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Trotz Corona-Krise bei Daimler: Källenius hält an CO2-Neutralität fest

Trotz Corona-Krise bei Daimler Källenius hält am Ziel der CO2-Neutralität fest

Daimler braucht laut CEO Ola Källenius abgesehen von der Unterstützung für die Kurzarbeit trotz Corona kein Geld vom Staat, setzt aber wohl auf neue Milliarden-Kredite. Im Hintergrund droht eine Übernahme durch den chinesischen Geely-Konzern. Källenius will das Thema CO2-Reduktion auch in der Krise nicht aus den Augen verlieren.

Täglich überschlagen sich die Meldungen zu Werksschließungen, wirtschaftlicher Apokalypse, Rettungspaketen und drohenden Pleiten. Wenig verwunderlich: Daimler ist einer der Protagonisten in der Flut neuer Wirtschaftsnachrichten. Wie Bloomberg berichtete, versucht sich der Autokonzern aktuell, neue Bankkredite zu beschaffen. Die Rede war von einer Größenordnung zwischen 10 und 15 Milliarden Euro.

Die neue Kreditlinie käme zu einem bestehenden, vor zwei Jahren abgeschlossenen und auf einen Zeitraum bis 2025 angelegten Kreditpaket von elf Milliarden Euro hinzu. Mit der Maßnahme sollen die finanziellen Rücklagen von Mercedes-Benz-Pkw und -Lkw gestärkt werden, um die Folgen der Corona-Pandemie mit all ihren Auswirkungen abzufedern.

Investitionen in Dekarbonisierung trotzt Corona-Shutdown

Geld braucht Källenius aber auch langfristig für die Transformation seines Konzerns. Dabei gehe es vor allem um Dekarbonisierung und Digitalisierung. Auf linkedin postete der Manager einen Beitrag, den am 19. April 2020 die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung veröffentlicht hatte. Darin schreibt der CEO: "Der Erfolg bei der Digitalisierung entscheidet über die Zukunft vieler Unternehmen, der Erfolg bei der Dekarbonisierung entscheidet über die Zukunft unseres Planeten". Und ja, für die Dekarbonisierung müsse man erstmal viel Geld in die Hand nehmen, aber der Kampf gegen die Pandemie dürfe keine Ausrede beim Kampf gegen den Klimawandel sein. Vielmehr müsse man aus dem Vorgehen gegen Corona lernen: Ein hochrangiger Regierungsbeamter habe es auf den Punkt gebracht: "Covid-19 entwickelt sich exponentiell, deshalb dürfen wir nicht linear denken." Dasselbe gelte fürs Klima. "Den Point of no Return dürfen wir nicht verpassen, auch wenn viele die heftigsten Symptome des Klimawandels heute noch nicht spüren", so Källenius.

Mercedes wolle "bis 2039 weltweit eine CO2-neutrale Pkw-Neuwagenflotte anbieten". Alle neuen Daimler-Nutzfahrzeuge sollten bis dahin auf den meisten Märkten im Gebrauch CO2-neutral sein. Die Elektrifizierung des Fahrzeug-Portfolios gehöre "zu den zentralen Themen, die wir auch jetzt vorantreiben, wahrend ein Großteil unserer Standorte und Anlagen coronabedingt pausiert". CO2-frei sollen perspektivisch auch Lieferketten und Produktion des Unternehmens werden. Bis 2022 sollen alle Daimler-Werke in Europa CO2-neutral produzieren, alle anderen Standorte sollen 2039 so weit sein.

Zwei Wochen Kurzarbeit

Das Festhalten an diesen Zeilen ist bemerkenswert. Denn aufgrund der sich zuspitzenden Corona-Pandemie hatte der Autobauer zum Beispiel angekündigt, ab 6. April 2020 Kurzarbeit für einen Großteil der Produktion und ausgewählte Verwaltungsbereiche zu beantragen. Von der Kurzarbeit sind sowohl Pkw-, Transporter- und Nutzfahrzeug-Werke des Unternehmens in Deutschland betroffen. Notwendige Grundfunktionen sowie Zukunftsthemen und strategische Projekte waren aber eben von der Kurzarbeit ausgenommen.

Ola Källenius
Daimler
Daimler ist flüssig, sagte CEO Ola Källenius in einem Interview mit dem Handelsblatt. Auf Krisen-Beihilfe vom Staat wolle man daher verzichten.

Aber gab es letztes Jahr nicht mehrere Gewinnwarnungen? 2019 war in der Tat nicht unbedingt das beste Jahr für die Stuttgarter. Mit einem Konzernergebnis von 2,7 Milliarden Euro lag der Konzern 64 Prozent unter Vorjahr. Der Diesel-Skandal erfordert beträchtliche Rücklagen, von einem hohen dreistelligen Millionenbetrag war da die Rede. Insgesamt gab es innerhalb von 12 Monaten drei Gewinnwarnungen – und so wie das Jahr 2020 für die Automobilindustrie anläuft, sieht es nicht nach einer Entspannung der Lage aus.

Soll Daimler lieber fusionieren?

Prognosen von Analysten der Norddeutschen Landesbank sehen einen Einbruch bei Produktion und Absatz um zehn bis 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In einem Bericht vom 24. März sind sogar Fusionen mit verschiedenen möglichen Partnern eine Option. In der Publikation heißt es: "Angesichts der Coronavirus-Krise, aber auch mit Blick auf die disruptiven Zeiten ist vielleicht auch für Daimler die Zeit gekommen, über einen Zusammenschluss nachzudenken, zumal die Bewertungen der Unternehmen gegenwärtig relativ niedrig sind." So liege die Marktkapitalisierung von Daimler zur Zeit bei nur noch rund 25 Milliarden Euro, was den Konzern in Reichweite finanzstarker Investoren aus China bringt. So unterstellte jüngst das Manager-Magazin Geely-Besitzer Li Shufu Interesse an Daimler. Schließlich halte der Herr über das Autoimperium aus Fernost, zu dem auch Volvo, Lynk & Co und Polestar gehören, schon zehn Prozent an Daimler und über ein Joint Venture gehören ihm bereits 50 Prozent von Smart.

Mercedes-AMG C 63, Kurbelgehäuse, AMG 4,0-Liter V8-Biturbomotor, Motorbaureihe M177
Mercedes
Mercedes-AMG C 63, Kurbelgehäuse, AMG 4,0-Liter V8-Biturbomotor, Motorbaureihe M177 Mercedes-AMG C 63, Bauteile, AMG 4,0-Liter V8-Biturbomotor, Motorbaureihe M177 Mercedes-AMG C 63, Kurbeltrieb, AMG 4,0-Liter V8-Biturbomotor, Motorbaureihe M177 Mercedes-Benz Sechszylinder-Benzinmotor M256 7 Bilder

Alternativ zur chinesischen Lösung sehen die Analysten noch ein deutsch-deutsches "Modell mit BMW, mit denen bereits Kooperationen bestehen" sowie ein deutsch-französisch-japanisches "Modell mit den bereits kapitalmäßig verflochtenen Partnern Renault (und Nissan, sofern dieser sich nicht aus der bisherigen Allianz verabschiedet)".

Fazit

Das Coronavirus wird Spuren hinterlassen – auch in der ohnehin vom Umbruch geschüttelten Automobilindustrie. Wohl dem, der da zuvor gut aufgestellt war. Während Produktion und Verkauf in China allmählich wieder hochfahren, ist der Zenit in Europa noch nicht überschritten. Und weil die Aktienkurse mit der Krise so massiv einbrechen, werden die Autobauer gefährlich billig.

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