Mercedes SLK, BMW Z4, Porsche Boxster, Audi TT

Sport-Cabrios im Vergleichstest

Audi TTS Roadster, BMW Z4 35i, Mercedes SLK 350, Porsche Boxter S Foto: Hans-Dieter Seufert 42 Bilder

Der Mercedes SLK will in seiner dritten Auflage mit nachgeschärfter Fahrdynamik und verfeinertem Klappdach der Konkurrenz davonfahren. Im Vergleichstest trifft er auf BMW Z4, Audi TT und Porsche Boxster. Vier Roadster mit rund 300 PS und ganz eigenem Charakter.

Sollte einer Ihrer frischluftsüchtigen Beifahrer mal meckern, dass man bei Ihrem Cabrio anhalten muss, um das Verdeck zu öffnen, drücken Sie ihm einfach ein paar alte Autozeitschriften in die Hand: So lobte auto motor und sport vor 50 Jahren einen Austin Healey Sprite allein deshalb, weil dessen Verdeck „in einer separaten Tasche im Kofferraum“ untergebracht war. Roadster-Dächer wurden damals nicht einfach zugeklappt, sie wurden aufgebaut wie Zelte. Dass „keine hohen Ansprüche an die Dichtigkeit“ gestellt werden durften, war ebenfalls kein Kritikpunkt. Es verstand sich von selbst.  
Und da sich die Sitze bei Regen wie Schwämme vollsaugten, empfahlen die Tester das Mitführen wasserdichter Auflagen – zur Vermeidung von Blasenentzündungen.

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Vergleichstest Audi TTS Roadster, BMW Z4 35i, Mercedes SLK 350, Porsche Boxster S Dach-Nummer
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Mercedes SLK mit neuem Glas-Klappdach

Dagegen gleichen Roadster-Fahrten von heute reinsten Wellness-Anwendungen. Vor allem im Mercedes SLK: Der Erfinder des neuzeitlichen Klappdach-Cabrios gestattet in seiner dritten Auflage nochmals feinere Zwischentöne bei der Dosierung der Elemente. Bei geschlossenem Hardtop lässt sich die Lichtdurchlässigkeit des optionalen Glasdachs variieren. Ein Knopfdruck, und es wird hell im Innenraum des neuen Mercedes SLK. Und auch für’s Offenfahren gibt es eine Light-Variante: Seitenscheiben sowie Windschott hoch und den aus dem Vorgänger bekannten Nackenfön an. Schon ist das Frischluft-Vergnügen nicht mehr an die Laune der Sonne gebunden.  

Für ganzjährig gute Laune sorgt auch die Karosserie. Obwohl nur minimal gewachsen, knüpft der neue Mercedes SLK mit Flügeltürer-Kühler und Hüftschwung an die reiche Tradition des Hauses an. Zudem schluckt er deutlich mehr Gepäck als bisher – bei geschlossenem Dach fast so viel wie ein VW Golf. Ebenfalls groß sind die Fortschritte im Cockpit, wo liebevoll gestaltete Instrumente und chromverzierte Bedienelemente den pragmatischen Viano-Charme vertreiben. Für die Betätigung des Dachmimik-Schalters darf sogar in eine  lederbezogene Schmuckschatulle gegriffen werden – weihnachtliche Bescherungs-Gefühle inklusive.  

Entspanntes Fahren im Mercedes SLK

Auch unterwegs würden sich die Tester von einst die Augen reiben: Ärgerten sie sich im Austin Healey auf schlechten Straßen, nicht „eine andere Route genommen zu haben oder besser gleich zu Hause geblieben zu sein“, schalten sie im Mercedes SLK einfach die Dämpfer auf weich. Der C-Klasse-Abkömmling saugt so kurze Stöße geschickt auf und lässt sich selbst von tiefen Verwerfungen im Asphalt nicht aus der Ruhe bringen. Für zusätzliche Entspannung sorgen wirkungsvoll gedämmte Fahrgeräusche, die stoßfreie Lenkung und eine vorbildliche Sicherheitsausstattung.  Der gelassene Gleiter ist also nicht zum Actionhelden mutiert, woran auch das neue Dynamikpaket (1.416 Euro) mit zackigerer Abstimmung von Fahrwerk und Lenkung nichts ändert.
 
Doch obwohl der Mercedes SLK mit stärkeren Lenkmanövern durch Kehren gezwungen werden will, durcheilt er sie kaum langsamer als die Konkurrenz. Auch bei den Fahrleistungen muss der 306 PS starke SLK nicht abreißen lassen, wohl aber in puncto Klang, Drehwilligkeit und Leidenschaft. Für einen sportlichen Zweisitzer wirkt der 3,5-Liter-V6 überraschend bieder. Zudem versumpft ein Teil seines Temperaments im zähen Ölbad der einzigen Wandlerautomatik dieses Vergleichstests. Ob Mercedes den Direkteinspritzer deshalb unter einer schlichten Kunststoffabdeckung versteckt? 

