Nissan Navara D.Cab 2.3 dCi 4x4, Exterieur Rossen Gargolov
Nissan Navara D.Cab 2.3 dCi 4x4, Exterieur
Nissan Navara D.Cab 2.3 dCi 4x4, Exterieur
Nissan Navara D.Cab 2.3 dCi 4x4, Exterieur
Nissan Navara D.Cab 2.3 dCi 4x4, Exterieur 14 Bilder

Nissan Navara D.Cab 2.3 dCi 4x4 im Dauertest

Taugt der Pickup auch noch nach 100.000 Kilometern?

Ein Auto, um Berge zu versetzen? Fast. Denn was hat sich der goldene Nissan Navara im Dauertest nicht alles auf die Pritsche gepackt – von Strandkörben bis Motorrädern. Ob er sich mal zu viel aufgeladen hat über die 100.000 Kilometer?

Männer können nicht über Gefühle sprechen, meinen Sie, verehrte Damen? Oh doch: Denn, herrje, wenn ein Dauertestauto geht, bleiben uns doch oft nur Erinnerungen, die mit der Zeit langsam verblassen. Nicht so beim Nissan Navara. Denn dass die Lücke, die der Truck hinterlässt, viel größer ist als die 9,8 Quadratmeter seiner Grundfläche, liegt daran, dass die Welt voller wunderbarer Sachen und Gelegenheiten ist – nur erstaunlich selten da, wo man selbst ist. So stand das Brennholz einst noch als Baum im Wald, das Motorrad in Schleiz und der Strandkorb auf Sylt. Jetzt ist alles hier, auch als greifbare Erinnerungen daran, dass der Nissan Navara über 100.000 km und zwei Jahre die Möglichkeiten nicht nur des Sperrgut-Transports, sondern auch des Lebens erweiterte.

Nun dürfen wir zugeben, dass wir den Nissan Navara beim Start voll Euphorie empfangen. Dass sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines 5,33 Meter langen goldenen Pickups gerade bei Männern mittleren Alters nie stellt, werden Psychologen auf unsere kindliche Sozialisierung durch „Ein Colt für alle Fälle“ schieben. Pah, Psychoquatsch, würden der Dralle, der Lingner, der Renz und andere entgegnen. Es liegt an unserer erhöhten Sensibilität für die Versprechen des Lebens, die sich mit einem Truck erst so richtig erfüllen lassen.

Zahlreiche Transportaufgaben

Wir nutzen den Nissan Navara für viele Geschichten: Clemens transportiert Motorräder, Jens zieht Zehn-Meter-Wohnwagen durchs Land, Thiemo holzt einen Forst ab und packt ihn auf die Ladefläche, auf der ein andermal ein Strandkorb vertäut und von Sylt nach Stuttgart chauffiert wird. Zudem machte sich der Pickup als Range Extender für Elektroautos verdient. Wir wollen da keine Namen nennen, aber mitunter erreichen die Stromer das Ende ihrer Akkureserven eher als ihr Ziel. Dann schickt die Testabteilung den Truck mit einem Trailer los, um das E-Mobil heimzuholen. Watt auch passiert, auf den Nissan Navara ist Verlass – bis auf einmal, dazu später.

Nissan Navara D.Cab 2.3 dCi 4x4, Interieur
Hans-Dieter Seufert
„Beste Aussichten im Navara – daher kommt man auch in der Stadt mit ihm klar“ – Jonas Greiner, Fotoredakteur

Zunächst gilt es, darauf hinzuweisen, dass selbst jene, die dem Nissan Navara nicht gleich mit Begeisterung begegnen, schnell mit ihm zurechtkommen. In seiner Größe und Sperrigkeit mag er Altstädten und Parkhäusern mit gewisser Grundskepsis gegenüberstehen. Aber wegen der guten Rundumsicht aus erhabener Höhe und der – wenn ihre Linse mal nicht verschmutzt ist – cleveren Parkkamera lässt er sich mit etwas Routine in erstaunlich knappe Lücken kurbeln. Dazu tritt er in festlicher Tekna-Ausstattung an, mit nicht gerade modernst aufgestellter Infotainment- und Assistenzabteilung sowie belederten, aber nicht übermäßig bequemen Sitzen. Sie schaffen eine milde Behaglichkeit, ohne die grundsätzliche Rustikalität des Interieurs zu kompromittieren.

Enger Fond

Diese betrifft auch den Komfort im Fond. So gern wir die fünfsitzige Doppelkabine als Familienauto empföhlen, im knappen Fond sitzt es sich doch gedrängt. Besser nutzt man ihn zur Aufbewahrung von Gepäck, das nicht auf der Ladefläche herumrutschen soll. Die bedeckt erst ein Klappdeckel, welcher sich – durchaus systembedingt – beim Transport höherer Ladegüter nicht schließen lässt. So rüsten wir bald auf das schwergängige, aber viel praktischere Rollo um.

Nissan Navara D.Cab 2.3 dCi 4x4, Exterieur
Sebastian Renz
Der Deckel zum Klappen war eher ungeschickt für den Transport, viel besser: das nachgerüstete Rollo.

