Auch 2026 müssen wir uns wieder von ein paar Autos verabschieden. Die Gründe dafür sind vielfältig. Oft geht es um Wirtschaftlichkeit oder um Konzernpolitik. Eins haben sie aber alle gemeinsam: Wir werden sie ein bisschen vermissen. Teilweise als günstige Alternative, als wundervolles Nischenfahrzeug oder auch, schlicht und ergreifend, aus nostalgischen Gründen.
Audi A1 / Q2
2010 hatte Audi den Einfall, ein neues Segment zu kreieren: den Lifestyle-Kleinwagen. Das hat anfangs sehr gut funktioniert. Die Nachfrage nach dem Audi A1 war stark. Das beste Jahr auf dem deutschen Markt: 2012 mit insgesamt fast 30.000 Neuzulassungen. Um weiter auf der Erfolgswelle zu schwimmen, legt Audi 2016 den Q2 nach. Das Premium-Kompakt-SUV-Segment ist mit BMW X1 und Mercedes GLA allerdings hart umkämpft und hochwertig besetzt. Trotzdem: Der Q2 etabliert sich – SUV-Boom und Premium-Image sei Dank. Doch was 2017 noch gut funktioniert, stagniert ab 2020. Fünf Jahre später werden in Deutschland mit rund 10.000 Zulassungen nicht mal 50 Prozent des Absatzes aus den besten Jahren erreicht. Das endgültige Aus von A1 und Q2 liegt an Audis Strategiewechsel. Die Margen sind den Ingolstädtern in diesem Segment zu gering, um den Premiumstandard aufrechtzuerhalten.
BMW Z4 (und Toyota Supra)
Das nächste Aus macht Autofans mächtig sentimental. Der Z4 Roadster fällt aus dem Programm. Der BMW Z4 wird im März 2026 eingestellt. Damit endet auch die BMW-Kooperation mit dem Magna-Steyr-Werk in Graz. Eine Final Edition gibt es noch Ende Januar 2026 – zumindest kurzzeitig –, bevor das letzte Fahrzeug vom Band rollt. Die dritte Generation des Z4 entsteht seit 2018 exklusiv in Graz, wo BMW über 55.000 Einheiten baut.
Besonders bitter ist es, wenn man sich die Roadster-Tradition von BMW ansieht. Eine echte Ikone war der BMW 507 in den 50er Jahren. Ein Design-Meisterwerk mit V8-Motor, limitiert auf 252 Exemplare. Er war auch das stilistische Vorbild für den Z8 – Anfang der Zweitausender. Der BMW Z8 wurde von März 2000 bis Juli 2003 in einer speziellen Manufaktur im BMW-Werk München montiert, mit Rohkarosserien aus Dingolfing. Insgesamt entstanden 5.703 Einheiten, angetrieben von einem 400-PS-V8-Motor. Günstig war das natürlich nicht. 235.000 D-Mark kostete der exklusive Roadster. Und noch ein Klassiker von BMW stand für offenen Fahrspaß: der Z1. Die versenkbaren Türen waren zwar DAS Designelement, wenn auch in der Praxis extrem umständlich. Immerhin wurden rund 8.000 Einheiten gefertigt. Mitte der 90er erblickte der Z3 das Licht der Welt. Sieben Jahre lang bot er dem Platzhirsch namens Mazda MX-5 Paroli, bevor er nach gut 280.000 gebauten Exemplaren vom Z4 abgelöst wurde. Diese Ära ist jetzt zu Ende. Es gibt keinen Roadster mehr im BMW-Programm.
Dieser Abschied vom Z4 betrifft auch eine Sportwagenikone aus Japan. Den Toyota GR Supra. Der Z4 und der Toyota sind technische Zwillinge. Beide teilen Plattform, Motoren, Getriebe und werden parallel produziert. Die Kooperation aus dem Jahr 2012 ist damit Geschichte. Aber Toyota hat bereits erklärt, den legendären Namen Supra nicht sterben zu lassen und eine neue Basis – vermutlich vollelektrisch – für ihn zu finden.
Ford Kuga
2026 bedeutet auch das Ende für den Ford Kuga. Eine zu schwache Rendite für ein Auto in diesem Segment ist offiziell die Begründung. Zusätzlich hat Ford seine Elektro-Offensive zurückgefahren und setzt stattdessen stärker auf Hybride, was einen direkten Nachfolger ungewiss macht. Bereits 2025 endet sein amerikanisches Pendant namens Escape. Der europäische Kuga folgt Ende 2026. Ursprünglich war ein E-Kuga geplant, doch hohe Verluste bei Elektroautos stoppten diese Pläne. Dabei sind die drei Generationen Kuga eine absolute Erfolgsgeschichte (lässt man die Zahnriemen in Öl außen vor). Allein in Deutschland wurden insgesamt über 450.000 Exemplare verkauft. Ironischerweise ist der Kuga 2022 noch das beliebteste Ford-Modell und selbst 2024 belegte er im Ford-Ranking Platz 2. Dennoch verlagert Ford seine Ressourcen zu profitableren Modellen wie Explorer und Capri.
