1. Gesetzentwurf in den USA: Elektronische Türgriffe vor dem Aus?

1. Gesetzentwurf in den USA
Elektronische Türgriffe vor dem Aus?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 09.01.2026
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Türgriff China Bann
Foto: ArturNyk und filo via Getty Images

Im Fokus stehen vor allem Konstruktionen, die bei Stromausfall oder nach Unfällen nicht mehr zuverlässig funktionieren.

Ausgangspunkt ist der sogenannte SAFE Exit Act, den die demokratische Kongressabgeordnete Robin Kelly eingebracht hat. Der vollständige Titel lautet "Securing Accessible Functional Emergency Exit Act". Unterstützt wird das Vorhaben von der Verbraucherorganisation Consumer Reports. Ziel des Gesetzentwurfs ist es, sicherzustellen, dass Fahrzeugtüren im Notfall schnell, eindeutig und ohne technische Hürden geöffnet werden können.

Notöffnung auch ohne Stromversorgung gefordert

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Türgriffe künftig so ausgelegt sein müssen, dass sie auch bei einem vollständigen Ausfall der Bordelektrik funktionsfähig bleiben. Konkrete technische Vorgaben enthält das Gesetz noch nicht. Stattdessen soll das US-Verkehrsministerium entsprechende Anforderungen in den bundesweiten Sicherheitsstandards für Kraftfahrzeuge definieren. Nach Abschluss dieses Regelverfahrens hätten Hersteller zwei Jahre Zeit für die Umsetzung.

Neben der grundsätzlichen Funktionsfähigkeit fordert der Entwurf auch eine bessere Erkennbarkeit der Türgriffe. Gemeint sind unter anderem eindeutige Markierungen, eine stärkere Vereinheitlichung der Bedienlogik sowie mechanische Redundanzen. Damit soll verhindert werden, dass Insassen oder Rettungskräfte im Ernstfall Zeit verlieren, weil sich Türen nicht intuitiv öffnen lassen.

Tesla ausdrücklich genannt

In der Begründung des Gesetzentwurfs wird Tesla ausdrücklich erwähnt. Hintergrund sind mehrere schwere Unfälle, bei denen Insassen nach Kollisionen im Fahrzeug eingeschlossen gewesen sein sollen. Berichte, unter anderem von Bloomberg, führen mindestens 15 Todesfälle auf Situationen zurück, in denen elektronische Türgriffe nach einem Ausfall des Niedervolt-Systems nicht mehr funktionierten.

Auch frühere Aussagen aus dem Unternehmen werden in der aktuellen Debatte wieder aufgegriffen. Demnach galt die Einführung ausfahrbarer Türgriffe intern als technisch aufwendig und sicherheitskritisch. Dennoch setzte sich das Design durch und wurde über mehrere Modellgenerationen hinweg beibehalten.

Internationale Entwicklung verstärkt den Druck

Die Diskussion beschränkt sich nicht auf die USA. Kurz zuvor hatten chinesische Behörden angekündigt, künftig strengere Vorgaben für elektronische und versenkbare Türgriffe einzuführen. In China sollen Konstruktionen ohne klar erkennbare mechanische Notöffnung künftig nicht mehr zugelassen werden. Der Schritt gilt als Reaktion auf ähnliche Sicherheitsbedenken und betrifft ebenfalls zahlreiche internationale Hersteller.

Da China und die USA zu den weltweit größten Automärkten zählen, könnte sich daraus ein erheblicher Anpassungsdruck für die Industrie ergeben. Hersteller wie Rivian haben bereits angekündigt, ihre Türgriffsysteme zu überarbeiten. Auch bei Tesla wurden Änderungen an neueren Modellen in Aussicht gestellt.

Auswirkungen auf künftige Fahrzeugkonzepte

Ein vollständiges Ende flächenbündiger oder versenkbarer Türgriffe gilt als unwahrscheinlich. Erwartet wird jedoch, dass Hersteller künftig sichtbare und klar verständliche mechanische Öffnungsmöglichkeiten vorsehen müssen. Das betrifft sowohl den Zugang von außen als auch die Notöffnung von innen.

Für Rettungskräfte würde eine stärkere Standardisierung bedeuten, dass Fahrzeuge verschiedener Marken im Ernstfall schneller geöffnet werden können.

Fazit