Volvo V60 Plug-in-Hybrid im Test

Allrad-Diesel unter Strom

Volvo V60 D6 AWD, Frontansicht, Strom tanken Foto: Hans-Dieter Seufert 19 Bilder

Surren und Nageln: Der Volvo V60 Plug-in-Hybrid ist der weltweit erste Powerdiesel mit Elektro-Ladebuchse. Verbindet er die alte und neue Antriebswelt überzeugend?

Wollen Sie mal den Finanzvorstand einer Automobilfirma stöhnen hören? Dann sagen Sie einfach Diesel, Plug-in und Hybrid. In diesem Technik-Trio vereint sich so ziemlich alles, was im volksnahen Autobau als teuer gilt: moderne Turbodiesel, große Lithium-Ionen-Batterie und starke Elektromotoren nebst aufwendiger Hochvolt-Steuerung. Damit erklärt sich, wieso ein Mittelklässler wie der Volvo V60 mit Ladebuchse volksferne 56.900 Euro kostet. Wer hier mit spitzem Bleistift rechnet, kommt bei fast 10.000 Euro Aufpreis zum Basis-Volvo V60 D5 nie auf schwarze Zahlen.

Kompletten Artikel kaufen
Test Volvo V60 D6 AWD Was kann der Strom-Diesel?
Sie erhalten den kompletten Artikel (inkl. PDF, 4 Seiten)
1,99 €
Jetzt kaufen

Doch das war nicht das Ziel, wie der Technische Direktor Per-Arne Reinholdsson erläutert: „Wir wollten für Europa ein kompromissloses Top-of-the-line-Produkt bauen, mit dem wir das eine können – leise und lokal emissionsfrei fahren –, ohne das andere zu lassen: Reichweite und Dynamik erreichen.“

Volvo V60 Plug-in Hybrid, Heckansicht
Fahrbericht Volvo V60 D6 AWD Plug-in 2:44 Min.

Volvo V60 Plug-in-Hybrid erzieht den Fahrer

Gut, ein Druck auf die „Pure“-Taste startet den reinen Elektroantrieb: Der Volvo V60 Plug-in-Hybrid surrt nun mit seinem drei Zentner schweren 11,2-kWh-Akku (brutto) und einem an der Hinterachse stationierten 50-kW-Synchronmotor. Nach unseren Messungen kommt der Kombi-Schwede zurückhaltend pilotiert bis zu 47 km weit. Wobei er dafür acht Kilowattstunden nutzt. Was einem Stromverbrauch von 21,7 kWh/100 km oder Kosten von zirka 6,10 Euro auf dieser Strecke entspricht. Das schafft ein sehr sparsamer Diesel zwar auch, aber nicht auf diese Weise: Leise und fast vibrationsfrei gleitet er durch die Stadt, und der Volvo V60 Plug-in-Hybrid-Fahrer genießt quasi ansatzloses Beschleunigen. Der E-Antrieb macht einen anderen Fahrer aus dir – ausgeglichener, vorausschauender, aber mit dem gleichen sportlichen Ehrgeiz. Nicht mehr schneller ankommen ist das Ziel, sondern weiter elektrisch fahren. Was in Kurven mutig Tempo halten bedeutet. Dabei sollte der Fahrer nicht schlagartig vom Fahrpedal, denn der eben noch brav untersteuernde, recht komfortable Familientransporter Volvo V60 Plug-in-Hybrid keilt dann sportlich mit dem Heck aus. Die gefühllose Lenkung zügelt aber dynamischen Übermut.

Volvo V60 Plug-in-Hybrid fordert sanften Gasfuß

Der Volvo V60 Plug-in-Hybrid rekuperiert bis zu einer Verzögerung von 0,3 g, dann übernimmt die mechanische Bremse, was leider das hybridtypisch künstliche Bremspedalgefühl erzeugt. Noch effektiver ist es, einfach Schwung zu nutzen, denn der Lade- und Entladeprozess in die Batterie kostet Strom. So segelt der Volvo V60 Plug-in-Hybrid bis zu 120 km/h auch auf Autobahnen mit elektrischer Unterstützung. Ein äußerst sanftes Pedalfüßchen vorausgesetzt. Über 60 km/h ebbt der Vortrieb im reinen Elektromodus spürbar ab. Wer sich über die Antriebsstatus-Anzeige knapp an der Grenze zum Anspringen des nur die Vorderräder treibenden Diesels entlanghangelt, braucht über 30 Sekunden von null auf 100 km/h.

Diese Übung gelingt im Hybrid-Modus in 7,2 Sekunden und im „Power“-Modus in 6,7 Sekunden. Hier wuchten die 215 Diesel- und 68 Elektro-PS den Zweitonner Volvo V60 Plug-in-Hybrid bis maximal 150 km/h gemeinsam nach vorne. Etwas missmutig aus der Elektro-Sänfte gerissen, nimmt man in beiden Modi die Selbstzünder-Vibrationen wahr. Der 2,4-Liter-Fünfzylinder benimmt sich im Volvo V60 Plug-in-Hybrid aber beileibe nicht wie ein rauer Bursche. Er startet dank dem integrierten Starter-Generator mit starken 144 Nm (400-Volt-Versorgung) relativ sanft.

Mit seinen 440 Nm zieht auch der D5-Motor einen ganzen Ochsen vom Teller. Das knurrige Fünfzylinder-Laufgeräusch kitzelt dabei das Trommelfell, und der Durchzug wirkt mächtig. Was kein Widerspruch zum E-Antrieb sein muss: iTunes wie Plattenspieler sind auf ihre Weise auch cool.