Damit geht es auf große Reisen, die sich im Nissan Navara in resoluter Bequemlichkeit vollziehen – mit Federn beginnt die Hinterachse erst ab ein paar Zentnern Zuladung. Der Vorderachse gelingt das umgänglicher, aber auf die drückt ja immer der 2,3-Liter-Turbodiesel. Mit 190 PS und 450 Newtonmeter drängt er den 2,2 Tonnen schweren Nissan Navara selbst mit Anhänger wuchtig voran, freundlich assistiert von der Automatik. Die wählt besonnen aus ihren sieben Stufen, ohne je der Dynamik anheimzufallen. Durchaus passend, schließlich hangelt sich der Nissan Navara mit schwerer Seitenneigung, aber schmächtiger Präzision in der Lenkung um Kurven. Alles bestens bei der Traktion, selbst wenn der Truck rein hinterradgetrieben fährt. Nur auf rutschigem Untergrund dürfen Allrad und die optionale Differenzialsperre an der Hinterachse aktiv werden. Dann wühlt sich der Pickup selbst durch wüsteste Gegenden, sogar die nördlich von Schorndorf.

Schwachpunkt Bremsen

Doch bei aller Begeisterung für den Truck, das mit den Bremsen geht gar nicht: Die verzögern schwach – aus 100 km/h braucht er ohne Zuladung mit kalter Anlage 40 Meter. Dazu der hohe Verschleiß: Nach 30.000 Kilometern sind die vorderen Beläge runter, nach 70.000 Scheiben plus Beläge vorn. An der Hinterachse verzögert der Nissan Navara mit Trommeln, erst seit dem Facelift im Juli 2019 hat er rundum Scheiben.

Die sollten nun auch engagiertere Autobahnfahrten besser verkraften. Auf solchen spricht der nach Euro 6b abgasreine Motor übrigens beherzt dem AdBlue zu. Über 100.000 Kilometer benötigt er 179 Liter AdBlue – rund doppelt so viel wie andere Diesel. Immerhin lässt es sich leicht über einen eigenen Einfüllstutzen auffüllen und stellt mit 80 Cent/Liter keinen hohen Kostenfaktor. Überhaupt geht dieses durchaus große, schwere, aerodynamisch unambitionierte Auto sorgsam mit den Finanzen um.

Nissan Navara D.Cab 2.3 dCi 4x4, Exterieur
Stefan Cerchez
Und wann muss man Tanken? Meist alle 700 Kilometer – links wird der Diesel eingefüllt und rechts AdBlue.

Die 10,1 Liter Diesel auf 100 Kilometer erklären sich auch damit, dass der Truck oft flott, mit Anhänger, viel Zuladung oder allem zusammen unterwegs ist. Ohne Eile, Hänger und Ballast genügen 8,2 Liter/100 Kilometer. Die Kosten für die drei Inspektionen und den Bremsentausch liegen mit 2.034 Euro bei günstigen 2,0 Cent/Kilometer. Nur 2,3 Liter Motoröl müssen zwischen den festen Werkstattterminen nachgefüllt werden. Allerdings legt der Truck drei ungeplante Boxenstopps ein: Bei 51.067 Kilometer plätschert Kühlwasser aus einem aufgescheuerten Schlauch, der Nissan Navara muss in die Werkstatt geschleppt werden. Rund 25.000 Kilometer später tropft Öl durch ein rissiges Ladeluftrohr – wieder in die Werkstatt. Und bei Kilometerstand 79.434 gleich noch einmal, weil das Frontradar erneut ausfällt und auf Garantie ausgetauscht wird.

So richtig auf dem Radar haben wir es nicht, dass der Nissan Navara ein paar Wochen später schon fertig ist mit dem Dauertest und einfach abgeholt wird. Wer uns fragt: „Na, vara gut?“, dem antworten wir: „Ja, aber manchmal auch ein bisschen zu vertruckt.“

Vor- und Nachteile

  • Hohe Zuladung und Anhängelast
  • Langstreckenakzeptabler Komfort
  • Kerniger Vierzylinder-Diesel mit genügend Kraftreserven
  • Besonnen, aber treffsicher schaltende Siebenstufenautomatik
  • Sehr gute Traktion bei zugeschaltetem Allradantrieb
  • Einfache Grundbedienung
  • Sichere Fahreigenschaften – trotz Vermeidung von Handling
  • Vorn gutes und im Fond noch ausreichendes Raumangebot
  • Immerhin kleine Auswahl an Sicher- heitsassistenzsystemen, LED-Licht
  • Gute Rundumsicht, Rückfahrkamera
  • Pflegeleichtes Interieur
  • Ohne Beladung harsche Federung, vor allem an der Hinterachse
  • Steile Rückbanklehne, kurze Bank
  • Hoher Bremsenverschleiß, unterdurchschnittliche Verzögerung
  • Veraltetes Navi ohne Echtzeitdaten
  • Sperriger Wendekreis
  • Rückfahrkamera verschmutzt leicht
  • Hakeliges Schloss an Laderollo
  • Häufiges AdBlue-Nachfüllen nötig

Fazit

Aller Laster Anfang – War klar, dass der Nissan Navara ein besonderes Dauertest-Auto sein würde. Aber wir wollten eben sehen, wie das klappt mit einem Pickup im Alltag. Da brillierte der zupackende, gar nicht mal so herbe und ungelenke Nissan Navara mit Tatkraft und – mit einer Ausnahme – guter Zuverlässigkeit. Bei Assistenz, Infotainment und Bremsen war die Modellpflege überfällig

Technische Daten

Nissan Navara Double Cab 4x4 Acenta
Grundpreis 48.900 €
Außenmaße 5330 x 1840 x 1805 mm
Hubraum / Motor 2299 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 140 kW / 190 PS bei 3750 U/min
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Verbrauch 6,9 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Nissan Navara
Artikel 0 Tests 0 Generationen 0 Videos 0
Alles über Nissan Navara
Mehr zum Thema Pickups
10/2020, VW Amarok W580 von Walkinshaw Performance
Tuning
10/2020, 2017 Ford F-250 von Elite Customs Auto Body
Tuning
Ram 700 Pickup
Neuheiten