmen eine wesentliche Rolle spielen. Im Podcast wird zwar keines konkret genannt, doch möglich wären einige – wie etwa die CT-Coating AG aus Königswinter. Das spekuliert zumindest das Wissenschaftsmagazin Cleanthinking. CT Coating hat sich auf funktionale Beschichtungen und Nanopasten spezialisiert und sorgte 2024 mit einem energieautarken Industriegebäude im Landkreis Neuwied für Aufsehen. Die Verbindung zu CLM Nano Energy wird auf der Firmen-Website ausdrücklich erwähnt, wo CT-Coating als Entwicklungspartner für die proprietäre Nano-Paste-Technologie genannt wird. Ein weiterer heißer Kandidat: Schlenk aus Roth in Bayern. Die Spezialisten für walzplattierte Folien sind seit über 25 Jahren in der Photovoltaikbranche tätig. Seit 2022 entwickelt das Unternehmen zudem spezielle Folien für bipolare Batterien und bietet gezielt Musterkits für Startups an.

Deutsche Autohersteller interessiert

Dass hinter der Batterie von Donut Lab offenbar wirklich mehr steckt, als nur eine reine Marketing-Geschichte, zeigt das Interesse deutscher Automobilhersteller. "Wir wissen jetzt, dass alle drei großen deutschen Autobauer sich mit hohem Interesse dieses Unternehmen anschauen", schreibt Podcaster Patrick Rosen in einen Kommentar.

Mercedes zeigte bereits, dass die Entwickler ultradünne Beschichtungen längst auf dem Radar haben. Im Oktober 2025 präsentierte der Konzern den Vision Iconic mit "Solarlack", einer ultradünnen, nanopartikelbasierten Beschichtung, die ohne Silizium auskommt. SANA Energy, ein spanisch-deutsches Unternehmen mit Verbindungen zu CT-Coating, verweist auf LinkedIn auf dieses Projekt, was Parallelen zu den Nanopasten für Batterien deutlich macht.

Die Stunde der Wahrheit noch 2026

Den Realitäts-Check wird die Technologie mit der Auslieferung der ersten E-Motorräder von Verge Motorcycles bestehen müssen. Im März 2026 sollte es so weit sein, wobei auf der Website mittlerweile Q4/2026 als Liefertermin angegeben wird. Verge hat als etablierter Hersteller einen Ruf zu verlieren, eine Partnerschaft mit Donut Lab nur zu Marketingzwecken wäre riskant.

Fazit