14 Supercar-Besitzer angeklagt: Kalifornien geht massiv gegen Montana-Trick vor

Kalifornien geht massiv gegen Montana-Trick vor
14 Supercar-Besitzer angeklagt

ArtikeldatumVeröffentlicht am 17.03.2026
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McLaren Elva
Foto: Patrick Gosling / McLaren / KI-Bearbeitung / Gregor Hebermehl

Kalifornien geht gegen einen Steuertrick vor, der unter Besitzern teurer Supersportwagen seit Jahren beliebt ist. Die Behörden haben jetzt 14 Personen wegen Steuerhinterziehung angeklagt, weil sie Luxusautos offiziell in Montana registriert haben sollen, obwohl die Fahrzeuge tatsächlich in Kalifornien unterwegs sind – darüber berichtet das US-Portal The Drive.

Die Anklage umfasst 56 Vorwürfe, darunter Verschwörung, falsche Steuererklärungen, Meineid und Geldwäsche. Nach Angaben der Ermittler haben die Luxusfahrzeuge einen Gesamtwert von mehr als 20 Millionen Dollar (aktuell umgerechnet zirka 17,5 Millionen Euro), auf die die Käufer insgesamt rund 1,8 Millionen Dollar (1,6 Millionen Euro) Verkaufssteuer hätten zahlen müssen.

Luxusautos mit Montana-Kennzeichen im Visier der Steuerfahnder

Der Hintergrund ist ein in den USA bekanntes Steuerschlupfloch: Das sogenannte Montana-License-Plate-Loophole – "Loophole" bedeutet in diesem Fall eine Gesetzeslücke. Bei dem Trick melden Besitzer ihre Fahrzeuge über eine LLC (Limited Liability Company) – eine US-Unternehmensform ähnlich einer GmbH – im Bundesstaat Montana an.

Montana erhebt keine Verkaufssteuer auf Autos, während sie in Kalifornien meist zwischen sieben und mehr als zehn Prozent des Fahrzeugpreises beträgt. Wer also einen Supersportwagen für eine Million Dollar (870.000 Euro) kauft, kann allein bei der Steuer 70.000 Dollar (61.200 Euro) oder mehr sparen.

Dieses Einsparpotenzial scheint für einige wohlhabende Käufer unwiderstehlich zu sein – offensichtlich sind sie sogar bereit, dafür das Risiko einer Strafverfolgung einzugehen.

Wie der Montana-Steuertrick funktioniert

Der Ablauf des Montana-Tricks ist relativ simpel:

  1. Der Käufer gründet eine LLC in Montana (kostet 35 Dollar (30 Euro), bei Nutzung von Dienstleistern 200 bis 370 Dollar (175 bis 325 Euro))
  2. Diese Firma wird als offizieller Eigentümer des Fahrzeugs eingetragen.
  3. Das Auto erhält Kennzeichen aus Montana.
  4. Dadurch entfällt die kalifornische Verkaufssteuer.

Legal ist der Trick nur, wenn der Besitzer das Fahrzeug überwiegend außerhalb Kaliforniens fährt. Kommt der Wagen dagegen dauerhaft in Kalifornien zum Einsatz oder ist dort abgestellt, muss sein Eigentümer ihn auch dort zulassen und versteuern.

Zur Untermauerung ihrer Behauptung, Händler hätten die Fahrzeuge nach Montana geliefert, haben einige der Beschuldigten laut Anklage gefälschte Transportdokumente eingereicht.

Porsche 918 Spyder (2014)
Remi Dargegen/RM Sotheby's

Millionen-Supersportwagen im Mittelpunkt

Die Ermittler nennen eine ganze Reihe exklusiver Fahrzeuge, die Teil der Steuerhinterziehung sein könnten, darunter:

  • Porsche 918 Spyder
  • Ferrari F12tdf
  • Ferrari SF90
  • Ferrari 488 Pista
  • Lamborghini Aventador Ultimae
  • McLaren Elva
  • McLaren 765LT Spider

Auch Luxus-SUVs wie Lamborghini Urus, BMW X7 oder Mercedes-AMG GLE 63 S tauchen in den Dokumenten auf – diese SUV gelten bei einigen Auto-Enthusiasten in den USA häufig als Fahrzeuge von sogenannten Krypto-Millionären. Während viele der genannten Sportwagen zwischen 300.000 und 600.000 Dollar (262.000 und 524.000 Euro) kosten, betrug der Neupreis des McLaren Elva zirka 1,7 Millionen Dollar (1,5 Millionen Euro).

