Liegt der Umweltminister falsch? Elektroauto-Förderprogramm könnte China nutzen

Elektroauto-Förderprogramm könnte China nutzen
Liegt der Umweltminister falsch?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 20.01.2026
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Leapmotor B10
Foto: Leapmotor

Mit dem Start der neuen Elektroauto-Förderung ab 2026 verschiebt sich der Blick auf den deutschen Automarkt. Erstmals seit Jahren richtet sich eine staatliche Kaufprämie ausschließlich an private Halter. Gewerbliche Zulassungen, die den Elektroauto-Markt dominieren, bleiben bei der Förderung außen vor. Diese Konstruktion wirft eine zentrale Frage auf: Begünstigt die Förderung vor allem chinesische Hersteller, die zuletzt stark zugelegt haben, oder relativiert sich ihr Einfluss durch die besondere Struktur des Privatmarkts?

China holt auf

Gerade dieser Punkt ist für die Einordnung der chinesischen Hersteller zentral. Ihr starkes Wachstum im Jahr 2025 basierte zu großen Teilen auf Segmenten, die außerhalb des neuen Förderrahmens liegen. Marken wie BYD und MG konnten ihre Zulassungen massiv steigern, allerdings vor allem durch eine wachsende Nachfrage nach Hybridmodellen. Bei BYD stieg der Hybridanteil innerhalb eines Jahres von unter vier auf über 50 Prozent, bei MG auf knapp 46 Prozent.

Bundesumweltminister Schneider sieht daher keinen einseitigen Vorteil für Hersteller aus China. "China fürchte ich nicht", sagte er mit Blick auf die neue Förderung. 2025 seien "acht von zehn Elektroautos aus EU-Produktion gekommen". Zudem gebe es keine Einschränkungen nach Herkunft der Fahrzeuge, da eine solche Begrenzung rechtlich nicht vorgesehen sei. Entscheidend sei vielmehr, welche Modelle die Bedürfnisse einkommensschwächerer Haushalte träfen. Schneider verwies darauf, dass Neuwagen für diese Zielgruppe vor allem dann interessant würden, wenn Hersteller Fahrzeuge anböten, die mit Förderung etwa 20.000 Euro kosteten.

Deutsche Marken bei Privatkäufern nicht gefragt

Mit der Aussage zu den meistverkauften Elektroautos in Deutschland liegt der Minister prinzipiell richtig. Was er aber dabei übersieht: Diese meistverkauften BEV (auf den ersten drei Plätzen 2025 lagen VW-Modelle), werden vorrangig von gewerblichen Haltern angeschafft, die für die angekündigte Förderprämie überhaupt nicht infrage kommen. Auf dem Privat-Markt, also bei den Kunden, für welche die Förderung gedacht ist, sehen die Präferenzen ganz anders aus (siehe Tabelle unten). Bei den Privatkäufen von Elektroautos landete weder VW noch ein anderer deutscher Hersteller in den Top 10, dafür mit Leapmotor eine China-Marke (vertrieben von Stellantis).

Die neue Förderung trifft damit auf einen Markt, der in sich gespalten ist. Chinesische Hersteller haben 2025 stark von einer strategischen Neuausrichtung und vom Hybridboom profitiert. Der nun geförderte Privatmarkt folgt jedoch eigenen Regeln und Präferenzen, die sich nicht einfach anhand der nackten Zulassungszahlen beurteilen lassen. Wir gehen davon aus, dass chinesische Marken die Förderprämie für einen neuen Vorstoß auf den deutschen Markt nutzen werden.

Fazit