Honda Civic Type R
Der nächste Aussteiger ist ein schwerer Schlag für Freunde des Kompaktsports aus Fernost. Der Honda Civic Type R verlässt uns. 30 Jahre lang ist er eines der feinsten Sportgeräte für Kenner des Genres. Sechs Generationen lang hat er uns gut unterhalten. Mit seinem Hochdrehzahlkonzept, seinem auffälligen Auftreten und dem gelebten Beweis, dass Fronttriebler eben auch gute Sportler sein können. Nur ein bis zwei Prozent aller verkauften Civic sind Type R. Aber sie haben ihre Duftmarken hinterlassen. Gab es die erste Generation noch mit 185 PS, hat er sich im Laufe der Jahre auf 310 PS hochgearbeitet. Das Ende verdanken wir verschärften Abgasnormen und den Flottenverbrauchszielen. Ein Hybrid im gleichen Stil auf den Markt zu bringen, erscheint Honda zu aufwendig. Deshalb startet der finale Aufschlag als "Ultimate Edition". Das ist der "Last Call" für alle Fans. Wobei eine kleine Hoffnung bleibt: Das Label Type R soll nicht sterben, aber man erwartet einen radikalen Wandel zu einer vollelektrischen Version, dann wahrscheinlich auf Basis des Prelude.
Hyundai i10
Auch ein beliebter Koreaner verschwindet 2026. Mit dem Wegfall des Hyundai i10 endet die Verbrenner-Ära im A-Segment. 2008 kommt er nach Deutschland und hat sich über drei Generationen viele Freunde gemacht. Seit Einführung bis 2025 werden laut offiziellen Zahlen in Deutschland insgesamt rund 300.000 Exemplare des kleinen Hyundai zugelassen. Kaufentscheidend sind Preis, Alltagstauglichkeit und nicht zuletzt die Ausstattung, die man sonst eher in größeren Autos erwarten würde. Zwei Generationen lang kann Hyundai den Einstiegspreis bei rund 10.000 Euro halten. Erst mit dem Facelift 2023 klettert der Startpreis auf 15.000 Euro.
Der niedrige Preis ist auch der Grund für das Auslaufen des i10. Kleinstwagen mit Verbrenner rechnen sich immer weniger. Und: Konventionelle Kleinstwagen ohne Elektrifizierung verschlechtern die Flottenbilanz. Entsprechend richtet Hyundai das türkische Werk auf die Produktion von Elektroautos aus. Der Inster soll die entstandene Lücke schließen. Das ist ein Wagnis, denn mit einem Startpreis von rund 24.000 Euro liegt er doch deutlich über dem i10. Natürlich hat man mit dem Inster das deutlich moderne und obendrein rein elektrische Auto. Auch Ausstattung, Wartung und moderne Sicherheits-Features rechtfertigen den Mehrpreis von rund 8.000 Euro. Doch es wird spannend, ob die Käufer das genauso sehen.
VW T-Roc Cabriolet
Unkonventionelle Cabriofreunde müssen jetzt stark sein. Mit dem T-Roc Cabriolet verschwindet das letzte Cabrio aus dem VW-Konzern. Damit endet eine über 70-jährige Tradition des offenen Fahrens. Von 2026 an ist das Cabrio als "Nischenfahrzeug" keine Option mehr bei Volkswagen. Letztes Jahr werden zwar noch 12.000 Cabrios verkauft. Das sind aber keine 10 Prozent des Gesamtumsatzes. Der technische Aufwand scheint zu groß, um ein Cabrio im Portfolio zu behalten. Dazu kommt die Schließung des VW-Werks (ehemals Karmann) in Osnabrück. Das sind die Cabrio-Spezialisten im VW-Konzern mit jahrzehntelanger Expertise.
Aus reinen Nostalgiegründen zählen wir ein paar offene Volkswagen nochmal kurz auf. Von den Fünfzigern bis zum Ende der 80er begeistert das Käfer Cabrio. Über 330.000 Exemplare haben eine große Fangemeinde generiert. Dabei sind die Eigenumbauten noch nicht mal eingerechnet. Es folgt die Ära des Erdbeerkörbchens – so der Spitzname des Golf 1 Cabrios. Beginnend in den 80ern bis Mitte der 90er werden vom offenen Golf über 380.000 Exemplare abgesetzt. Das Cabrio basierend auf Golf 3 und 4 hat in fast zehn Jahren immerhin 180.000 Fahrzeuge auf die Straße gebracht. Dagegen sieht die T-Roc-Cabrio-Variante dann doch etwas blass aus. Offizielle Zahlen gibt es zwar nicht, aber man schätzt, dass in den fünf Jahren des Bestehens um die 40.000 Einheiten verkauft wurden. Deutlich zu wenig für die Buchhalter in Wolfsburg.
Mercedes T-Klasse
Mercedes trägt gleich mit mehreren Modellen zur "Liste der Abschiede" bei. Das komplette Segment der Hochdachkombis verschwindet. Man konzentriert sich in Zukunft allein auf das Anbieten von Premiumfahrzeugen. Das hat auch Folgen für die Kooperation mit Renault. Bis dato entstehen die, böse gesagt, "Edel-Kangoos" zusammen mit Renault im gleichen französischen Werk. Das bedeutet das Ende der T-Klasse und auch die Transporter-Variante Citan – sowie ihre elektrischen Derivate – werden eingestellt. 2022 startet die Kooperation mit Renault im Segment der "Small Vans" und sie bleibt hinter den Erwartungen zurück.
Sieht man sich die Verkaufszahlen genauer an, dann offenbart sich gerade bei der T-Klasse das Dilemma. 2023 werden nur circa 7.400 Fahrzeuge verkauft. Damit sind EQT und die T‑Klasse zusammen gemeint. Im Folgejahr sind es gerade mal knapp über 5.000 Fahrzeuge. Mercedes muss die Notbremse ziehen, zumal der gesamte Fokus in Richtung Premium geht. Renault wird aber weiterhin den Kangoo in seinen verschiedensten Formen produzieren und auch der ebenfalls verwandte Nissan Townstar bleibt uns erhalten. Wer also einen Hochdachkombi kauft, wird das in Zukunft ohne Stern tun müssen.