Ermittler stoßen auf belastende Nachrichten

Die Ermittlungen führen mehrere Behörden gemeinsam durch, darunter das kalifornische Justizministerium, die Zulassungsbehörde DMV (Department of Motor Vehicles) und die Steuerbehörde CDTFA (California Department of Tax and Fee Administration). Laut Anklageschrift fanden Ermittler Textnachrichten, in denen Beteiligte über gefälschte Dokumente sprechen oder ausdrücklich den "Montana-Trick" erwähnen.

Ferrari F12tdf, F12 tdf, Tour de France, Fahrbericht
Achim Hartmann

Hunderte Autohändler ebenfalls im Fokus

Der Fall könnte noch eine deutlich größere Dimension haben. Die Behörden geben an, dass sie seit 2023 rund 2.500 Fahrzeugverkäufe registriert haben, bei denen die Käufer angaben, ihre Autos in Montana zu nutzen. Insgesamt stehen nahezu 500 Autohändler wegen einer möglichen Beteiligung an der vermuteten Steuerhinterziehung unter Beobachtung.

Viele dieser Verkäufe betreffen hochpreisige Fahrzeuge aus dem Luxussegment. Die Behörden schätzen, dass Kalifornien dadurch mehr als zehn Millionen Dollar (8,7 Millionen Euro) Verkaufssteuer pro Jahr verliert. Die Ermittlungen haben bereits über 2,3 Millionen Dollar (2,01 Millionen Euro) an nachträglich eingetriebenen Steuern und Gebühren eingebracht.

Wohnorte von Tech-Milliardären


Das Problem beschränkt sich nicht nur auf Kalifornien. Auch in Bundesstaaten wie Washington und Colorado berichten Behörden seit Jahren von auffällig vielen Fahrzeugen mit Montana-Kennzeichen – und gehen jetzt dagegen vor. Dass ausgerechnet diese Staaten betroffen sind – und nicht zwingend jene mit den höchsten Verkaufssteuern (aktuell hat Louisiana mit 10,11 Prozent die höchste kombinierte Verkaufssteuer) – liegt vor allem an der Struktur der Autokäufer. In Kalifornien haben die Tech-Konzerne des Silicon Valley viele Menschen außergewöhnlich reich gemacht, das gleiche gilt für die Tech-Szene im US-Bundesstaat Washington – Microsoft, Amazon, die Expedia Group und Nintendo of America haben dort beispielsweise ihre Hauptquartiere.

McLaren Elva
Patrick Gosling / McLaren

In Colorado sind ebenfalls viele Tech-Unternehmen und Start-ups beheimatet, die außergewöhnlich gut bezahlte Jobs bieten. Hinzu kommen Milliardär-Ski-Resorts wie beispielsweise Aspen – allein dort sollen 80 Milliardärs-Haushalte Immobilien im Wert von mehreren Milliarden Dollar besitzen. Was den Autobesitz in Colorado eine Idee teurer macht: Fahrzeughalter müssen dort eine jährliche Steuer zahlen, die sich nach dem Fahrzeugwert richtet und mehrere tausend Dollar betragen kann.

In Washington kommt allerdings relativierend hinzu: Der Bundesstaat liegt relativ nahe bei Montana – die kürzeste Entfernung zwischen beiden Staaten beträgt Luftlinie 46 Meilen (74 Kilometer). Fahrzeuge mit Montana-Kennzeichen sind dort also weniger exotisch als etwa in Südkalifornien – viele Pendler haben so ein Kennzeichen.

Fazit