Porsche scheint sich derzeit im Erfinderrausch zu befinden. Fast schon im Wochenrhythmus hauen die Schwaben neue technische Entwicklungen raus. Eine Auswahl der jüngsten Patentanmeldungen: Lackwechsel auf Knopfdruck, Aerodynamikhilfen statt Heckscheibenwischer und einen Fahrmodus, der automatisch die Scheiben runterfährt und die Auspuffanlage lauter einstellt, sobald man sich einem Tunnel nähert.
Drohne projiziert Ideallinie auf die Strecke
Die jüngste Entwicklung der Zuffenhausener zielt ebenfalls auf optimierten Fahrspaß und maximierte Fahrkompetenz ab. Porsche hat beim Deutschen Patent- und Markenamt unter dem Aktenzeichen 10 2025 146 190.2 ein Patent angemeldet, das die Fähigkeiten der eigenen Kundinnen und Kunden am Steuer verbessern soll. Und zwar mithilfe von Drohnen, die das Auto auf einer Rennstrecke begleiten und die Ideallinie für jede Kurve anzeigen.
Das erinnert natürlich an die gängigen Funktionen von Rennspielen für den heimischen Computer oder die Spielekonsole, bei denen man sich bei Bedarf die Ideallinie auf dem Bildschirm anzeigen lassen kann. Allerdings geht das Porsche-Patent des Erfinders Dennis Maisch einen Schritt weiter. Denn die schnellste Fahrlinie wird nicht etwa über das Head-up-Display oder andere Bereiche im Auto angezeigt (wie beispielsweise bei BMWs VR-Brillen-basierter M Mixed Reality von 2022 oder einem Ferrari-Patent von 2023), sondern direkt auf der Strecke.
Laut Patentschrift, die am 10. November 2025 angemeldet und am Silvestertag veröffentlicht wurde, handelt es sich bei der Drohne um ein autonom fliegendes – also unbemanntes – Flugobjekt, das mit einer Projektionseinheit ausgerüstet ist. Darüber wird die Ideallinie, die zuvor von einer Steuerungseinheit berechnet wird, auf die Fahrbahn projiziert. Dies kann statisch oder dynamisch in Abhängigkeit von den erfassten Echtzeitdaten aus dem Cockpit erfolgen und bezieht auch Informationen zum Fahrzeugtyp und Fahrstil mit ein.
Ideallinie, passende Geschwindigkeit, Bremspunkte
Hinzu kommt eine bidirektionale Kommunikationsschnittstelle zum Auto. Darüber kann das System nicht nur die Fahrlinie anpassen, wenn sich die Streckenbedingungen ändern, sondern auch, wenn das Auto Informationen über sein derzeitiges Fahrverhalten sendet, die nicht zur eigentlich gewählten Linie passen – beispielsweise wenn plötzlich Über- oder Untersteuern auftritt. Obendrein kann das System alternative Fahrlinien vorschlagen, um ausprobieren zu können, ob diese vielleicht besser zum eigenen Auto und Fahrstil passen, oder Empfehlungen für die passende Geschwindigkeit oder die ideale Brems- oder Beschleunigungszone anzeigen.
Das System zielt auf eine direkte und kontinuierliche visuelle Führung des Autos und seiner Fahrerin oder seines Fahrers ab, indem per Licht, Laser oder andere Projektionstechnologien (beispielsweise mit Augmented-Reality-Funktionen) sichtbare Markierungen auf der Strecke erzeugt werden. Die Personen am Steuer müssten sich dann nicht mehr die "die Ideallinie einprägen und aus dem Gedächtnis abrufen, was insbesondere bei unbekannten Rennstrecken oder unter Rennbedingungen schwierig sein kann", wie Porsche in der Patentschrift anmerkt.
Viele Anwendungsfälle denkbar
Es muss jedoch nicht zwangsläufig ein Auto mit jeweils einer Drohne gekoppelt werden. Denkbar ist ebenso, dass mehrere Flugobjekte koordiniert über einer Rennstrecke unterwegs sind, damit "eine kontinuierliche Abdeckung längerer Streckenabschnitte gewährleistet und die Projektionsqualität über die gesamte Rennstrecke verbessert" wird. Dies könnte beispielsweise für Rennstreckentrainings in größeren Gruppen interessant sein, wie sie Porsche regelmäßig für seine Kundschaft anbietet.
Der Drohnen-Fahrlehrer für die Rennstrecke soll aber nicht nur den Fahrerinnen und Fahrern zugutekommen. Einen weiteren Anwendungsfall sieht Porsche bei der "Eventsteuerung und Zuschauerinteraktion", indem die Flugobjekte den Fans – beispielsweise von Motorsportveranstaltungen – genau zeigen können, wo sich die Action abspielt.
Zahlreiche Herausforderungen vor der Serienreife
Bevor ein solches System in Serie gehen kann, muss Porsche jedoch noch einige Herausforderungen bewältigen. Denn die eigenen Sportwagen sind auf Rennstrecken gemeinhin ziemlich schnell und agil, was bedeutet, dass das ebenfalls für die Drohnen gelten muss. Diese müssen außerdem wissen, was die jeweiligen Strecken und (Wetter-)Bedingungen hergeben und wozu das Auto sowie die Person am Steuer in der Lage sind. Obendrein bedarf es einer sehr ausgefeilten Projektionstechnologie, um die Informationen selbst bei gleißendem Sonnenlicht oder Dunkelheit zuverlässig anzeigen zu können. Zudem ist man selten allein auf einer Rennstrecke unterwegs, sodass Störungen mit anderen Autos und deren Fahrerinnen und Fahrern ausgeschlossen werden müssen.
Hinweis: In der Fotoshow über dem Artikel und im Video nach dem dritten Absatz stellen wir Ihnen den neuen Porsche 911 Turbo S vor.