Richtig sparsam nur mit Stromunterstützung

Schrittweise Elektrifizierung ist der richtige Antriebs-Ansatz, selbst wenn die reine Elektromobilität gerade stocken mag. Spätestens wenn in nicht allzu ferner Zukunft Gesetze und Städte zwingend lokale Emissionsfreiheit einfordern.

Richtig Strecke macht man jedoch nur mit flüssigen (oder gasförmigen) Energieträgern. Der V60 Plug-in-Hybrid genehmigt sich bei leerer Batterie zwischen 5,3 L/100 km (Sparrunde) und rund acht Liter (Testverbrauch). Umgerechnet auf das auto motor und sport-Profil eines Autofahrers mit 15.000 km im Jahr und hohem Kurzstreckenanteil entspricht das sensationellen 1,4 Liter Diesel und 15,8 kWh Strom pro 100 km. Vorausgesetzt, der Akku lässt sich zu Hause und am Arbeitsplatz in 3,5 Stunden an einer 230-Volt-Steckdose wieder vollladen.

Wer es auf langen Strecken einfach dieselnd fliegen lässt, jagt jedoch schnell mal über neun Liter Öl durch die Common-Rail. Dafür rennt der Volvo V60 Plug-in-Hybrid-Kombi bis zu 230 km/h.

Bei allem High-Tech bleibt der Volvo V60 Plug-in-Hybrid mit seiner unprätentiösen Art ein typischer Volvo. Was leider auch die reichlich verzwickte Menüstruktur betrifft. Das Kofferabteil muss zudem 126 Liter an den Akku abtreten. Dafür entschädigt Volvo seine Plug-in-Botschafter mit dem Ambassador-Programm, das bei Liegenbleibern Hotel-Übernachtungen bis 200 Euro pro Nacht und sogar Business-Klasse-Rückflüge verspricht. Sehen Sie, jetzt schwitzt der Finanzvorstand auch noch.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Raumangebot
  • umfangreiches Ausstattungsniveau
  • gute Qualitätsanmutung
  • praktische Ablagen und Halter
  • komplizierte Infotainment-Steuerung
  • kleiner Kofferraum
  • eingeschränkte Rundumsicht nach hinten
Fahrkomfort
  • leiser und sanfter Elektromodus
  • bequeme Sitze
  • angenehme Federung
  • etwas ruppiges Abrollverhalten
Antrieb
  • sehr gute Fahrleistungen
  • kräftiger Durchzug
  • komfortable Automatik
  • sehr sanftes Start-Stopp
Fahreigenschaften
  • gute Traktion (bis 150 km/h Allradantrieb)
  • gute Fahrdynamik
  • neigt zu Lastwechselreaktionen
  • gefühllose Lenkung
  • stumpfes Bremspedalgefühl
Sicherheit
  • City Safety
  • zahlreiche Assistenzfunktionen
Umwelt
  • lokal emissionsfrei
  • niedrige CO2-Emissionen
  • niedriger Verbrauch
  • erfüllt nicht die Euro 6-Norm (kein Stickoxid-Katalysator)
Kosten
  • sehr niedrige Stromkosten auf Kurzstrecken
  • Ambassador-Service
  • hoher Anschaffungspreis

Fazit

Der Volvo Plug-in ist teuer und schwer, aber wie er den Spagat zwischen sanfter Elektromobilität und druckvoll-effizientem Dieselvortrieb schafft, ist beeindruckend und zukunftweisend.

Technische Daten
Volvo V60 Plugin Hybrid Pure Limited
Grundpreis 56.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4628 x 1865 x 1484 mm
KofferraumvolumenVDA 304 bis 1120 l
Hubraum / Motor 2400 cm³ / 5-Zylinder
Leistung 206 kW / 280 PS bei 4200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h
0-100 km/h 6,7 s
Verbrauch 1,9 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Racechip Hyundai i30 N - Tuning - Kompaktsportwagen Racechip-Hyundai i30 N im Test 320 Tuning-PS im Kompakten
Beliebte Artikel Volvo V60 Plug-in-Hybrid, Frontansicht Volvo V60 Plug-in-Hybrid Nordische Kombination mal anders Citroen DS5 Hdi 165, Volvo V60 D3, Frontansicht Citroën DS5 und Volvo V60 Große Klappe, Individualität dahinter
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen Alpine A110 Première Edition, Exterieur Sportwagen-Neuzulassungen Oktober Alpine vor E Coupé und Mustang 190 E, 3.2 AMG-C32, C43 AMG, Exterieur 190E 3.2, C 32, C 43 AMG AMG-Sechszylinder aus 3 Epochen
Allrad Jeep Gladiator Concept 2005 Jeep Wrangler Pickup Neuer Pickup-Jeep für 2019 Seat Ateca Schnee Winter SUV Die 30 billigsten 4x4-SUV Winter-SUV bis 30.000 Euro
Oldtimer & Youngtimer Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Porsche Classic Carrera GT Supersportwagen besser als neu Renault 19 (1988) Renault 19 (1988-1995) 30 Jahre und fast verschwunden
Promobil Schlafsäcke Test Mantelschlafsäcke im Test Wohlig warm in der kühlen Zeit Advertorial Truma Gut gerüstet für den Winter Kleines Heizungs-Einmaleins
CARAVANING Campingplatz Oakdown Campingplatz-Tipps Südengland Traumhafte Urlaubsorte Badebucht im Zingaro-Nationalpark Campingplatz-Tipps Sizilien Schöne Sonnenstunden auch im Winter