BMW Z4 bietet echtes Roadsterfeeling

Ganz anders der BMW Z4: Beim Öffnen der Endlos-Motorhaube klappt der halbe Vorderwagen nach oben, weshalb der freigelegte Reihensechser seine Fans schon im Stand in Ekstase versetzt. Wie bei seinen Roadster-Urahnen sitzt der Z4-Pilot fast auf der Hinterachse, muss sich jedoch auch beim Reisegepäck beschränken. Hinter den Passagieren verstaut, lässt das Klapphardtop im BMW Z4 nur 180 Liter Kofferraum übrig.

Dafür entschädigen eine Ski-Durchreiche, perfekt geschnittene Sitze, oberklassige Cockpitmaterialien samt bestem Infotainmentsystem mit zig Zusatzfunktionen bis hin zum W-LAN-Hotspot. Doch der eigentliche Hotspot liegt woanders: Schon beim Anlassen knurrt der Dreiliter-Turbo des BMW Z4 wie ein Kampfhund, dem man den Fressnapf geklaut hat.

BMW Z4 kommt aus dem Tritt

Und zieht auch so an der Leine. Egal ob 1.000 oder 6.000/min anliegen: Vollgas bedeutet im BMW Z4 immer Schub und jede Menge Arbeit für das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, das die Zahnräder mit der Ansatzlosigkeit einer Tontauben-Abschussanlage serviert. Beim gemütlichen Cruisen beherrscht es jedoch auch fein verschliffene Gangwechsel, sofern sich sein Pilot nicht in den fummeligen Schaltpaddeln verheddert.  

Doch der BMW tut sich schwer, querdynamisch zu halten, was Motor und Optik versprechen: Je enger die Kehren und je schlechter der Belag, desto mehr kommt der Z4 aus dem Tritt. Starke Hubbewegungen und das diffuse Handling fordern volle Konzentration des Piloten, der an der zickigen und sterilen Lenkung alle Hände voll zu tun hat, den nervösen Zweisitzer auf Kurs zu halten. Im Pylonen-Parcours kann der BMW Z4 nicht einmal den komfortablen Mercedes SLKS distanzieren.

Porsche Boxster wetzt um die Pylonen

Pylonen? Da kommt doch gleich der Porsche Boxster angebraust. Mit Bestzeiten in allen Fahrdynamik-Disziplinen macht der Boxster S deutlich, warum Mittelmotor-Bauweise und Rennsport seit Jahrzehnten zusammengehören. Seine direkte und gefühlvolle Lenkung verbindet den Fahrer dabei ebenso spielfrei mit dem Asphalt wie das straffe, elektronisch regelbare Fahrwerk. Und dann dieser Motor. Untenrum zurückhaltend, lauert der 310 PS starke Boxer ab 4.000/min auf jedes Gaspedalzucken, um den 1.469 Kilogramm leichten Zweisitzer wegzuschnalzen.

Mit 4,9 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 nimmt der Porsche Boxster dem praktisch gleich starken SLK über eine Sekunde ab. Das Ganze begleitet vom Jubelgeschrei seines 3,4-Liter-Motors und der zackigen Übersetzungsarbeit des Siebengang-PDK, das seit seiner Überarbeitung treffsicherer agiert, sich beim gemütlichen Dahinstreunern jedoch immer noch mal verschluckt. 

Im Boxster sind Nehmerqualitäten gefragt

Mit seiner herb-markanten Art entspricht der Porsche Boxster am ehesten dem puristischen Roadster-Ideal. So hält das dünn gepolsterte Verdeck zwar den Regen ab, nicht jedoch Motor- und Windgeräusche. Zudem muss es als Einziges noch von Hand entriegelt werden, surrt dann jedoch noch bis Tempo 50 in seinen Kasten.

Nehmerqualitäten sind im Porsche Boxster auch angesichts der stößigen Lenkung und des enormen Geräuschpegels bei hohem Tempo gefragt. Im intim geschnittenen Cockpit kommt darüber hinaus rasch die Frage auf, wem eigentlich die Mittelarmlehne gehört, während der zentral angeordnete Motor das Gepäckabteil in zwei Luken aufteilt.

Audi TTS wirft sich mit Leichtigkeit in die Kurven

Fehlt noch der Audi TTS. Mit zwei Zylindern und über 30 PS weniger scheint ihm ohnehin die Rolle des Nachzüglers zuzufallen. Doch nur bis die ersten Meter gefahren sind. Dank feurigem Turbo-Schub wuchtet sich der TTS mühelos aus dem Startblock und zieht allradbewaffnet punchig aus den engsten Kehren. Auch klanglich hält der guttural röhrende 2.0 TFSI wacker im Sechszylinder-Orchester mit. Am meisten beeindruckt jedoch, mit welcher Leichtigkeit sich der Audi TTS in Kurven wirft, wie er im Grenzbereich unaufgeregt und kalkulierbar über alle viere schiebt und sich über die stoßarme Lenkung, die Befehle einfach umsetzt, statt sie zu interpretieren, auf Kurs halten lässt.
 
