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Tesla öffnet Supercharger für andere Hersteller Tesla / VW / Jochen Knecht
Tesla Supercharger-Fabrik im chinesischen Shanghai
Tesla Supercharger-Fabrik im chinesischen Shanghai
Tesla Supercharger
Tesla Supercharger Nürburgring Model S 12 Bilder

Öffnung Tesla-Supercharger für alle: Technik, Preise, App

Tesla-Supercharger für alle Fremdmarken am Supercharger? So soll's gehen!

Elon Musk will noch 2021 Autos anderer Marken an Superchargern laden lassen. Die technische Umsetzung ist denkbar einfach.

Mitte Juni forderte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer Tesla auf, seine Supercharger-Ladesstationen-System für alle Elektroautos zu öffnen – aktuell können dort ausschließlich Modelle der Marke Tesla laden. Deutschland ist zwar nicht das einzige Land, das beim Ausbau der Ladeinfrastruktur hinterherhinkt – aber so möchte Scheuer wenigstens einen kleinen Fortschritt erzielen. Wir wissen nicht, ob Tesla-Chef Elon Musk die Forderung des deutschen Verkehrsministers überhaupt wahrgenommen hat – aber auf dem US-Markt macht er jetzt genau das: Bald dürfen auch die Elektroautos anderer Hersteller an den Tesla-Superchargern laden.

"Wir haben unseren eigenen Stecker entwickelt, da es damals noch keinen Standard gab und nur Tesla Elektroautos mit großer Reichweite herstellte. Es ist ein ziemlich schlanker Stecker für das Laden mit niedriger und hoher Leistung. Das heißt, wir machen unser Supercharger-Netzwerk noch in diesem Jahr für andere Elektrofahrzeuge zugänglich." – twittert Elon Musk jetzt. Auf den US-Straßen können also noch in diesem Jahr auch die Fahrer anderer Marken ihre Autos an Teslas Superchargern laden. Allein in den USA betreibt Tesla aktuell an fast 1.000 Standorten Supercharger – die Zahl der Ladepunkte dort hat Tesla nicht veröffentlicht. Hinzu kommt, dass Tesla zu Thanksgiving (einer der wichtigsten Feiertage der USA, immer am vierten Donnerstag im November), Weihnachten und weiteren Stoßzeiten, in der Nähe von Verkehrsknotenpunkten mobile Megacharger aufstellt – an denen es dann aber trotzdem oft zu langen Staus kommt.

Hyundai Kona Elektro, Mercedes EQA, VW ID.4
Rossen Gargolov
Mercedes EQA, VW ID.4 und der Hyundai Kona elektro (von links) können, wie alle fremden Marken, demnächst an Tesla-Superchargern laden.

Auch deutsche Kunden können sich freuen: Auf Nachfrage eines Twitter-Nutzers antwortet Musk, dass Tesla mit der Zeit sämtliche Supercharger in allen Ländern für die Fahrzeuge fremder Marken öffnen will. Einen konkreten Zeitplan hat er dafür aber noch nicht vermeldet – da die Supercharger schon in Betrieb sind, könnte es aber schnell gehen. In Deutschland betreibt Tesla aktuell an 90 Standorten Supercharger mit insgesamt 1.000 Ladepunkten.

Test in Norwegen

Die Öffnung der Supercharger wird nicht über Nacht passieren. Das zeigt eine Meldung des E-Auto-Portals electrek.co, das von einem kleinen Durchbruch in Norwegen berichtet. Dort hat der Verwaltungsrat der Provinz Vestland ganz offensichtlich über Zuschüsse für den Bau von 5 Superchargern beraten und die Leistungen an bestimmte Bedingungen geknüpft. Unter anderem daran, dass die Supercharger bis spätestens Ende 2022 auch von Nicht-Tesla-Fahrern genutzt werden können. Laut dem Protokoll einer Ratssitzung der Vestland fylkeskommune, das electrek.co vorliegt, hat Tesla dies bereits bestätigt.

Tesla Supercharger-Fabrik im chinesischen Shanghai
Tesla
Im Februar 2021 hat Tesla eine neue Supercharger-Fabrik in China eröffnet. Der sollen 10.000 Ladesäulen im Jahr gebaut werden.

Denkbar wäre, dass Tesla die Provinz Vestland als Testumgebung für die Freigabe von Superchargern in Europa nutzt. Norwegen ist wegen der extrem hohen Verbreitung von Elektroautos der bevorzugte Testmarkt für diverse Autobauer.

Laden per Tesla-App

Technisch bietet sich Europa für eine schnelle Freigabe der Supercharger an, weil Tesla hier alle Standorte auf den CCS-Stecker-Standard umgerüstet hat und praktisch alle neuen Elektroautos mit Schnellladefunktion CCS-Anschlüsse besitzen. Bleibt die Frage der Abrechnung. Teslas identifizieren sich am Supercharger drahtlos. Keine Ladekarte, keine App, keine Kompatibilitätsprobleme. Dieses so genannte "Plug and Charge" beherrschen inzwischen auch einige wenige Elektroautos anderer Hersteller. Aber darauf kann und will man bei Tesla offensichtlich nicht warten. Deshalb setzt Tesla laut einer Mitteilung von Elon Musk im Rahmen einer Investoren-Veranstaltung im Juli 2021 auf eine Umsetzung über die Tesla-App. Heißt: Wer mit einem Nicht-Tesla an einem Supercharger laden will, braucht die Tesla-App auf dem Handy und einen entsprechenden Tesla-Account samt dort hinterlegten Bezahldaten (Kreditkarte, usw.). Am Supercharger selbst (meist mit zwei Ladepunkten) wählt man in der App den passenden Ladepunkt aus, kann hinterlegen, wie viel man laden möchte und startet dann per Befehl über die App den Ladevorgang. Den Prozess kennen die allermeisten E-Autofahrer von den diversen Ladesäulen-Anbietern am Markt.

Preis-Details & Wachstums-Versprechen

Bleibt die Frage nach der Preisgestaltung. Laut Elon Musk werden sich die Preise fürs Laden vor allem an der Auslastung der Supercharger orientieren. Sprich: Wer zu Randzeiten lädt, spart Geld. Wer zu Stoßzeiten laden will (oder muss), bezahlt einen Aufschlag. Nächste Frage: Sind die Preise an den Superchargern für alle gleich, oder laden Tesla-Fahrer grundsätzlich etwas günstiger? Dazu gibt es aktuell noch keine Aussage von Tesla. Es ist aber davon auszugehen, dass für Fremdmarken ein kleiner Aufschlag fällig werden wird. Sehr eindeutig ist dagegen die Aussage von Elon Musk, was die Größe des Supercharger-Netzwerks angeht. Das soll und muss weiter massiv wachsen. Weil Tesla die "Fahrzeugproduktion höllisch steigert". Und jetzt eben noch die Fremdfahrzeuge hinzukommen.

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Fazit

Tesla und die für alle offenen Supercharger – das ist wird jetzt Realität. Elon Musk war immer für eine Öffnung, jetzt hat er sie per Twitter bestätigt. Für Tesla-Fahrer heißt das, dass sie eventuell länger an den Stationen warten müssen. Nicht-Tesla-Fahrer können sich hingegen über eine deutlich erweiterte Lade-Infrastruktur freuen.

Es bleibt die Fragen nach dem Start in Europa. Elon Musk wird's uns sagen. Irgendwann.

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