Zuvor hatte unter anderem der "Spiegel" und die "Bild" unter Berufung auf Aufsichtsratskreise berichtet, Volkswagen bereite weitreichende Einschnitte vor. Demnach sollen unter anderem vier Werke (Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm) in Deutschland geschlossen werden, bis zu 120.000 Stelle wegfallen und weitere drastische Sparmaßnahmen die strategische Neuausrichtung begleiten. In der offiziellen Mitteilung bestätigt der Konzern diese Berichte jedoch nicht ausdrücklich.
Volkswagen spricht stattdessen von einem Maßnahmenpaket mit zwölf Initiativen und einem "Zukunftsplan 2030", der das Unternehmen schneller, robuster und wettbewerbsfähiger machen soll. Dazu gehören eine Straffung des Produktportfolios, eine stärkere Regionalisierung von Entwicklung und Produktion sowie eine Anpassung der Produktionskapazitäten an die aktuelle Marktnachfrage.
Modellpalette soll deutlich kleiner werden
Zu den wenigen konkreten Zahlen die geplante Verkleinerung des Modellangebots. Volkswagen will seine Modellpalette schrittweise um bis zu 50 Prozent reduzieren und die Angebotskomplexität, etwa bei Ausstattungsvarianten, um bis zu 75 Prozent senken. Künftig sollen sich Investitionen stärker auf besonders nachgefragte Fahrzeugsegmente konzentrieren.
Auch die technischen Plattformen, Elektronikarchitekturen und Softwarelösungen sollen stärker vereinheitlicht werden. Parallel dazu will der Konzern Doppelstrukturen abbauen und konzernweite Synergien besser nutzen.
Produktionskapazitäten werden weiter reduziert
Erstmals nennt Volkswagen außerdem ein konkretes Ziel für seine weltweiten Produktionskapazitäten. Künftig soll das Produktionsnetz auf rund neun Millionen Fahrzeuge pro Jahr ausgelegt werden. Vor der Corona-Pandemie waren es im Konzern noch etwa zwölf Millionen Fahrzeuge. Nach Angaben des Unternehmens wurden Kapazitäten für rund zwei Millionen Fahrzeuge bereits abgebaut, weitere Anpassungen sollen insbesondere in Europa und China folgen.
Gleichzeitig kündigt Volkswagen schlankere Führungsstrukturen, mehr Digitalisierung und einen stärkeren Einsatz von Künstlicher Intelligenz an, um Prozesse zu beschleunigen und Kosten zu senken. Beteiligungen kommen auf den Prüfstand
Ein weiterer Schwerpunkt ist das Beteiligungsportfolio. Volkswagen will sich künftig stärker auf das automobile Kerngeschäft konzentrieren und Beteiligungen danach bewerten, welchen strategischen und wirtschaftlichen Beitrag sie leisten. Als Beispiel nennt der Konzern die bereits vereinbarte Veräußerung der Mehrheitsbeteiligung an Everllence, durch die rund 7,4 Milliarden Euro in die Konzernkasse fließen sollen.
Vorstand verweist auf schwieriges Marktumfeld
Konzernchef Oliver Blume bezeichnete den Zukunftsplan als nächsten Schritt der Transformation. Bis 2030 solle Volkswagen das "attraktivste Automobilunternehmen der Welt" werden. Finanzvorstand Arno Antlitz erklärte, die bisher vereinbarten Sparprogramme reichten angesichts des wirtschaftlichen und geopolitischen Umfelds nicht mehr aus. Deshalb müsse das Geschäftsmodell grundlegend weiterentwickelt und die Komplexität deutlich reduziert werden.
Zentrale Fragen bleiben vorerst unbeantwortet
Trotz zahlreicher strategischer Ankündigungen bleibt die Pressemitteilung bei den wohl wichtigsten Fragen auffallend vage. Weder nennt Volkswagen mögliche Werksschließungen noch konkrete Standorte, den Umfang eines möglichen Stellenabbaus oder einen Zeitplan für die Umsetzung der angekündigten Maßnahmen.
Damit bestätigt der Konzern zwar seine grundlegende Neuausrichtung, lässt aber viele Details offen, über die in den vergangenen Tagen bereits berichtet worden war. Ob und wann Volkswagen diese Punkte konkretisiert, dürfte sich erst in den kommenden Wochen und Monaten zeigen.