Auch für das unmittelbar und selbst unter Volllast ruckfrei schaltende Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe des Audi TTS gibt es nur einen Begriff: perfekt. Der Porsche Boxster wedelt zwar noch etwas schneller, lässt sich seine Bestzeiten jedoch hart erarbeiten.  Zur Nervenschonung im TTS trägt darüber hinaus das Akustikverdeck bei, das ebenfalls bis Tempo 50 vor- und zurücksurrt und Windgeräusche gut gedämmt vom schmucken Cockpit fernhält. Dank bequemen Sportsitzen und elektrisch ausfahrbarem Windschott machen selbst längere Ausfahrten Spaß, nur der nicht allzu große, aber unzerklüftete Kofferraum samt Durchlade setzt dem Aktionsrahmen Grenzen.

Audi TTS siegt vor Mercedes SLK, BMW Z4 und Porsche Boxster

Allerdings verrät das antiquiert wirkende, fummelige Navigationsgerät des Audi TTS, dass der seit 2006 gebaute TT nicht mehr der Jüngste ist. Doch Alter schützt vor Siegen nicht. Muss sich der leichtfüßige TTS im Eigenschaftskapitel noch knapp dem komfortablen Mercedes SLK geschlagen geben, sorgen seine geringeren Kosten für den Gesamtsieg. Denn ausstattungsbereinigt kommt er einen ganzen Opel Corsa günstiger als der präzise und kompromisslose Porsche Boxster. Und auch wenn die Tester vor einem halben Jahrhundert mit einem Roadster wie dem BMW Z4 wunschlos glücklich gewesen wären: Im Jahr 2011 verhindert sein diffuses Fahrverhalten, dass der BMW trotz tollem Motor um den Sieg mitfährt.  

Fahrspaß ist nicht vom Motortyp abhängig

Sauger, Turbos, Vier- und Sechszylinder, Letztere in Reihen-, V- und Boxer-Anordnung: Größer könnten die konstruktiven Unterschiede im Motorbereich kaum ausfallen. Umso überraschender, wie wenig sich die Antriebe in der Praxis nehmen. Dank einem bar Ladedruck seines KKK-Turbos kann der Zweiliter im Audi TTS locker mithalten und tönt zudem kehlig-frech. Sparsamer ist er jedoch nicht.

Überhaupt ergeben sich nur geringe Verbrauchsunterschiede. Lediglich der blutleer wirkende V6 im Mercedes SLK genehmigt sich einen Schluck weniger. Mit seinem reaktionsschnellen und drehfreudigen Boxer beschert der Porsche Motorenfans ebenso Gänsehaut wie der aufgeladene Reihensechszylinder des BMW Z4, der bei jeder Drehzahl wuchtig loslegt und dabei herrlich sonor trompetet.

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Fazit

1. Audi TTS Roadster
505 Punkte

Mit leichter Beherrschbarkeit, wuchtiger Allradtraktion und dem besten Doppelkupplungsgetriebe setzt sich der TTS an die Spitze. Zudem kommt er auch noch am günstigsten.

2. Mercedes SLK 350
500 Punkte

Der entspannt zu fahrende und geräumige SLK ist voll und ganz auf Komfort gepolt. Sein braver Motor wirkt in einem sportlichen Zweisitzer jedoch ebenso deplatziert wie die träge Wandlerautomatik.

3. BMW Z4 35i
488 Punkte

Mit seiner klassischen Roadster-Silhouette begeistert der Z4 ebenso wie mit seinem
Dampfhammer-Motor. In den Fahreigenschaften fällt er hingegen spürbar ab.

4. Porsche Boxster S
462 Punkte

Der unverweichlichte Boxster beschert gusseisernen Sportwagenfans die intensivsten Glücksmomente. Dafür kommt er jedoch deutlich teurer.

Technische Daten
Audi TTS Roadster BMW Z4 sDrive35i Mercedes SLK 350 BlueEFFICIENCY Porsche Boxster S
Grundpreis 51.750 € 49.300 € 53.223 € 59.923 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4198 x 1842 x 1350 mm 4239 x 1790 x 1291 mm 4134 x 1810 x 1301 mm 4342 x 1801 x 1294 mm
KofferraumvolumenVDA 250 l 180 l 225 l 280 l
Hubraum / Motor 1984 cm³ / 4-Zylinder 2979 cm³ / 6-Zylinder 3498 cm³ / 6-Zylinder 3436 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 200 kW / 272 PS bei 6000 U/min 225 kW / 306 PS bei 5800 U/min 225 kW / 306 PS bei 6500 U/min 228 kW / 310 PS bei 6400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 250 km/h 250 km/h 272 km/h
0-100 km/h 5,5 s 5,6 s 6,0 s
Verbrauch 7,9 l/100 km 9,4 l/100 km 7,2 l/100 km 9,4 l/100 km
Testverbrauch 12,1 l/100 km 12,2 l/100 km 11,5 l/100 km
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