Ex-VW-Chef Diess: "Noch ist nichts verloren"

Ex-VW-Chef Diess 
„Noch ist nichts verloren“

ArtikeldatumVeröffentlicht am 10.07.2026
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Herbert Diess The Mobility House Verwaltungsratsvorsitzender ams Kongress
Foto: Hans-Dieter Seufert

Bis August 2022 war Herbert Diess Vorstandsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns. Wie heute ging es bei Europas größtem Autobauer ums Sparen. Als Diess 2021 Szenarien mit einem Stellenabbau von 30.000 Arbeitsplätzen rechnen ließ, löste das heftige Kontroversen vor allem mit der Arbeitnehmerseite und der Gewerkschaft aus. Ein Jahr später wurde Diess von Oliver Blume abgelöst.

Mit Blume an der Konzernspitze einigte sich VW Ende 2024 mit den Arbeitnehmervertretern darauf, bis zum Jahr 2030 deutschlandweit rund 50.000 Stellen sozialverträglich abzubauen. Längst ist klar: Das reicht bei weitem nicht, und der Konzern entzweit sich aktuell erneut über Stellenabbau und Werkschließungen.

Herbert Diess heute

Herbert Diess beschäftigt sich aktuell weiter mit den Themen Elektrifizierung und Mobilität. Er ist Mitglied des Aufsichtsrats von Infineon und Verwaltungsratschef von The Mobility House. In dieser Funktion trafen wir ihn zu einem Podcast-Gespräch auf der Messe Power2drive und SmarterE in München.

The Mobility House ist ein Unternehmen, das Elektromobilität und Energiemarkt verbinden will, indem es Fahrzeugbatterien ins Stromnetz integriert. Deshalb dreht sich das Gespräch um E-Auto-Akkus als Pufferspeicher, Vehicle2Grid, Strompreise und Netzentgelte in Deutschland und anderswo. Aber auch um den Druck der chinesischen Autoindustrie auf die deutsche und die Überlegenheit von E-Autos.

Deutsche Autobauer inzwischen gut aufgestellt

Der frühere VW-Chef sieht die deutschen Autohersteller in Sachen E-Mobilität nach einer schwachen Anfangsphase auf einem guten Weg. Die deutschen Hersteller hätten mit den neuen Modellen besonders gegenüber der chinesischen Konkurrenz aufgeholt, sagt Diess bei Moove, dem New Mobility Podcast von auto motor und sport. "Die letzte Generation deutscher Elektroautos ist sehr gut geworden. VW hat bei Elektrofahrzeugen keinen niedrigeren Marktanteil als bei Verbrennern, eher höher – etwa 30 Prozent. Es ist noch nichts verloren."

Um gegen Chinas Konkurrenz zu bestehen, müsse die deutsche Autoindustrie wie schon beim Verbrenner Top-Cluster bilden. "Deutschland hatte bei Premiumautos fast ein Weltmonopol: Porsche, Audi, BMW, Mercedes. Das war ein Ökosystem: intensiver Wettbewerb auf engem Raum, starke Zulieferindustrie, Erprobung auf der deutschen Autobahn." Diese erfolgreiche Strategie müsse die Industrie auch für das Elektroauto aufbauen. "In der neuen Welt braucht es wieder ein Ökosystem: die besten Batteriehersteller hier, die schnellste Ladeinfrastruktur, hohe Absatzzahlen mit elektrischen Autos, eine gewisse steuerliche Förderung." Zudem müssten die deutschen Hersteller in China wettbewerbsfähig bleiben. "Wer da raus ist, wird es langfristig schwer haben. Die Skalen sind in China."

Kritik an hohen Strompreisen

Besonders kritisch sieht Diess die hohen Strompreise in Deutschland als Folge hoher Netzentgelte. "Die Energiepolitik hilft uns derzeit nicht. Wir werden eine Verteuerung der Netzentgelte sehen durch den immensen Netzausbau. Wir werden höhere Energiepreise sehen durch mehr Gas. Das führt in die falsche Richtung", so Diess. "Die Politik wirkt so, als wolle sie bestehende Energieerzeuger und Verteilnetzbetreiber schadlos halten. Es wird zu wenig getan, Energiepreise wirklich zu senken."

Der eigentliche Grund für die hohen Preise in Deutschland: Es gebe viel zu viele Netzbetreiber hierzulande. "In Deutschland liegen wir etwa bei zehn Cent Netzkosten pro Kilowattstunde. In Frankreich sind es vier Cent. Der Unterschied: Wir haben 880 Netzbetreiber in Deutschland. Jeder hat einen Vorstand, jeder ist Monopolist, der Kunde kommt nicht raus. Sie sind reguliert, aber im Prinzip bekommen sie Investitionen über Gebühren vergütet. Das macht das Netz ineffizient." Frankreich habe nur einen Netzbetreiber, der das Netz zu 40 Prozent der Kosten betreibe. Doch das Thema werde in Deutschland nicht angegangen. "Es müsste konsolidiert und besser reguliert werden. Sonst gibt es eine Explosion der Netzkosten. Denn der Strompreis an der Börse liegt zeitweise bei 2,4 Cent – und trotzdem zahlen Verbraucher 35 Cent. Der Unterschied sind die Netzgebühren."

Eine ausführliche Interviewzusammenfassung plus den Podcast in voller Länge findet sich hier auf B2BMoovement, dem neuen Newsletter-Angebot von auto motor und sport in Zusammenarbeit mit dem ETM-Verlag und der Vogel-Communications Group.

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